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Titelstory

Die unheimliche Gabe der Propheten

Dieser Artikel stammt aus P.M. Magazin
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Die unheimliche Gabe der ProphetenDie unheimliche Gabe der Propheten

Wahrsagen galt bisher als Fähigkeit, die man allenfalls großen Propheten zutraute. Jetzt wollen Forscher nachgewiesen haben, dass jeder hellsehen kann. Stehen wir vor einem Umbruch in der Wissenschaft? Müssen wir das Bild, das wir von uns selbst haben, ändern?

Enza Massa zittert vor Aufregung, als sie in dem alten Folianten blättert. Die italienische Journalistin hat in der römischen National-Bibliothek zufällig ein verschollen geglaubtes, mysteriöses Buch entdeckt. Es trägt den Titel »Vaticinia Nostradami« (»Die Prophezeiungen des Nostradamus«). Darin fi nden sich 80 unbekannte Zeichnungen von einem Mann, der im 16. Jahrhundert mit düsteren Prophezeiungen von sich reden machte: Nostradamus (1503–1566). Der französische Mathematiker und Astrologe ist der berühmteste Vertreter einer Zunft, der viele Menschen zutiefst misstrauen: Propheten und Hellseher. Nicht zu Unrecht. Denn auf dem Feld der Wahrsagerei tummeln sich von jeher unzählige Scharlatane, Betrüger und Fälscher. Gesunde Skepsis ist also angebracht, wenn man hört oder liest, ein Hellseher habe »schon alles vorhergewusst«. Und dennoch können auch Skeptiker nicht völlig ausschließen, dass es so etwas wie die Gabe zur Präkognition (lateinisch: vor der Erkenntnis), also zum Voraussehen und zur Vorhersage von Ereignissen aus der Zukunft, gibt. Diese Fähigkeit sei sogar messbar, behaupten jetzt einige Wissenschaftler. Mehr noch: Jeder Mensch besitze sie! Was die Forscher der renommierten amerikanischen Princeton University in einem spektakulären Experiment entdeckt haben, lässt Weissagungen in einem völlig neuen Licht erscheinen – auch jene, die in dem vergessenen Buch des Nostradamus entdeckt wurden.

