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Nostradamus

Ein Hellseher, der schwarz sah

Dieser Artikel stammt aus P.M. Biografie
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Sein Geheimnis fasziniert bis heute: Michel Nostradamus, erfolgreich als Pest-Arzt, Astronom und Prophet. Um der Inquisition zu entkommen, führte er ein gefährliches Doppelleben. Fast alle Katastrophen der Menschheit lassen sich in sein kryptisches Werk hineinlesen.

Auch in dieser Nacht sitzt der französische Pest-Arzt Nostradamus in seiner Studierstube unterm Dach. Er schreibt bei flackerndem Kerzenlicht, beschwört mit zittrigen Tintenstrichen die Zukunft. Diesmal beginnt er mit einer geografischen Ortsbestimmung: „Cing et quarante degrerez ciel bruslera ...“, In vier Zeilen kündigt der selbsternannte „Seher“ eine ferne Katastrophe an:

„Am 45. Breitengrad wird der Himmel brennen./ Das Feuer nähert sich der großen Neuen Stadt,/ Augenblicklich schießt eine große, mächtige Flamme empor./ So wird man versuchen, die Normannen auf die Probe zu stellen.“

Über vier Jahrhunderte später, am 11. September 2001, bohren sich zwei von islamistischen Terroristen entführte Passagiermaschinen in die Zwillingstürme des New Yorker World Trade Centers. Der Himmel brennt. Die Welt steht unter Schock. Kurz danach wird im Internet vermehrt nach „Gott“ und „Teufel“ gefahndet. Häufiger als jeder andere Begriff wird von Sinn-Surfern indes ein lateinischer Name ins Suchmaschinen-Fenster getippt: NOSTRADAMUS.

Hat der berühmte Gelehrte im Frankreich des 16. Jahrhunderts den Terrorangriff tatsächlich vorausgesehen? Eingeschworene Anhänger zweifeln nicht daran. Sie sind felsenfest davon überzeugt, dass der prophetische Feuer-Vierzeiler ein zwar verschlüsselter, aber doch eindeutiger Hinweis auf das Manhattan-Desaster ist. Ihre Argumentation: Die „große Neue Stadt“ (la grand' cité neuve) kann nur New York sein; zwar liegt die Ostküsten-Metropole am 40. Breitengrad, aber die Richtung stimmt. Auch für die Nennung der Normannen gibt es eine Erklärung. Kurt Allgeier, eine Eminenz in Esoterik-Kreisen, erklärt bündig: „Die Normannen sind Nordländer, in diesem Fall wohl die Amerikaner.“
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Autor/in: Frank Nicolaus


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