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Hydropolis
Ein Hotel geht auf Tauchstation
Vor Dubais Küste baut der deutsche Architekturdesigner Joachim Hauser Hydropolis, das erste Unterwasserhotel der Welt. 15 Meter unter dem Meeresspiegel entstehen 300 Zimmer – und alles, was auch Luxusherbergen an Land zu bieten haben. Ist Hydropolis der Start in die Besiedlung des Meeres?
Dieser Artikel stammt aus P.M. Magazin
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Hydropolis - das erste Unterwasserhotel der Welt
Alle, inklusive meiner Frau, haben mich für verrückt erklärt«, sagt Joachim Hauser. Sein Traum, Hydropolis, das erste Unterwasserhotel der Welt zu bauen, stieß auf wenig Verständnis. Jahrelang hatte er an seiner Lieblingsidee getüftelt, Pläne gezeichnet, mit Architekten gesprochen. Doch immer wieder scheiterte er an der Frage: Wer soll solch ein utopisches Projekt Hydropolis finanzieren? Eines Tages saß er mit seinem Freund Peter Pesendorfer zusammen, der als Geschäftsmann seit 30 Jahren im arabischen Raum tätig ist und über beste Kontakte verfügt. Hauser schilderte ihm seine Idee. Pesendorfer sagte nur ein Wort: »Dubai.«
Wenn Hauser heute am Jumeirah Beach steht und auf das Meer hinausblickt, dann weiß er, dass seine Vision von Hydropolis bald Wirklichkeit wird. Noch liegt der Arabische Golf ganz ruhig da, keine Welle kräuselt ihn. Weit draußen ist ein Fischerboot zu erkennen, ein paar Kormorane kreisen am Himmel. Doch bald schon werden hier die ersten Wasserbagger ans Werk gehen, um Sand vom Meeresboden hochzuschaufeln und ein Fundament zu bauen. 2006, wenn alles gut geht, soll Hydropolis, das erste Unterwasserhotel der Welt, fertig sein. Wie eine riesige Tauchstation wird es 500 Meter vor der Küste im Wasser liegen. Ein submarines Luxushotel mit 300 Zimmern und Suiten, Wellness-Bereich und Konferenzsälen. 15 Meter unter dem Meeresspiegel wird der Gast durch das Panoramafenster von Hydropolis schauen und vor dem Einschlafen statt Schafen Fische zählen.
Hydropolis - die Erfüllung eines Lebenstraums
Für den 57-Jährigen aus dem bayerischen Albaching ist Hydropolis – wörtlich: die Stadt im Wasser – die Erfüllung eines Lebenstraums. Seine Faszination für die Unterwasserwelt reicht zurück bis in die Kindheit. Nächtelang verschlang er mit der Taschenlampe unter der Bettdecke die Abenteuerromane von Jules Verne. »20000 Meter unter dem Meer«, die Geschichte um Kapitän Nemo und sein 90 Meter langes Luxus-U-Boot, begeisterte ihn besonders. Später saß er dann im Kino und verfolgte gebannt, wie James Bond in »Der Spion, der mich liebte« das Unterwasser-Laboratorium »Atlantis« seines Gegenspielers Stromberg entdeckt. Auch das Interesse des studierten Architekturdesigners Hauser für den Nahen Osten zeichnete sich schon früh ab. Seit den 1970er Jahren führten ihn immer wieder Aufträge in die Region. In Saudi-Arabien, Syrien, Kuwait und den Vereinigten Arabischen Emiraten beschäftigte er sich mit dem Innenausbau von Fabriken, Schulen und Sportzentren. Und hatte nebenbei Gelegenheit, sich mit der arabischen Mentalität vertraut zu machen. Er wusste: »Araber lassen sich gern von visionären Projekten überzeugen, wenn man die richtigen Argumente hat.«
Er wusste auch, dass Dubai aus mehreren Gründen einen perfekten Standort darstellt. Der Arabische Golf bietet ein ideales Umfeld für den Unterwasserbau. »Das Meer darf keine hohen Wellen haben«, sagt Hauser, »der stürmische Atlantik etwa wäre überhaupt nicht geeignet.« Dazu kommen touristische Kriterien: Es muss einen Ganzjahrestourismus geben – aus Rentabilitätsgründen. Unter diesem Aspekt dürfte es derzeit auf der Welt keinen geeigneteren Standort für Hydropolis als die boomende Wüstenmetropole geben. Seit 1991 haben sich die Besucherzahlen hier verfünffacht. Erklärtes Ziel des Tourismusministeriums ist es, bis zum Jahr 2010 jährlich 15 Millionen Besucher in den Stadtstaat zu bringen. Noch fließt in dem Mini-Emirat das Öl, doch es ist bekannt, dass die Quellen in etwa zehn Jahren erschöpft sein werden. Deshalb setzt man jetzt alles auf den Tourismus. Sheikh Mohammed bin Rashid Al Maktoum plant nichts mehr und nichts weniger, als »die führende touristische Destination der Welt« zu werden. Der Kronprinz ist der Mann, der hinter dem atemberaubenden Aufstieg des Stadtstaats steht. Er ist bekannt dafür, dass ihm kein Projekt zu gewagt ist.