Seit dem Zufallsfund 1994 nämlich suchten »Nostradamiker« nach Zusammenhängen zwischen den neu aufgetauchten Bildern und den bekannten Prophezeiungen ihres Meister-Propheten. Doch erst am 11.9.2001 glückte ein Durchbruch. Die Fernsehbilder vom Anschlag auf das New Yorker World Trade Center lieferten eine verblüffende Verbindung zu einem der bunten Wasserfarbenbilder im Buch. Das Gemälde zeigt einen brennenden Turm. Aber die Flammen sind nicht die eines gewöhnlichen Gebäudebrands. Lodernde Feuerzungen schießen aus den Fenstern. Wie bei einer Explosion. Hatte nicht Nos tradamus vor mehr als vier Jahrhunderten prophezeit: »Beim 45. Breitengrad wird der Himmel brennen. Das Feuer nähert sich der großen neuen Stadt. Im selben Moment schießt eine große mächtige Flamme empor, wenn man versucht, die ›Normans‹ auf die Probe zu stellen.« Für den Schweizer Nostradamus- Spezialisten Ursetti ist dies ein eindeutiger Hinweis auf das Manhattan- Desaster. »Mit ›Neue Stadt‹ meint Nostradamus zweifellos New York. Und die ›Normans‹ sind die US-Amerikaner – oder aber der Ausdruck steht symbolisch für die Nationen des Nordens.« Zwar liegt die Ostküsten-Metropole am 40. Breitengrad, aber die Richtung stimmt. Ob 9/11, die Atombombe, die Schüsse auf Papst Johannes Paul II. oder der Tod von Prinzessin Di in Paris – all diese Ereignisse der jüngeren Geschichte, wie auch einige der schlimmsten Katastrophen der Menschheit überhaupt, soll Nostradamus vorhergesagt haben. Seit fast 500 Jahren gilt er seinen Verehrern als der größte Prophet und seinen Verächtern als Clown des Aberglaubens. Aus seinen dunklen Versen lässt sich fast alles ableiten – aber auch: fast nichts. Zwischen denen, die daran glauben, und denen, die es nicht tun, scheint keine Vermittlung möglich. Deshalb ein konkreteres und überdies wohldokumentiertes Beispiel aus dem Bereich der Prophetie: Im Jahre 1658 starb in Prag eine 90-jährige Frau, die überall in Europa nur die »Sibylle von Prag« genannt wurde. Über ihr Leben weiß man wenig. Ganz sicher ist aber: 300 Jahre vor Hitler sah sie voraus, dass die Nationalsozialisten an die Macht kommen würden. Wie hätte sie sonst von einem »mächtigen Mann« sprechen können, »der in seinem Wappen ein seltsames Kreuz trägt«? Die »Sibylle von Prag« prognostizierte auch jene Waffe, die wir heute Panzer nennen. Sie fabulierte von »eisernen Häusern, die auf Kufen und Ketten laufen«. Nicht weniger erstaunlich ihre Weissagung: »Menschen machen große Kessel, füllen sie mit Feuer und Wasser und stellen sie dann auf Räder und in Boote.« Kann man die Dampfmaschine besser beschreiben? Auch die Aussagen des bayerischen Schafhirten Matthias Stromberger (1740–1806) sind so deutlich, dass man nicht herumrätseln muss. »Bei stundenweiter Entfernung schwatzen sich die Leut in die Ohrwascheln.« Das Telefon. Es wird erst 100 Jahre später in Deutschland eingeführt. Berühmt ist Mühlhiasls Weissagung: »Eiserne Straßen werden in den Wald gebaut, und grad am Klautzenbach vorbei wird der eiserne Hund bellen.« Gemeint war die Eisenbahn. Und weiter: »Im Vorwald wird die eiserne Straße gebaut. Wenn sie fertig ist, geht es los ...« Tatsächlich begann der erste Weltkrieg (im August 1914) am selben Tag, an dem die Eisenbahnlinie Kalteneck-Deggendorf eingeweiht wurde.

Hätten der Mühlhiasl und die Sibylle das alles auch auf »normalem Weg« herausfi nden können? Machen Sie doch einfach das Experiment und versuchen Sie, sich vorzustellen, was in zwanzig, fünfzig oder hundert Jahren vermutlich geschehen wird. Je intensiver Sie grübeln, umso mehr werden Sie feststellen, dass unser Denken nur in der Lage ist, aus schon bekannten Tatsachen auf künftige Entwicklungen zu schließen. Zu welchem Ergebnis man dabei kommen kann, zeigt beispielhaft jene Prognose aus dem Jahre 1870, die auf ernsthaften Überlegungen und seriösen Berechnungen beruhte: »Da der Droschkenverkehr in London so zunimmt, werden die Straßen von London in weniger als 30 Jahren einen halben Meter hoch mit Pferdemist belegt und unpassierbar sein.« Rein rechnerisch mag dies gestimmt haben, aber dann kam das Auto – und alles verlief anders. Wie wenig bei einer »methodischen Prognose« herauskommt, zeigen auch aktuelle Ergebnisse der wissenschaftlichen Zukunftsforschung. Sie sind sehr unzuverlässig – was Futurologen selbst auch bereitwillig einräumen. »Die Zukunftsforschung «, so der Zukunfts- Philosoph Andreas Ginger, »ist im Wesentlichen eine Geschichte von Fehlprognosen.« Klar: Man kann als Wissenschaftler immer nur davon ausgehen, dass unvorhergesehene Entwicklungen nicht eintreten. Gerade das Unvorhersehbare ist aber der Bereich des Hell sehens. Im Kriegsjahr 1914 schreibt der bayerische Infanterist Andreas Rill aus seinem Quartier bei Colmar wundersame Feldpost an die Lieben daheim. Einen »prophetischen Franzosen« hätten sie einvernommen, und »was der alles gesagt hat«, damit werde er nicht fertig: »Es ist nicht zum Glauben.« Für Deutschland sei der Krieg verloren, habe der Franzmann erzählt, »und geht bis ins fünfte Jahr, dann kommt Revolution«. Später gibt es »so viel Geld, dass man’s beim Fenster rauswirft und klaubt’s niemand mehr auf«. »Zirka 32« erscheine ein »Mann aus der niederen Stufe, und er macht alles gleich in Deutschland«, und zwar »mit einer Strenge, dass es einem das Wasser bei allen Fugen raustreibt ... Jeden Tag gibt’s neue Gesetze, und viele werden dadurch manches erleben oder gar sterben«. Dann naht »die Zeit 38; werden überfallen und zum Kriege gearbeitet «. Stehe an der »Jahreszahl vier und fünf, dann wird Deutschland von allen Seiten zusammengedrückt, und das zweite Weltgeschehen ist zu Ende. Und der Mann verschwindet, und das Volk steht da und wird noch vollständig ausgeraubt «.

