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Einer für alle

Dieser Artikel stammt aus P.M. Magazin
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Einer für alleEiner für alle

Home-Entertainment – das bedeutete bislang: verschiedene Geräte, Kabel und Stecker an mehreren Orten. Jetzt verschmelzen Radio, Fernsehen, Internet und Telefon. Wie gut klappt die Fusion?

Die Familie hat sich vor dem Fernseher versammelt und wartet gespannt auf den Auftritt der russischen Sopranistin Anna Netrebko in der Fernsehshow »Wetten, dass ...?«. Da läutet es an der Tür. Warum aufstehen und den heiß erwarteten Auftritt der Sopranistin mit der glockenrein schönen Stimme verpassen? Ein Druck auf die TV-Fernbedienung blendet das Bild der Haustürkamera ins Fernsehprogramm ein, ein weiterer Druck öffnet die Tür, und der Nachbar kann sich dem vorweihnachtlichen TV-Event anschließen.

Wenig später, die Operndiva scherzt gerade charmant mit dem Showmaster Thomas Gottschalk auf dem Sofa, zeigt der Fernsehbildschirm den Eingang einer E-Mail mit einem Link ins Web an. Ein Klick genügt, und schon schaltet sich die Website von eBay in »Wetten, dass ...?« ein. Plötzlich ertönt eine Nachricht aus der Handy-Mailbox: Ins Büro des Vaters wurde eingebrochen. So ein Pech! Gerade jetzt! Die heiß erwartete Arie aus »La Traviata« verpassen? Ein Druck auf die Fernbedienung, und der virtuelle Videorecorder im Internet zeichnet den Auftritt der Operndiva in bester Bildqualität auf – während man sich auf den Weg zum Vater macht.

Fernsehen,Radio, Internet, Musik und Telefon – alles gesteuert von einem Gerät. Wird das Zusammenwachsen der Medien, die fast gebetsmühlenartig wiederholte Vision der vergangenen Jahre, jetzt endlich Realität? Das Zauberwort heißt »Networked Home Entertainment« – und es beschwört die schöne, voll vernetzte digitale Unterhaltungs- und Kommunikationswelt.

Wie sehr die einst getrennten Welten bereits verschmolzen sind, hat ein Test von T-Online bewiesen. Ende 2005 übertrug statt der üblichen Kabel-, Antennen- oder Satelliten-betreiber der deutsche Internet-Primus T-On-line das Live-Programm von zehn TV-Sendern in die Wohnstuben von Gunnar Wernher und rund 250 weiteren Hamburger Testkunden. »Das sah kaum anders aus als gewöhnliches Fernsehen«, lobt der 48-jährige Tester die Qualität der TV-Bilder.

Das klingt banal – und doch ist es eine technische Revolution. Denn das vermeintlich normale Fernsehbild kam – codiert als digitaler Datenstrom – aus dem Internet über eine gewöhnliche Telefonleitung auf die TV-Schirme. Erst eine Settop-Box am DSL-Internetanschluss, die wiederum mit dem Fernseher verbunden war, wandelte den einheitlichen Fluss aus Bits und Bytes in getrennte Informationen zurück: E-Mails, Web-Seiten, Homebanking-Überweisungen oder eben TV-Bilder – abzurufen gleichermaßen am Fernseher wie am PC.

Die Deutsche Telekom hat in den letzten Jahren für drei Milliarden Euro ein VDSL-Hochgeschwindigkeitsnetz (Very High Data Rate Digital Subscriber Line) aufgebaut, um neben Internet und Telefon auch über hundert Fernsehkanäle in die Haushalte zu übertragen. Im Gegenzug rüsten die Fernsehkabelgesellschaften ihre Netze für Telefon und Internet auf. Dieser Dreiklang aus Internet, Telefon und Fernsehen aus einer Hand nennt sich neudeutsch »Triple Play« – ein Kabel für alles.

»Triple Play« bringt vor allem durch die Zusammenarbeit zwischen Computer und Fernsehen handfeste Vorteile: Filme werden auf der Festplatte gespeichert und können zu jedem beliebigen Zeitpunkt angeschaut werden. Wer einen Film ansieht, bekommt zum Beispiel auf dem Bildschirm angezeigt, wenn die händeringend erwartete E-Mail eingetroffen ist. Statt wie bisher zum Computer ins Arbeitszimmer zu rennen, kann der Nutzer die Nachricht per Fernbedienung auf dem Fernsehschirm öffnen und lesen.

Der Nutzer kann elektronische Programmführer einblenden, interaktives Fernsehen zum Mitmachen ist ebenso möglich wie eine schnelle Recherche bei Google. Videos werden im Zeitalter des Triple Play online ausgesucht und heruntergeladen.

Die Steuerung des heimischen Netzes übernimmt der Personalcomputer oder ein so genanntes »Media-Center«: Dieses braucht als Mitspieler nur noch den Fernseher, die Boxen und ein kabelloses Netz.

Bislang bedeutete Home-Entertainment« in aller Regel eine Vielzahl höchst unterschiedlicher Geräte nebst den dazugehörigen Fernbedienungen. Wird das Media-Center, wie beispielsweise das Fujitsu-Siemens-»Activity Media Center«, wirklich all die unterschiedlich großen silbernen und schwarzen Geräte im Wohnzimmer so intelligent miteinander vernetzen können, dass wir nicht ständig nach der richtigen Fernbedienung suchen müssen? Theoretisch ja, aber praktisch funktioniert es eben noch nicht so ganz. Noch sind nicht alle Standards vereinheitlicht, noch treten bei der Vernetzung Schwierigkeiten auf.

Apple nähert sich dem »Einer für alle«-Prinzip mit einer kleinen Box, die die vorläufige Bezeichnung »iTV« trägt. Dieses Media-Center – so groß wie zwei Zigarrenschachteln – verbindet den Computer drahtlos mit dem Fernseher über eine WLAN-Verbindung. Auf diese Weise lassen sich Musikstücke, Fotos und auch Filme, die auf der Computerfestplatte liegen, auf dem TV-Bildschirm anzeigen. iTV soll Anfang nächsten Jahres für 299 Dollar auf den Markt kommen.

Philips geht das Thema Media-Center von einer anderen Seite her an: Die Musik-Station WACS 7000 samt Sound-Bibliothek sorgt dafür, dass die Musikstücke kabellos an bis zu fünf Geräte gesendet werden können – kein Streit mehr zu Hause um die Robbie-Williams-CD.

Irgendwann werden wir überhaupt keine Fernbedienungen, Telefone oder Mäuse mehr in die Hand nehmen müssen, um uns im vernetzten Heim perfekt zu unterhalten – denn dann hängt der allwissende, multifunktionale, sprachgesteuerte, superflache Komunikationsbildschirm an der Wand. Aber das dauert noch ein paar Jahre.

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Autor/in: Manon Baukhage


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