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Sammy Davis jr. & Kim Novak

Eine unerlaubte Affäre

Dieser Artikel stammt aus P.M. Biografie
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Er ist der größte Entertainer der Welt – und ein „Nigger“. Sie gilt als schönste Frau der Welt – und ist eine weißhäutige Blondine. Als die beiden sich verlieben, fühlen sie sich stark genug für den Skandal, den sie damit auslösen. Doch sie haben etwas unterschätzt: die Macht ihrer Feinde.

Sie trägt schwarz und rückenfrei. Sehr dunkel liegt die Hand des Tanzpartners auf ihrer weißen Haut. Die beiden tanzen eng aneinandergeschmiegt, aber niemand auf der Party nach der Oscarverleihung 1979 scheint sie besonders zu beachten.

Als Kim Novak und Sammy Davis jr. von der Tanzfläche gehen, flüstert er ihr fassungslos ins Ohr: „Keine Blitzlichter? Keine schmutzigen Kommentare? Was zum Teufel ist passiert?“ Viel ist passiert. Fast 22 Jahre sind vergangen, seit die einstige Ikone des weißen Amerika und der Aufsteiger aus einem Schwarzen-Getto aufeinander trafen, beschlossen, sich zu verlieben und damit eine Lawine lostraten, die ihre Liebe groß machte – obwohl sie eigentlich nur eine verhängnisvolle Affäre war.

Oktober 1957: Chicagos Edelclub „Chez Parée“ ist gerammelt voll. Erwartet wird der „größte Entertainer der Welt“, Sammy Davis jr., ein „Neger“, ein „sexuelles Tier“, wie Zeitungen schreiben. Trotz seiner Hautfarbe hat er es ganz nach oben geschafft. Für seine Auftritte im „Sands“ in Las Vegas kassiert er die unfassbar hohe Wochengage von 25000 Dollar. Auch an diesem Abend in Chicago wird Sammy Davis jr. seinem Ruf gerecht: Sobald er die Bühne betritt, liegt Spannung in der Luft. Jeder Blick, jede Bewegung des Sängers heizt die Atmosphäre auf, bis alle nur noch an eines denken: Sex.

Vor der Bühne sitzt eine spektakuläre Blondine. Sie heißt Kim Novak, ist 24 Jahre alt. Die gebürtige Chicagoerin hat gerade einen ihrer besten Filme abgedreht („Vertigo“ unter der Regie von Alfred Hitchcock) und wird in wenigen Monaten zur beliebtesten Schauspielerin der Welt gekürt werden. Die Botschaften, die von der Bühne herunterprasseln, treffen ins Schwarze. Wie eine Jägerin taxiert die kühl wirkende Blondine den „größten Entertainer der Welt“. Durch die rauchgeschwängerte Luft hindurch schaut er sie an. Wortlos sagt sie: Ja!

Nein, er stürmt nicht an ihren Tisch, und auch sie versucht nicht, ihn hinter der Bühne zu treffen. Jeder geht in dieser Nacht erst einmal seiner Wege. Noch herrscht brutale „Apartheid“ in Nordamerika, sogar für die schwarze Elite. Im Vertrag, den Sammy Davis mit dem „Sands“-Hotel unterzeichnet hat, wird ihm zum Beispiel ausdrücklich verboten, dort zu wohnen; außerdem hat er das Etablissement unauffällig durch den Hintereingang zu betreten. Auch beim Auftritt in Chicago bekommt Davis die Schizophrenie seiner weißen Fans zu spüren. Mitten hinein in die Standing Ovations brüllt eine Stimme das hässliche Wort: Nigger.

Warum hat Kim Novak den „Nigger“ nicht einfach am nächsten Tag vergessen? Und warum nimmt er ihr wortloses Versprechen ernst? Bahnt sich da eine schicksalhafte Liebe an? Oder passt das gefährliche Schwarz-Weiß-Spiel einfach ins Lebenskonzept der beiden Stars? Ein paar Wochen später jedenfalls ist ein Mittler zwischen den getrennten Welten gefunden: Tony Curtis. Beide kennen den jungen Schauspieler unabhängig voneinander. Kann er sie miteinander bekannt machen, mit der nötigen Diskretion?

Er kann. Im November 1957 gibt Curtis zu Hause eine Party, lädt beide ein und erinnert sich später: „Sie wichen kaum voneinander. Man sah sie zwar nicht knutschen oder Händchen halten, aber um sie herum war eine seltsame Intensität. Sie redeten, redeten, redeten.“ Wenige Tage später bleibt es nicht beim Reden. Novak empfängt Sammy Davis in ihrem Haus in Beverly Hills. Es gibt Spaghetti. Und Sex.

Die Liebe ist von Anfang an zum Tode verurteilt. Wie das personifizierte Unheil steht ein gefährlicher Mann zwischen den beiden: Harry Cohn, der Chef der Columbia-Studios, einer der mächtigsten Bosse der Filmindustrie, eng liiert mit den Mafia-Paten von Hollywood und Chicago. Kim Novak ist bei Cohn unter Vertrag und ihm damit nach den damals geltenden Studiogesetzen mit Haut und Haar ausgeliefert.

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