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Kultur & Gesellschaft

Gibt es immer noch Druiden?

Dieser Artikel stammt aus P.M. Fragen & Antworten
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Gibt es immer noch Druiden?Gibt es immer noch Druiden?
iStockphoto

In diesen Tagen feiern die Erben der geheimnisvollen Priester das keltische Erntefest Lughnasadh und zeigen, dass die Druiden immer noch da sind. Auch Prince Charles gehört einer Druidenloge an.

Bei dem Wort »Druide« fällt einem sofort Miraculix ein. Der weißbärtige Greis aus den Asterix-Comics vereinigt alle Klischees über Druiden in sich: Weise und ehrwürdig verbringt er einen Großteil seiner Zeit damit, aus Eichen Misteln zu schneiden und den berühmten Zaubertrank zu brauen. Tatsächlich entspricht der Comicdruide teilweise dem lückenhaften Bild, das uns von seinen historischen Vorbildern überliefert ist.

Vor weit mehr als zwei Jahrtausenden hatte sich die keltische Kultur in großen Teilen Europas, vor allem in Gallien und auf den Britischen Inseln, breitgemacht und mit ihnen ihre Priester, die Druiden. Die heiligen Männer waren eine Art intellektuelle Elite, die höchstes Ansehen beim Volk genoss, die Söhne des Adels erzog, Recht sprach und wahrscheinlich Menschenopfer darbrachte. Druiden standen als Philosophen, Historiker, Dichter, Sterndeuter, Wahrsager und Magier im spirituellen Zentrum ihrer Kultur und waren auch als Ärzte tätig. Ähnlich wie Miraculix brauten auch sie einen Trank aus Mistelzweigen – wenn auch mit anderer Wirkung: Mistelsud sollte keine Bärenkräfte verleihen, sondern unfruchtbare Tiere fruchtbar machen und Gifte neutralisieren.

Warum gingen die Druiden unter?

Die Keltenherrschaft auf dem Festland war endgültig besiegelt, als Julius Cäsar Mitte des ersten Jahrhunderts v. Chr. Gallien eroberte und unterwarf. Ein gallischer Aufstand unter dem berühmten Häuptling Vercingetorix wurde 50 v. Chr. blutig niedergeschlagen. Der Einfluss der Druiden kam unter die Räder – ihre Naturreligion wurde von den Eroberern für römische Bürger verboten.

Der Sieg Cäsars in Gallien bedeutete auch auf den Britischen Inseln das baldige Ende der Druidenherrschaft: Römische Truppen überfielen die vor der Nordwestküste von Wales gelegene Insel Anglesey und vernichteten dort eines der größten Heiligtümer ihres Kults. Als Priesterkaste hörten die weisen Männer der Kelten damit auf zu existieren; eine solche taucht erst im späteren Mönchstum wieder auf. Ihre Macht und ihr Einfluss sind seitdem erloschen.

Wie kam es zu ihrer Wiederauferstehung?

Die Ausbildung eines Druiden dauerte zwei Jahrzehnte, nichts von dem erworbenen Wissen durfte aufgeschrieben werden. Sämtliche Informationen über die Rituale der Druiden sind deshalb mit Vorsicht zu genießen. Dennoch begann im Zeitalter der Romantik eine hingebungsvolle Verklärung der untergegangenen Priesterkaste. Intellektuelle jeder Couleur schlossen sich seit dem 18. Jahrhundert in einst keltischen Ländern zu Druidenorden zusammen, um so an die Kultur ihrer Ahnen anzuknüpfen. Fortan galten die Druiden als Prototyp des erleuchteten Menschen, der mit sich und der Natur in friedlichem Einklang lebt. Auch wenn keine beweisbaren Zahlen existieren, liegt die Zahl der Mitglieder in Druidenvereinigungen heute bei mehreren Zehntausend. In England ist neben Queen Elizabeth II. auch ihr Sohn Charles prominentes Ehrenmitglied einer Druidenloge.

Was macht ein moderner Druide?

Wie jedes Jahr versammelten sich Tausende von Druiden im sommerlichen Stonehenge, um an der englischen Kultstätte den längsten Tag des Jahres zu feiern. Mit fantasievollen Kostümen und fröhlichen Tänzen soll so an eine Vergangenheit angeknüpft werden, von der wir Außenstehende fast gar nichts wissen. Historische Quellen berichten nur spärlich von Ritualen wie zum Beispiel einer keltischen Taufe. Heutige Druiden behelfen sich deshalb mit modernen Erfindungen wie einem Druidentarot oder dem Druidenyoga »Wyda«, um so neue Traditionen aufzubauen.

Eine besondere Rolle spielen dabei überlieferte keltische Feste wie Lughnasadh, mit dem sich das Volk einst auf die Erntezeit einstimmte. Je nach Region wird es am 1. August oder in den Tagen danach von modernen Druiden mit wilden Feuertänzen begangen. Auch andere keltische Festtage wie die Frühlingsfeier Imbolg, das Fruchtbarkeitsfest Beltane oder die Totenfeier Samhain ziehen durch die oft bunten Zeremonien neben Druiden auch Touristen an.

Tatsächlich verstehen sich viele Druidenorganisationen gleichzeitig als Brauchtumspfleger und sammeln Spenden, um alte Kultstätten instand zu halten. Gruppierungen wie der deutsche Druiden-Orden VOAD legen außerdem Wert auf gemeinnütziges Engagement. Seine in 58 Logen organisierten Mitglieder sehen sich nicht als Inhaber eines geheimen Wissens – der Druide ist für sie als Namensgeber eher ein Symbol für die Verbindung von Ethik, Wissenschaft, Natur-verbundenheit und Weisheit.

 

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