Das große Karthago führte drei Kriege. Es war noch mächtiger nach dem ersten, noch bewohnbar nach dem zweiten. Es war nicht mehr auffindbar nach dem dritten.
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Wissenschaft aktuell
Erster Ritt auf den Kometen
Dieser Artikel stammt aus P.M. Magazin
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Die kosmische Jagd ist eröffnet. Die Forschungssonde »Rosetta« hat abgehoben zu der längsten Reise, auf die sich ein Fahrzeug je begeben hat. Fast eine Milliarde Kilometer entfernt am Rande unseres Sonnensystems soll sie in zehn Jahren den Kometen »Churyumov-Gerasimenko« aufspüren und mit dem eiskalten Trabanten ein himmlisches Rendezvous vollziehen.
Bei einer Fluggeschwindigkeit von 135000 km/h wird sich das Landegerät »Philae« über dem Eisbrocken absenken. Der nur vier Kilometer große »Chury« hat eine so geringe Anziehungskraft, dass auf ihm der hundert Kilogramm schwere »Philae« nur ein paar Gramm wiegt und Gefahr läuft, beim Aufsetzen wie ein Ball abzuprallen. Deshalb wird er vorher aus seinen Spinnenfüßen drei mit Widerhaken besetzte Harpunen abfeuern, die sich einen halben Meter tief in den kosmischen Körper bohren und den irdischen Spion fest auf ihm verankern.
Dessen Messinstrumente sollen erstmals wissenschaftliche Antworten liefern auf eine Kardinalfrage der Kosmologie. Kometen bildeten sich vor viereinhalb Milliarden Jahren bei der Entstehung des Sonnensystems und haben in ihrem Eis Urmaterie, möglicherweise sogar komplexere organische Verbindungen konserviert – sind mit ihnen das Wasser und vielleicht sogar Lebenskeime auf unseren Planeten gekommen?
Während der nächsten sechs Jahre wird sich Rosetta noch in Erdnähe aufhalten und Schwungenergie »auftanken«, die den drei Tonnen schweren Apparat auf die lange Reise katapultieren soll. Dazu fliegt die Sonde dreimal um die Erde und einmal um den Mars; beim nahen Vorbeiflug an den Planeten gerät das Raumfahrzeug in deren Schwerkraftfelder und wird dadurch beschleunigt – ähnlich wie im Sport, wenn der Hammer durch die Drehungen des Hammerwerfers immer mehr Schwungkraft gewinnt. In allmählich größer werdenden Kreisen steigt das Tempo der Sonde im Laufe der Jahre von 40000 km/h auf über 100000 km/h – mit dieser Fluchtgeschwindigkeit verabschiedet sie sich schließlich in die Tiefe des Alls.
Zwei mit Solarzellen bedeckte Sonnensegel, insgesamt 64 Quadratmeter groß, versorgen Rosetta mit Energie, die während des langen Fluges hauptsächlich dafür verwendet wird, die auf ihren Kometeneinsatz wartenden Instrumente betriebswarm zu halten. Hat die Sonde »Chury« erreicht, wird sie den Klumpen eine Zeit lang im Abstand von 25 Kilometern begleiten, während er in seiner ovalen Bahn um die Sonne (ein Umlauf dauert 6,6 Jahre) unserem Zentralgestirn immer näher kommt.
Mit der Zunahme der Temperatur entwickeln sich in dem Kometen Gase, und der Schweif entsteht – ein Gemisch aus Dampf und Staub, das er wie einen mächtigen Kondensstreifen hinter sich herzieht. Spezialkameras schießen Aufnahmen von den Ausgasungen, Messinstrumente analysieren die Bestandteile des Schweifs – alle Daten werden zur Erde gefunkt. 45 Minuten beträgt die Reisezeit der lichtschnellen Signale.
Dann, im November 2014, ist es so weit: Das Landegerät wird seinen mehrstündigen Abstieg zum Eisbrocken beginnen und sich in ihm mit seinen Harpunen verkrallen. Eine ganze Batterie von Instrumenten wird aus nächster Nähe die Geheimnisse des kosmischen Schneeballs ausspionieren. Viele von ihnen wurden eigens für diese Mission vom Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik in Garching bei München entwickelt. Das Landegerät selbst ist vom Direktor des Max-Planck-Instituts für Aeronomie in Katlenburg-Lindau, Helmut Rosenbauer, konzipiert worden. Damit spielt Deutschland eine Schlüsselrolle bei dieser Expedition, die von der Europäischen Weltraumagentur ESA geleitet wird und an der 14 Nationen beteiligt sind.
Das eine Milliarde Euro teure Projekt soll aber nicht nur die Entstehung des Lebens auf unserem Planeten erhellen, sondern dessen Bewohner auch beschützen helfen.
Jenseits des Pluto befinden sich viele Millionen Kometen, die in unregelmäßigen Bahnen um die Sonne kreisen. Einer von ihnen stürzte vor 65 Millionen Jahren auf die Erde und löschte die Dinosaurier aus. Wie sich die Menschheit vor diesen Geschossen aus dem All schützen und ob man anfliegende Brocken zum Beispiel mit Raketen vom Kurs abbringen könnte – auch darüber soll das europäische Chury-Rendezvous mehr Klarheit schaffen.
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