Das große Karthago führte drei Kriege. Es war noch mächtiger nach dem ersten, noch bewohnbar nach dem zweiten. Es war nicht mehr auffindbar nach dem dritten.
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Wiedervereinigung
"Es war ein schwerer Weg zur Einheit"
Hans-Dietrich Genscher ist einer der populärsten Staatsmänner der Nachkriegszeit. Er prägte die deutsche Politik und brillierte als diplomatischer Architekt der Wiedervereinigung. Im Gespräch mit P.M. HISTORY räumt der Innen- und Außenminister a.D. mit alten Mythen auf – und erzählt, wie er selbst die Wende erlebt hat.
Dieser Artikel stammt aus P.M. HISTORY
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P.M. HISTORY: Herr Genscher, während des Kalten Krieges bedrohten die Atomraketen von NATO und Warschauer Pakt auch das geteilte Deutschland. Haben Sie sich damals vorstellen können, dass innerhalb des Lebensalters einer Generation nicht nur abgerüstet wird, sondern es sogar zur Wiedervereinigung kommt?
Hans-Dietrich Genscher: Ich habe immer Zuversicht gehabt, dass ich bei einer normalen Lebenserwartung den Tag der Einheit miterlebe. Insgeheim habe ich gehofft, daran mitwirken zu können. Es ist deshalb verständlich, dass ich über den Ablauf der Dinge, vor allen Dingen über den friedlichen Ablauf, sehr froh bin und dass mich persönlich große Dankbarkeit erfüllt. Das alles kam nicht von selbst und ist auch nicht eine Laune der Geschichte im Jahre 1989 gewesen, wie das gelegentlich dargestellt wird. In Wahrheit war es ein langer und schwerer Weg zur Einheit Deutschlands und Europas. Bis in das Ende der 60er-Jahre hinein verfügte der Westen über kein politisches Konzept für die Überwindung der Teilung. Der Westen hatte mit der Gründung der NATO und der EWG das richtige Konzept gegen die Gefahr einer sowjetischen, möglicherweise auch militärischen Expansion. Erst der Harmel-Bericht (benannt nach dem belgischen Außenminister Pierre Harmel; Anm. d. Red.) war ein politisches Konzept, bestehend aus den Elementen: gesicherte Verteidigung, auf dieser Grundlage Zusammenarbeit mit dem Ziel einer gesamteuropäischen Friedensordnung. Die deutschen Ostverträge, heiß umstritten in Deutschland, und die KSZE führten das Konzept aus und schufen die Rahmenbedingungen für eine Öffnung der sozialistischen Staaten.
Wie verlief die Annäherung der Politiker aus beiden deutschen Staaten in den 70er- und 80er-Jahren? Welche Begegnungen sind Ihnen besonders in Erinnerung, etwa zwischen Helmut Schmidt und Erich Honecker 1975 in Helsinki?
Es war zunächst ein schwieriges, auch verkrampftes Verhältnis. Die Begegnung in Helsinki war ein Schritt zu besserer Zusammenarbeit im Interesse der Menschen, und das war eine wichtige Station auf dem Weg zur Einheit.
Wann hatten Sie zum ersten Mal den Eindruck, dass die Eiszeit zwischen Ost und West zu Ende geht?
Sichtbares Zeichen war das Auftreten Gorbatschows mit der Forderung nach Glasnost und Perestroika.
Wie verlief Ihr erstes Treffen mit Michail Gorbatschow – und welchen Eindruck hatten Sie an diesem Tag von ihm?
Meine erste Begegnung mit ihm fand im Sommer 1986 statt. Es war gänzlich anders als die Treffen etwa mit Breschnew. Es war ein offenes Gespräch. Ich war überzeugt, dass Gorbatschow es ernst meinte mit Zusammenarbeit und Abrüstung. Damit stand ich allerdings ziemlich allein. Im Westen wurde gegenüber Gorbatschow sehr viel Misstrauen gehegt. Meine Forderung, Gorbatschow ernst zu nehmen, ihn beim Wort zu nehmen, eine historische Chance nicht zu versäumen, wurde als Blauäugigkeit bezeichnet und meine Politik des Eingehens auf die neuen Signale im Osten als Nachgiebigkeit. Man sprach vom »Genscherismus«. Ich bin darüber sehr froh. Es zeigte sich: Gorbatschow ließ seinen Worten Taten folgen. Der NATO-Doppelbeschluss: Bei den Mittelstreckenraketen, die Breschnew aufstellen ließ, nachzurüsten, aber zur Beseitigung aller Mittelstreckenraketen auf beiden Seiten bereit zu sein, führte zu einer ersten umfassenden Abrüstung im atomaren Bereich. Man kann sagen, die Politik Gorbatschows, Schewardnadses und Jakowlews (der Berater Gorbatschows; d. Red.) war eine Revolution von oben. Sie öffnete auch den Weg für die friedlichen Freiheitsrevolutionen im sowjetischen Machtbereich. In einem Klima des Kalten Krieges wäre das nicht möglich gewesen. Es zeigt sich auch, dass die Geschichte einen anderen Verlauf genommen hätte, wenn westliche Arroganz und Ignoranz die von Gorbatschow ausgestreckte Hand verweigert hätten.
Jeder erinnert sich daran, wie Sie am 30. September 1989 zu den DDR-Bürgern in der Prager Botschaft sprachen. Ist diese historische Sternstunde auch Ihre ganz persönliche Sternstunde?
Das eindeutig ja. Es erfüllt mich auch heute noch mit derselben Emotionalität und derselben Dankbarkeit wie vor 19 Jahren.
Wie nahe gingen Ihnen die Schicksale der Hilfe suchenden DDR-Bürger – 37 Jahre, nachdem Sie selbst die DDR verlassen hatten?
Ich konnte ihre Empfindungen gut verstehen und ihre Motive auch. Das erklärt auch, warum ich darauf bestand, dass unsere Botschaften im Ausland jeden DDR-Bürger aufnahmen, der das wollte. Forderungen, die Botschaften zu schließen, wies ich mit dem Argument zurück, dass ich nicht die Absicht hätte, die Berliner Mauer auch noch vor unseren Botschaften im Ausland zu errichten. Im Grunde haben die Botschaftsflüchtlinge mit ihrem Willen, Freiheit für sich selbst zu bekommen, Geschichte geschrieben. In Prag wurde der Mauer der entscheidende schwere Schlag versetzt.
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