Das große Karthago führte drei Kriege. Es war noch mächtiger nach dem ersten, noch bewohnbar nach dem zweiten. Es war nicht mehr auffindbar nach dem dritten.
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Klimawandel
Gewinner und Verlierer
Dieser Artikel stammt aus P.M. Magazin
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Die globale Erwärmung hat nicht nur Nachteile. Es gibt auch Weltregionen, die wahrscheinlich von den milderen Temperaturen profitieren werden
Seit dem aktuellen Bericht des Internationalen Klimabeirats (IPCC) wird wieder über die möglichen Folgen des Klimawandels geredet. Der Tonfall ist düster: Schlagzeilen von der bevorstehenden »Klimakatastrophe« beherrschen die Debatte. Aber sind die Auswirkungen einer globalen Erwärmung und eines weiteren Anstiegs der CO2-Konzentration in der Erdatmo-sphäre überall katastrophal? Klimaforscher weisen darauf hin, dass der Klimawandel nicht in allen Weltgegenden gleich ablaufen wird. Die regionalen Unterschiede sind zum Teil beträchtlich. P.M. zeigt, wer verlieren und wer gewinnen könnte.
Positiv
Auch wenn es schwer zu glauben ist: Es gibt Regionen, die aus dem fortschreitenden Klimawandel Nutzen ziehen könnten. Viele sind es jedoch nicht. Im Wesentlichen befinden sie sich in nördlichen Breiten, in den nördlichen Gegenden der gemäßigten Klimazone und in der Polarzone. In Deutschland könnte der westliche Teil der Norddeutschen Tiefebene profitieren. Bei einem moderaten Temperaturanstieg geht das Bundesumweltministerium davon aus, dass die Einflüsse von Atlantik und Nordsee dort den Klimawandel abmildern. Folge wäre ein gemäßigt wärmeres Klima, das zumindest Landwirtschaft und Tourismus-Industrie ankurbeln könnte.
Allgemein nehmen Forscher an, dass in der gemäßigten Zone höhere Temperaturen und eine Zunahme des Kohlendioxids die Erträge der Bauern erhöhen können. Das liegt daran, dass Nutzpflanzen wie Getreide das zusätzliche CO2 in mehr Körner umsetzen. Ab einem Temperaturanstieg von mehr als drei Grad Celsius – wenn die schlechteren Szenarien der Klimaforscher eintreten sollten – würde Hitzestress in den Pflanzen die positiven Effekte für die Landwirtschaft allerdings wieder zunichte machen.
Der IPCC schreibt in seinem jüngsten Bericht, dass etwa in Skandinavien nördlichere Landesteile, in denen es bisher kaum möglich war, Landwirtschaft zu betreiben, zu potenziellen Anbauflächen werden. Der russische Präsident Wladimir Putin äußerte vor einiger Zeit gar die Hoffnung, dass sich die bislang meist gefrorenen Böden
Sibiriens zu einer künftigen Kornkammer Russlands entwickeln könnten, wenn die Permafrost-Gebiete tauen.
Ebenfalls positiv bewertet der IPCC die Tatsache, dass in den nördlichen Zonen wesentlich weniger geheizt werden müsste. Dadurch würde Energie gespart und – je nach Energieträger – auch fossile Brennstoffe, deren Verfeuerung bislang viel CO2 freisetzt.
In Nordamerika könnten sich in landwirtschaftlichen Zonen, die vor allem mit Regenwasser bewässert werden, die Erträge um fünf bis 20 Prozent steigern, wenn die Niederschläge dort zunehmen. Denselben Effekt hält der IPCC auch im südlichen und westlichen Neuseeland für möglich.
In der Arktis wird die sommerliche Eisdecke auf dem Nordpolarmeer drastisch abnehmen – ein Effekt, der bereits vor 30 Jahren begonnen hat. Ab 2040 könnte das Nordpolarmeer im Sommer sogar völlig eisfrei sein, schätzen Klimaforscher. Das würde eine neue, deutlich kürzere Route für die Schifffahrt zwischen den Atlantikhäfen und Fernost eröffnen. Der Treibstoffverbrauch der Handelsflotten sänke – und damit auch die CO2-Emissionen, die bei der Verbrennung von Schweröl und Schiffsdiesel anfallen.
Negativ
Die negativen Folgen überwiegen allerdings bei Weitem. In Deutschland sehen Klimaforscher den Nordosten – Mecklenburg-Vorpommern und Teile Brandenburgs –, den Südosten – besonders die Lausitz – sowie das Oberrheintal in Baden-Württemberg als künftige Verlierer. Trinkwasserverknappung und Dürren, aber auch vermehrte Hochwasser der großen Flüsse werden hier den Bauern zu schaffen machen. Im Oberrheintal ist mit der für Deutschland stärksten Erwärmung von bis zu 2,5 °C zu rechnen.
Wassermangel und Hitze drohen auch Süd- und Südosteuropa. Das beeinträchtigt nicht nur die Landwirtschaft, sondern auch die Energieversorgung: Wasserkraftwerken stünde nicht mehr ausreichend Wasser zur Verfügung, und aus Flüssen entnommenes Kühlwasser könnte bereits so warm sein, dass die Abwärme von Kraftwerken die Flüsse in einem ökologisch nicht mehr vertretbaren Maße weiter aufheizt. Dann müssten Kraftwerke zeitweise abgeschaltet werden, was zu Engpässen bei der Stromversorgung führen würde.
