Keiner ist so dumm, dass er sich nicht hin und wieder dumm stellte.
Die 10 großen Mysterien unserer Existenz
Der perfekte Mord ist Geschichte
Papiergeld - Das Risiko des schönen Scheins
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Verlangen die Frauen heute zu viel?
Gibt es bald ein Medikament gegen das Altern?
Wann wird eine Psycho-Krise zum Trauma?
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92 qualitativ hochwertige Sudokus – für Anfänger, Fortgeschrittene, Experten und Champions
Zu gewinnen: drei Qualitäts-Kochtopf-Sets!
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Noch mehr Rätselspaß:
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Nachhaltig-robuste Wissenschaft
Forscher und Bürger – eine Community
Ein frischer Wind fegt durch die Wissenschaft. Vorbei die Zeiten, als Forscher ex cathedra ihre Erkenntnisse der Öffentlichkeit kundtaten, die Bürger „Bahnhof“ verstanden und aus Scham vor ihrer vermeintlichen Ungebildetheit die Köpfe einzogen, Journalisten sich als Sprachrohr der Wissenschaft, bestenfalls Übersetzer begriffen. Vor 15 Jahren wehte ein neues Denken von England herüber, wo der Wissenschaftsaufklärer John Durant respektlos an den Elfenbeintürmen rüttelte und verlangte: „Die Allgemeinverständlichkeit der Wissenschaft ist ein Grundrecht der Öffentlichkeit.“
Forscher auf dem Marktplatz der Öffentlichkeit
Erstaunlich, wie rasch sein „Public Understanding of Science“ die deutsche Wissenschaftskultur umkrempelte, wie beherzt Forscher auf den Marktplatz der Öffentlichkeit traten, um mit Steuerzahlern und Verbrauchern über pro und contra ihrer Studien zu diskutierten. Das „Cafe Scientifique“, der lockere Diskurs im Bistro-Ambiente, etabliert sich als alternatives Kulturprogramm. So fand in München dieser Tage ein spritziger Austausch zwischen Chemikern und Laien über Luftreinheit und Klimaschutz statt – in der Wissenschaftssprache Englisch. Höhepunkt: Arbeitsgruppen, bunt gemischt aus Schülern und Senioren, präsentierten nicht nur originelle, sondern empirisch auch gesicherte Vorschläge zur Kohlendioxid- und Feinstaub-Reduzierung.
Keine Faktenorgie – Erlebnisse erzählen
Der Trend ist offensichtlich: Forscher wollen Bürgern auf Augenhöhe begegnen, ist doch die Öffentlichkeit die kritische Masse für die Akzeptanz neuer Erkenntnisse. Um diesen Community-Ansatz haben sich besonders zwei preisgekrönte deutsche Wissenschaftskommunikatoren verdient gemacht. „Nicht belehren, keine Fakten-Orgie abspulen – Erlebnisse erzählen!“, verlangt Wolfgang Heckl, Generaldirektor des Deutschen Museums. Harald Leschs TV-Sternenschau und Kosmo-Philosophie auf „alpha centauri“ genießt Kultstatus – ein Astrophysiker zum Anfassen, der sich nicht zu fein für Debattier-Duelle ist, bei denen er seine Rhetorik mit der von Studenten misst und auch mal verlieren kann. Für seinen Einsatz hat er 2005 den Communicator-Preis des Stifterverbands bekommen, drei Jahre nach Wolfgang Heckl, dem Communicator-Preisträger 2002. „Um Komplexes begreifbar zu machen, bedarf es der Kraft des erzählenden Wortes“, beschreibt Lesch den narrativen Auftrag des Wissenslehrenden.
Dritter Sektor Motor der Innovation
Der Laie soll nicht nur verstehen, er muss sich auch einmischen. Eine Bühne dafür bot unlängst die Europäische Commission in Brüssel mit dem Forum „Science in Society“. Bei diesem mahnte EU Kommissar Janez Potocnik eine stärkere Partizipation der Bürger an. „Innovation ist für Jeden“, erklärte der französische Museumsexperte Bernard Chevassus-au-Louis, weshalb der Dritte Sektor, Nichtregierungs-Organisationen und Zivilgesellschaft, „Motor der Innovation“ werden müssten, etwa bei der Gesundheitspflege.
