Diese Seite bookmarken:

Diese Seite bookmarken

Schiiten

Frommer als der Prophet erlaubt?

Dieser Artikel stammt aus P.M. HISTORY
Hier geht's zum aktuellen Heft »

Im Streit um das Erbe Mohammeds kam es 680 beim irakischen Kerbela zur Schlacht zwischen rivalisierenden islamischen Gruppen: die Geburtsstunde der schiitischen Glaubensrichtung, der heute zwei Drittel der Iraker angehören. Hier lesen Sie, wie alles begann.

Die Männer tragen weiße, mit Blut befleckte Gewänder. Wie in Trance marschieren sie durch die überfüllten Straßen, schlagen sich mit geballten Fäusten auf die Brust oder geben sich rhythmische Klapse auf den Kopf.
Manche schwingen gefährlich ihre Schwerter. »Haidar! Haidar!« (Löwe! Löwe!), skandieren sie. Aus Wunden am Kopf tropft ihnen Blut über die Gesichter. Sogar Kinder befinden sich unter der Prozession. Wir schreiben den 30. Januar 2007, und die Schiiten in Nabatiya im Südlibanon feiern das »Ashura-Fest«.

»Aschura« ist der heiligste Tag im schiitischen Kalender: der 10. Tag des Monats Muharram – »Aschura« bedeutet auf Arabisch »der Zehnte«. An diesem Tag gedenken Schiiten eines schmerzhaften historischen Ereignisses aus dem Jahr 680: der Schlacht von Kerbela. Damals kämpften etwa 70 Anhänger des Schiiten Hussein ibn Ali gegen angeblich 4000 Krieger des Kalifen Jazid ibn Muawiya – Muslime gegen Muslime also. Die Schiiten wurden regelrecht abgeschlachtet. Hussein weigerte sich, sich zu ergeben und wurde hingerichtet. Sein Grab in Kerbela ist für schiitische Muslime neben Mekka die heiligste Kultstätte des Islam.

Die »Schia« ist die zweitgrößte Konfession des Islam. »Schia«, das arabische Wort für Partei, ist die Kurzform für »Schi’at Ali« – »Partei Alis«. Der Begriff entstand bereits in den Anfängen des Islam. Heute bekennen sich 10 bis 15 Prozent der insgesamt 1,3 Milliarden Muslime zur Schia. Die Mehrzahl der Muslime sind Sunniten: Anhänger der Sunna (eine nichtkanonische Sprüchesammlung des Propheten), was so viel bedeutet wie Anhänger der Tradition. Bis zur Islamischen Revolution im Iran 1979 hatten die meisten Nichtmuslime keine Ahnung, was sie sich unter Schia vorstellen sollten.
Noch keine Bewertungen vorhanden
Autor/in: P.J. Blumenthal


Mehr zum Thema:

Einsortiert unter:

Ali  /  Glauben  /  Irak  /  Islam  /  Kerbela  /  Mohammed  /  Muslim  /  Schia  /  Schiiten  /  Sunniten