Selbst ein Berufs-Skeptiker wie der verstorbene Freiburger Psi-Professor Hans Bender stand staunend stramm. Die »Authentizität« der Feldpostbriefe zog der Wissenschaftler nicht in Zweifel, bei den »politischen Voraussagen bis nach 1945« sah er sich mit einer »unbegreifl ichen Tatsache konfrontiert«. Solcherart Prophetie fasziniert wohl jeden. Denn mit unserem »normalen Verstand« können wir die Zukunft nicht »in den Griff bekommen«. Wenn indes Hellseher einen Blick durchs Schlüsselloch des Zukunftstores werfen können, ist es dann möglich, künftige Ereignisse abzuwenden? Im Mai 1956 erscheint in der amerikanischen Sonntagszeitungs- Beilage »Parade« ein Artikel über Jeane Dixon (1904–1997). Sie behauptet von sich, dass sie mithilfe einer Kristallkugel in die Zukunft schauen könne. Eine ihrer Vorhersagen: Bei der Präsidentenwahl des Jahres 1960 werde der Kandidat der Demokratischen Partei siegen. Aber dieser Mann werde das Ende seiner Amtszeit nicht erleben. Heute ist klar, das Jeane Dixon den Wahlsieg und die Ermordung des Präsidenten John F. Kennedy vorausgesehen hatte. Aber damals im Jahr 1956 konnte man ihr glauben oder nicht. Und überhaupt: Viele andere Vorhersagen von Dixon erfüllten sich nicht. Die Prophetin erklärt das so: »Die Bilder, die ich sehe, treffen zu. Ich interpretiere sie nur nicht immer richtig.« Dixon war gläubige Katholikin und bestand darauf, ihre Gabe der Eingebung Gottes zu verdanken. Damit reiht sie sich in die lange Traditionsreihe all jener großen Propheten ein, die das Gefühl hatten, von Gott beauftragt zu sein; wie etwa Jeremia und Jesaja. Aber ist eine Jeane Dixon wirklich mit alttestamentarischen Propheten zu vergleichen? Dixon behauptete zwar, es gebe keinen Unterschied zwischen Hellsehern und Propheten. Damals sei Jeremia das Sprachrohr Gottes gewesen, heute sei sie es. Doch die beiden lassen sich nicht vergleichen. Propheten erhielten kurze, extrem dichte Botschaften. Dixon hatte im Schnitt jeden zweiten Sonntag während zweier Stunden Offenbarungen, außerdem veröffentlichte sie auch Tageshoroskope. Die biblischen Propheten hingegen reagierten auf gesellschaftliche und politische Situationen in Form einer Botschaft von Gott. Ob in den ältesten Sagen und Büchern, wie dem babylonischen Gilgamesch-Epos oder der Bibel, ob bei den Assyrern, Chinesen, Ägyptern oder Griechen – überall und zu allen Zeiten wurde Zukunftsdeutung praktiziert. Auch der Siegeszug der Wissenschaft konnte den Glauben an die Wahrsagekunst nicht abschaffen – im Gegenteil. In den letzten Jahren sprießen geradezu spiritistische Zirkel aller Art. Die Klientel der Wahrsager ist bunt gemischt und lässt sich weder nach arm oder reich noch nach Bildungskompetenz unterscheiden. Woher rührt dieser unbändige Wunsch, in die Zukunft blicken zu wollen? Psychologen und Soziologen erklären, die Ängste und Ungewissheiten des modernen Menschen lassen ihn Zufl ucht zur Wahrsagerei und zum Aberglauben suchen. Nun ist die Hellseherei aber wesentlich älter als der moderne Mensch, außerdem lässt sich mit diesen Ängsten so ziemlich alles erklären. Vielleicht liegt der Wunsch eher in der Tatsache begründet, dass wir Menschen die einzigen Lebewesen sind, die wissen, dass es so etwas wie Zukunft gibt. Alle anderen Geschöpfe leben nur in der Gegenwart. Ob einige Tiere eine vage Erinnerung an die Vergangenheit haben, darüber streiten sich die Verhaltensforscher. Man könnte also sagen: Die Zukunft gehört uns Menschen allein. Deshalb wollen wir ständig wissen, was sie uns bringt. Dann können wir die Zukunft beeinfl ussen – denken wir.