Senioren wollen Pharmaforschung beraten
In einem Workshop beklagten Senioren, dass sie sich „eingesperrt“ fühlten, weil sie keinen Einfluss darauf hätten, was ihnen bei Altersleiden verschrieben werde. Sie verlangten eine Partnerschaft zwischen Pharma-Industrie und Kranken mit dem Ziel: die Expertise von Betroffenen in Testreihen und Therapien einfließen zu lassen. Diese Forderung wird unterfüttert von den Erfahrungen von Selbsthilfeorganisationen. Deren Klienten verstehen sich als Experten ihrer selbst, Laien-Experten, die selber am besten wissen, was ihnen gut tut.
Öffentlichkeit ist Ko-Produzentin neuen Wissens
Das EC-Forum beschloss eine engere Kooperation zwischen Akteuren aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft, was auf den Gebieten Umwelt, Gesundheit, Landwirtschaft und Energie Synergieeffekte nutzen sowie Kosten einsparen soll. Die Öffentlichkeit sei stets „Ko-Produzentin“ im geistigen Schöpfungsprozess, unterstreicht die Wissenschaftsphilosophin Helga Nowotny. Dieser Dialog sichere die Annahme und Erdung neuen Wissens. „So wird Wissen sozial robust“, sagt sie – Ängste wie gegenüber gentechnisch veränderten Nahrungsmitteln werden eingebunden.
Wikipedia für Forschungsberichte
Diese sozio-akademische Verzahnung, vorangetrieben von Wissenschaftsläden und Community-Hochschulen, sorgte im letzten Herbst in England für Aufsehen. Laien riefen eine Bürger-Jury ins Leben, die Experten wochenlang auf Herz und Nieren über Nutzen und Risiken der Nano-technologie befragte und danach das Verdikt erließ: Hersteller von Produkten, die Nanopartikel enthalten, sollten Verbraucher darauf hinweisen. Unterdessen wird in Deutschland über einen Bürgerrat für Zukunftsfragen nachgedacht, auf einer Robert-Jungk-Zukunftswerkstatt wurde gefragt, ob nicht eine „Forschungs-Wikipedia“ geschaffen werden könnte, die Jedem Zugang zur Rohstoff-Pipeline der Wissenschaft gestattet und Fälschungen öffentlicher Kontrolle unterwirft.
Brückenbauer, Durchleuchter, Analysten
Und Journalisten – welche Rolle bleibt ihnen? Die Forscher kommunizieren selber, durch Storytelling immer bürgernäher; der Bürger sucht sich seine Information online selber, wird durch Blogs zum Mitgestalter der Kommunikationsströme, sogar zu seinem „eigenen Programmdirektor und Chefredakteur“, so die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Neuen Biss kriegt der Wissenschaftsjournalismus, wenn er sich als Brückenbauer, Durchleuchter und Analyst begreift, der „die Welt der Wissenschaft mit dem Leben gewöhnlicher Menschen verbindet, Licht bringt in den Prozess wissenschaftlicher Untersuchungsmethoden und die Öffentlichkeit aufklärt über den sozialen, ökonomischen und politischen Kontext der Forschung“, wie der Weltverband der Wissenschaftsjournalisten definiert. Unparteiischer Anwalt der Öffentlichkeit zu sein, das sichert Wissenschaftsjournalisten neben Forscher-Kommunikation und Industrie-PR eine eigene mächtige Säule – aber sollte er sich als ein solcher nicht schon immer begriffen haben?
Der Artikel erschien im Jahresbericht 2006 des »Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft«. Der Autor, P.M.-Redakteur Wolfgang C. Goede, ist Mitorganisator des ESOF-Seminars „Quality science journalism: is a new style needed?“, das das hier angerissene Thema vertieft. Siehe dazu auch sein Beitrag „Keine Innovation ohne Repräsentation. Die Zivilgesellschaft als neuer Akteur in der Wissenschaft“, erschienen in: „Kontroversen als Schlüssel zur Wissenschaft?“, Hg.:Wolf-Andreas Liebert, Marc-DenisWeitze, transcript Verlag.
