Die Alpen beginnen die Folgen der globalen Erwärmung bereits jetzt zu spüren. Die Schneegrenze verschiebt sich seit einigen Jahren, Gletscher schrumpfen, bislang gefrorene Berghänge tauen und führen zu Hangrutschungen, Schlamm- und Gerölllawinen. Diese Auswirkungen werden deutlich zunehmen und Wintersport-Tourismus zuletzt nur noch in wenigen Gebieten zulassen.
Der Rückgang von Schnee und Eis ist auch in Hochgebirgen auf anderen Kontinenten ein Problem. Während ein Niedergang des Skisports eher ein Luxusproblem darstellt, besteht die eigentliche Gefahr in der Trinkwasserversorgung der umgebenden Landschaften. Denn schmelzen die Gletscher ab, schwinden auch wichtige Trinkwasserreservoire.
Zweiter Effekt: Weil die Schneeschmelze früher einsetzt, rauschen die frei werdenden Wassermassen früher als bisher im Jahr ins Tiefland. Am Ende des Sommers, wenn die Trinkwasserversorgung ohnehin am stärksten belastet ist, führen die Flüsse dann nicht mehr genug Nachschub heran. Von diesem Problem werden nicht nur Alpen-Anrainer betroffen sein, sondern gerade auch Metropolen an der amerikanischen Westküste wie Los Angeles sowie das dicht besiedelte Nordindien, das im Wesentlichen von den Wasservorräten des Himalaja abhängt.
In Zentralasien und auf dem indischen Subkontinent hält der IPCC zudem einen Rückgang der landwirtschaftlichen Erträge um bis 30 Prozent für möglich. Während der Klimabeirat für Ostasien optimistischer ist, rechnet die chinesische Regierung für den schlimmsten Fall damit, dass der Reisanbau auch in China um mehr als ein Drittel zurückgehen könnte, weil Anbauflächen schrumpfen und Trockenheit und Hitze den Pflanzen zu schaffen machen.
In Südamerika wird vor allem das östliche Amazonas-Gebiet zur Problemzone. Klimaforscher erwarten hier einen allmählichen Wandel des tropischen Regenwalds zu einer eher trockenen Savanne, wie es sie in weiten Teilen Afrikas gibt. In den landwirtschaftlichen Gebieten zwischen Kolumbien und Argentinien besteht außerdem erhöhte Gefahr, dass die Böden versalzen.
Besonders bedroht sieht der IPCC den gesamten afrikanischen Kontinent, der ohnehin schon von politischen und sozialen Krisen gebeutelt ist. Bereits bis 2020 könnten – zusätzlich zu den in heutigen Trockenzonen lebenden Menschen – weitere 75 bis 220 Millionen Menschen unter verschärftem Trinkwassermangel leiden. Die großen Seen in Zentralafrika wiederum werden sich so aufheizen, dass die Fisch-Erträge stark zurückgehen.
Ähnlich stark in Mitleidenschaft gezogen wie Afrika könnte Australien sein, das bereits seit einigen Jahren mit außerordentlichen Dürren zu kämpfen hat. Die werden in Zukunft weiter zunehmen und Landwirtschaft und Trinkwasserversorgung beanspruchen.
Am verwundbarsten sind nach Einschätzungen des IPCC aber sämtliche Küstengebiete und Flussdeltas, in denen heute zwei Drittel der Menschheit leben. Viele sind gegen höhere Sturmflutpegel und einen Anstieg des Meeresspiegels nicht annähernd so gut gewappnet wie etwa die Niederlande oder auch die deutsche Nordseeküste. In der subtropischen und der tropischen Zone halten Forscher eine deutliche Zunahme von Wirbelstürmen für möglich, allerdings ist ein Zusammenhang zwischen globaler Erwärmung und Sturmhäufigkeit bislang nicht bewiesen.
Die großen Verlierer des Klimawandels sind die Inselstaaten in der subtropischen und tropischen Zone, vor allem im Pazifik. Steigende Meerestemperaturen führen dazu, dass Korallenriffe absterben und sich die Mangrovenwälder an der Küste ins Inselinnere zurückziehen. Beide waren bisher ein wirksamer Schutz gegen Sturmfluten. Ihre Erosion würde Inselstaaten bei einem steigenden Meeresspiegel umso schutzloser zurücklassen und zudem die Fischbestände schmälern, eine wichtige Nahrungsgrundlage der Inselbevölkerungen.
Die große Unbekannte in der Klimarechnung sind die weiten Permafrostgebiete in Alaska, Kanada und Russland. Zwar könnte ihr Auftauen neue landwirtschaftliche Anbaugebiete schaffen. Gleichzeitig würden aber enorme Mengen des Treibhausgases Methan freigesetzt, das bislang im Permafrost gebunden ist. Über die Menge des Methans, das dann den Treibhauseffekt weiter verstärken würde, gibt es noch keine ernst zu nehmenden Schätzungen. Klar ist aber: Ölpipelines und Siedlungen nehmen ernsthaft Schaden, wenn sich der gefrorene Boden unter ihren Fundamenten in eine weiche Masse verwandelt.
- Wissenschaft & Technik
- Zukunft der Erde, Teil 1
- Zukunft der Erde, Teil 2

