Jeder kennt die Geschichte vom Untergang des Luxusdampfers »Titanic «, der im Nordatlantik am 14. April 1912 mit einem Eisberg kollidierte und sank. 14 Jahre vor der Katastrophe war ein Buch mit dem Titel »Der Untergang der Titan« erschienen. Darin beschrieb der US-Schriftsteller Morgan Robertson die Fahrt eines Dampfers über den Atlantik. Das erdachte Schiff namens »Titan« ist der größte und sicherste Dampfer seiner Zeit und gilt als unsinkbar. Doch das Schiff rammt einen Eisberg. Die Passagiere werden mit in die Tiefe gerissen, nur wenige überleben. Die Übereinstimmungen zwischen Roman und Wirklichkeit sind verblüffend: Die »Titan« misst in der Länge 260 Meter; die »Titanic « ist 270 Meter lang. Die Geschwindigkeit bei der Kollision: »Titan« 25 Knoten, »Titanic« 24, 5 Knoten. Der Katastrophenmonat ist in beiden Fällen der April. Die Uhrzeit der Kollision: exakt Mitternacht bei der »Titan«, 23.40 Uhr bei der »Titanic«. Fantasie oder Prophetie? Die Roman-Beschreibung jedenfalls wirkt aus heutiger Sicht vorausschauend. Robertson allerdings hat von seiner prophetischen Gabe nichts gemerkt. Ganz anders Mrs Marshall. Diese amerikanische Hausfrau sah am 10. April 1912 die »Titanic« an ihrem Haus vorbeifahren, das direkt am Meer stand. In Panik rief sie: » Dieses Schiff wird Amerika nicht erreichen. Es wird untergehen.« Hätte man diese Vorahnung ernst genommen, wäre das Unglück nicht geschehen. Aber: Konnte man sie ernst nehmen? Marshalls Phänomen heißt »zweites Gesicht«: Bilder, die unerwartet, ungebeten und oft mit einer Klarheit kommen, der sich ein »Sehender « nicht entziehen kann. An einem Sommertag 1960 bekommt der isländische Pfarrer Hallgrimur Sveinsson Besuch von einem Freund. Der Geistliche sieht ihn völlig durchnässt ins Zimmer treten. Ein Trugbild? Der Anzug des Freundes ist in Wirklichkeit ganz trocken. Doch einen Tag später wird seine Leiche – tropfnass – aus dem Meer gezogen. Er ist mit seinem Fischerboot gekentert und ertrunken. Dieses Beispiel ist typisch für das »zweite Gesicht«. Immer bleibt völlig unklar, ob das Ereignis in naher oder ferner Zukunft eintritt. Zudem werden bisweilen auch längst Verstorbene gesehen. Die Zeitachse scheint ausgehebelt. Und man fragt sich unwillkürlich: Ist Zeit eine Illusion? Gibt es eine Sphäre jenseits von Zeit und Raum, zu der Menschen Zugang haben? An solche Fragen mit wissenschaftlicher Sprengkraft haben sich jüngst Forscher der renommierten amerikanischen Princeton University herangewagt. In einem spektakulären Experiment zum Phänomen der »außersinnlichen Wahr - nehmung« wollten sie herausfi nden: Sind Menschen in der Lage, Informationen außerhalb bisher bekannter und defi nierter sensorischer Trägerprozesse aufzunehmen und/ oder abzugeben?