Alles, was Hauser noch brauchte, war ein geeignetes Entree. Sein Freund Pesendorfer verschaffte ihm den entscheidenden Kontakt: Anfang Dezember 2002 erhielt Hauser eine Audienz bei der Dubai Development and Investment Authority (DDIA), der Projektabteilung Al Maktoums. Es gelang ihm, das Gremium zu überzeugen. Scheich Al Maktoum hat er zwar bis heute nicht persönlich kennen gelernt, aber keine vier Wochen nach dem ersten Treffen mit dessen Mitarbeitern hatte er die Zustimmung in der Tasche. Die Unterstützung der Herrscherfamilie öffnete alle Türen. Im Oktober 2003 konnte die Finanzierung unterschrieben werden. Über seine Geldgeber schweigt sich Hauser aus. Es darf vermutet werden, dass die Herrscherfamilie selbst für einen Großteil der 520 Millionen Euro aufkommt – wie bei den meisten Vorzeigeprojekten in Dubai. Im Gegenzug erhofft man sich einen gewaltigen Imagegewinn. »Hydropolis wird eine ganz neue Dimension des Tourismus eröffnen«, sagt Salem bin Dasmal, Vizedirektor der Dubai Development und Investment Authority.
Für Joachim Hauser hat ein ruheloses Leben begonnen. Er pendelt zwischen Dubai und dem heimischen Albaching. Der Kontrast zwischen der boomenden Wüstenmetropole und dem ländlichen Bayern könnte größer nicht sein. Doch seine Besuche zu Hause werden immer seltener. Die meiste Zeit verbringt er in Dubai, wo er ein möbliertes Appartement bewohnt. »Ich habe alles auf dieses Projekt gesetzt«, sagt der Mann mit der goldgerahmten Pilotenbrille trocken. »Entweder ganz oder gar nicht.« Seit 1999 beschäftigt er sich intensiv mit Hydropolis – die Durststrecke der Planungsphase, in der er selbst kein Geld verdient, hat er privat vorfinanziert. »Keine Bank gibt Ihnen für so etwas Kredit«, konstatiert er achselzuckend.
Immer wieder fährt Hauser hinunter zum Strand von Jumeirah. Kurz vor Weihnachten 2003 wurde hier die Bautafel errichtet, noch in diesem Frühjahr soll mit dem Bau begonnen werden. Ein »Filetstück« nennt Hauser die 1500 Quadratmeter Grund, die er für 100 Jahre gepachtet hat. Es ist eine der letzten freien Bauflächen am Jumeirah Beach, direkt nebenan liegt das Fünf-Sterne-Hotel Ritz-Carlton. Hier soll einmal die Landstation stehen, wo die Gäste des Unterwasserhotels Hydropolis einchecken und empfangen werden. Dann besteigen sie einen gläsernen Zug, der sie durch einen Tunnel unter dem Strand zum eigentlichen Ziel bringt, dem Hydropolis, das »wie eine gläserne Badewanne«, so Hauser, in den Fluten liegt.
Die Idee eines Unterwasserhotels scheint dem Designer ganz natürlich: »Alles Leben kommt aus dem Wasser. Unsere Erdoberfläche besteht zu 71 Prozent aus Wasser, auch der Mensch besteht zu 75 Prozent aus Wasser.« Für Joachim Hauser ist die Beschäftigung mit extremem Design nicht neu. Vor Jahren arbeitete er schon einmal an einem futuristischen Projekt mit: Er entwarf die Innenausstattung eines Weltraumhotels. Zu seinem Bedauern wurde das Vorhaben aus finanziellen Gründen und sicherheitstechnischen Bedenken gestoppt. Bei Hydropolis, da ist er sich sicher, wird es solche Probleme nicht geben. »Technisch sind wir seit langem in der Lage, so etwas zu bauen«, sagt er. »Aspekte wie die Lüftungstechnik oder der Brandschutz funktionieren genau wie auf einem Kreuzfahrtschiff.« Sicherheitsrisiken sieht er nicht: »Zwischen dem Hotel und dem offenen Meer liegt eine 2,5 Meter dicke Betonmauer, alle Fenster sind aus 18 Zentimeter dickem Plexiglas. Das ist nötig wegen des hohen Wasserdrucks in 15 Meter Tiefe.« Es liegen Angebote von vier Versicherungsfirmen vor, die bereit wären, Hydropolis zu versichern.
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