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Künstliche Intelligenz

Er versteht Sie wirklich!

Roboter gelten gemeinhin als tumbe Maschinen. Jetzt aber werden »soziale Roboter« wie »Kismet« entwickelt. Sie lernen wie Menschen und sehen uns auch ähnlich. Ist dies der Beginn einer Ära, in der Roboter Bewusstsein haben - und was bedeutet das für uns?

Dieser Artikel stammt aus P.M. Magazin 01/2008
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Der humanoide Roboter Kismet kann seine Gefühle durch Mimik äußern.Der humanoide Roboter Kismet kann seine Gefühle durch Mimik äußern.
Der humanoide Roboter Kismet kann seine Gefühle durch Mimik äußern.
Jared C. Benedict, Wikimedia

Es war ein sonniger Frühlingsnachmittag, als ich meinen ersten humanoiden Roboter kennenlernte. Er war von Doktoranden am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston entwickelt worden und hieß »Mertz«. Die Kamerasensoren hinter seinen Augen waren darauf programmiert, Gesichter zu erkennen. Eigentlich sollte der Roboter Blickkontakt mit mir aufnehmen und ein Gespräch beginnen. Doch Mertz streikte, und die Entwicklerin Lijin Aryananda fing an, nach dem Grund zu suchen.

Mertz besteht aus einem Metallkopf, der auf einem flexiblen Hals sitzt. Er hat eine kindliche Stimme und Augen wie Pingpong-Bälle, darüber buschige Augenbrauen – alles Merkmale, die bei Menschen Sympathien für den Roboter wecken sollen. Aber wenn irgendwas in seinem Computerprogramm nicht stimmt, fängt Mertz sinnlos zu brabbeln an, und es wird klar, dass hinter den großen schwarzen Augen niemand zu Hause ist.

An diesem Nachmittag war Mertz in denkbar übler Verfassung. Zusammenhanglos reihte er irgendwelche Sätze aneinander: »Du bist zu weit weg« – »Bitte bring mir ein paar Farben bei« – »Du bist zu weit weg«. Vielleicht stimmt etwas mit dem Kamerasensor nicht, sagte Aryananda. War das der Grund, warum Mertz immerzu zur Decke blickte und Klagen ausstieß? Ich wünschte dem Roboter alles Gute. Doch zugleich dachte ich: »Wenn dieses Ding noch einmal ›Du bist zu weit weg‹ jammert, erwürge ich es.«

Zu den »menschlichen« Eigenschaften der Roboter, die von der Humanoid Robotics Group am MIT entwickelt werden, gehören Fehleranfälligkeit und Weinerlichkeit ebenso wie Kopf, Arme und Rumpf. Diese humanoiden Maschinen sind keine Übermenschen aus Metall und Computer-Software. Sie sind auch nicht die gelehrigen Diener, die Arbeiten für uns übernehmen. Und ebenso wenig sind sie die alptraumhaften Monster, bekannt aus Sciencefiction-Filmen, die gegen ihre Schöpfer rebellieren. Stattdessen sind sie auf ihre menschlichen Entwickler angewiesen, die sie zum Laufen bringen und ihre Fehler beheben.

Microsoft-Chef Bill Gates verglich die heutige Entwicklungsstufe der Roboter einmal mit jener des Personal Computer Mitte der 1970er Jahre. Damals hätte es bekanntlich kaum jemand für möglich gehalten, dass die riesigen, langsamen Maschinen eines Tages unseren Alltag beherrschen würden. Auf ähnliche Weise liefern heutige Roboter nur eine vage Vorstellung davon, wie wir sie in 30 Jahren einsetzen werden.

Soziale Roboter sind darauf programmiert, wie Menschen zu lernen – mit ihrem Körper, ihren Sinnen und durch das Feedback, das sie auf ihr Verhalten bekommen. Wie wir Menschen benutzen sie Augenkontakt und Gesten. Und wie wir Menschen, beginnen sie mit grundlegenden Fähigkeiten, die sie im Zuge ihrer Erfahrungen erweitern. Werden Roboter eines Tages fähig sein zu lernen? Werden sie Bewusstsein haben? Wird eine solche Maschine wissen, dass sie ein Roboter ist – und dass Sie es nicht sind?

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