Dazu wurden 45 Zufallsgeneratoren an Freiwillige in verschiedenen Ländern verteilt. Die ziegelsteingroßen Kästen erzeugen Strom von 200 Bit pro Sekunde. Das heißt, innerhalb dieser Sekunde gibt es 200-mal folgende zufällige Situation: Entweder entsteht ein Impuls (Eins) oder nicht (Null). Der Mittelwert aller Impulse innerhalb einer Sekunde müsste also um die Zahl 100 liegen. Den Mittelwert dieser technisch erzeugten Zufallskurve sollten die Probanden kraft ihres Bewusstseins beeinfl ussen. Die Ergebnisse wurden täglich überprüft, indem man die Daten online nach Princeton schickte. So auch am Abend des 11. September 2001. Die Forscher waren perplex. Etwa vier Stunden bevor die Flugzeuge in das World Trade Center krachten, liefen viele Zufallskurven völlig aus dem Ruder. Und zum Zeitpunkt der Katastrophe empfi ngen die Forscher immer noch Daten, die weit über dem Mittelwert lagen – obwohl die Versuchspersonen von den Anschlägen noch nichts wussten. Projektleiter Roger Nelson räumt ein, dass er sich das nicht anders erklären kann als durch eine bisher unbekannte Form von menschlichen Energieströmen. Andere Wissenschaftler sprechen von einem Bewusstseinsfeld, das eine nichtphysikalische Dimension hat: eine paranormale Info-Dimension. Setzen also große Katastrophen, wie die von New York, ein unsichtbares Kraftfeld frei? Und ist diese Kraft eine ähnliche, wie sie Wahrsager haben – etwa Nostradamus? Sind Hellseher und Propheten in der Lage, Zugang zu dem zu fi nden, was Seelenforscher wie der Schweizer Psychologe Carl Gustav Jung (1875–1961) das »kollektive Unbewusste « nennen? Das ist nichts anderes als der gewaltige Erfahrungsschatz der gesamten Menschheit – vererbt von Generation zu Generation. Jeder Mensch besitzt das kollektive Unbewusste in sich. Es äußerst sich u. a. in Träumen, Mythen und künstlerischen Werken. Warum sollte es nicht auch Warnungen aussprechen? Wenn es so ist, dann bedeutet das auch: Im Prinzip kann jeder hellsehen und wahrsagen. Jeder Mensch ist ein Hellseher, wenn auch nur in besonderen Situationen. Und oft, ohne dass er es merkt. Damit ist aber immer noch nicht die Frage geklärt: Warum sind manche Menschen auf diesem Gebiet viel stärker begabt als andere?

Der Psychologe Jan Ehrenwald hat sich an einer Antwort versucht. Für ihn sind Leute mit dem »zweiten Gesicht« Menschen, die durch ihre besondere Sensibilität, die in eine Art »vierte Dimension« hineinblicken können, in einen »nondeterministischen und mikrophysikalischen Lebensbereich«. Gemeint ist damit ein Bereich, in dem das Prinzip von Ursache und Wirkung nicht gilt. Mikrophysikalisch ist dieser Bereich deshalb, weil Forscher in vielen Experimenten nachgewiesen haben, dass im Reich des Allerkleinsten Informationen so übermittelt werden, als ob Raum und Zeit keine Rolle spielten. Mit Sicherheit sind außersinnliche Phänomene selten und außergewöhnlich – und sie sind einstweilen unerklärlich. Doch muss man deshalb gleich jeden Zusammenhang verwerfen? Schließlich erlaubt die moderne Forschung die Existenz sogenannter »Anomalien« in ihrer sonst so regelgerechten Welt. Eines haben die wissenschaftlichen Experimente klargemacht: Hellsehen gibt es wirklich. Aber das bedeutet nicht, dass Hellseher darüber entscheiden, was die Zukunft bringt. Das hängt von uns selber ab.

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Autor/in: Joseph Scheppach


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