Diese Seite bookmarken:

Diese Seite bookmarken

Memphis

Die vergessene Metropole Ägyptens

Dieser Artikel stammt aus P.M. HISTORY
Hier geht's zum aktuellen Heft »

Die Ägyptologin und HISTORY-Autorin Susanne Voß erzählt die Geschichte der einst prächtigsten Stadt am Nil – und was Forscher bisher davon entdeckt haben.

Als sich vor rund 5000 Jahren der ägyptische König Menes aufmachte, um die Stadt Memphis zu gründen, soll er nur ein paar Seile und eine Hacke bei sich gehabt haben. Angetan mit einem knappen Schurz verließ er nachts seinen Palast und begab sich zum Ufer des Nil. Inmitten eines idyllischen Palmenhains wählte er einen Platz aus – im Osten floss träge der mächtige Strom, im Westen leuchtete hell die Wüste in der klaren Nacht. Immer wieder blickte der Herrscher zum Himmel hinauf, zu den »Oberen«, wie die alten Ägypter die Sterne nannten. Von ihnen allein hing es ab, wie er die Grenzen für die zukünftige Stadt bestimmen würde.

Als er sich seiner Sache sicher war, kniete sich Menes nieder und rollte die Seile aus. Dann begann er die Stricke zu spannen, einen nach dem anderen, bis er ein Areal abgesteckt hatte, das mit den »Oberen« übereinstimmte: Ein exakt nach den vier Himmelsrichtungen orientierter Grundriss war entstanden. Noch immer auf den Knien, begann der König nun, Stück für Stück die Erde aufzuhacken und kleine Gaben in die Löcher zu stecken. Sorgfältig strich er die Löcher danach wieder zu und schippte noch ein wenig Sand obenauf. Dann erhob er sich und besah seine Arbeit. Die Voraussetzung für die Errichtung seiner Stadt war geschaffen. Nach Sonnenaufgang würden die Bauarbeiten beginnen.

So ungefähr könnten wir uns die Gründung von Memphis, der ältesten Hauptstadt am Nil vorstellen. Zumindest wissen wir aus zahlreichen Darstellungen, dass allen wichtigen Bauvorhaben ein Ritual vorausging, wie es oben beschrieben ist. Dass diese Aufgabe im Fall von Memphis einem Pharao namens Menes zufiel, behaupteten später griechische Quellen. Und sie nannten auch einen Zeitpunkt: Es geschah »zu Anbeginn der Zeit«. Die Überlieferung scheint zuverlässig. Auch in den altägyptischen Königslisten sowie auf Siegeln und anderen Schriftträgern gibt es einen König mit dem Namen »Meni« (griechisch »Menes«, was möglicherweise »der Bleibende« bedeutet) – der Fachwelt geläufiger unter seinem Herrschernamen Hor-Aha. Und tatsächlich handelt es sich um den ersten König der 1. Dynastie, also den ersten Herrscher der ägyptischen Zeitrechnung um 3000 v. Chr.
Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 1.5 (2 Bewertungen)


Mehr zum Thema:

Einsortiert unter:

Abydos  /  Ägypten  /  Alexander der Große  /  Alexandria  /  Cheops  /  Gizeh  /  Heluan  /  Hor-Aha  /  Horus  /  Kairo  /  König Snofru  /  Mastaba  /  Memphis  /  Menes  /  Nil  /  Osiris  /  Palästina  /  Pharao  /  Pharao Djoser  /  Pharao Menes  /  Pyramiden  /  Sakkara  /  Seth  /  Sinai