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Kirchengeschichte
Die Schatzkammern des Vatikans
Dieser Artikel stammt aus P.M. Magazin
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Ein neues Enthüllungsbuch sorgt für Aufregung: Danach verfügt der Heilige Stuhl in Rom über sagenhafte Vermögenswerte. Doch was und wie viel besitzt der Papst wirklich?
Ende 2003 erreicht den italienischen Journalisten Gianluigi Nuzzi ein mysteriöses Schreiben aus der Schweiz: Ein Testamentsvollstrecker informiert ihn, der kürzlich verstorbene römische Prälat Renato Dardozzi habe für ihn zwei Koffer mit Dokumenten hinterlegt. Nuzzi, in Italien bekannt für seine Veröffentlichungen zu politischen und wirtschaftlichen Skandalen, erkennt schnell, dass es um eine »größere Sache« geht. Seine ersten Recherchen über den ihm bis dahin unbekannten Monisgnore Dardozzi ergeben, dass es sich bei dem Kirchenmann um ein ehemaliges Mitglied der höchsten Finanzhierarchie im Vatikan gehandelt hat.
Als Nuzzi wenig später die besagten Koffer, nach eigenen Angaben fast konspirativ, auf einem Bauernhof im Tessin überreicht werden, hält er Dokumente über rund 4000 finanzielle Vorgänge in den Händen: Protokolle, Überweisungen, Kontoauszüge, vertrauliche Gesprächsnotizen, Angaben über Nummernkonten und internationale Transaktionen. Hochbrisantes Material, direkt aus den geheimen Schatzkammern des Vatikans, sorgfältig kopiert von einem Mann, der über Jahre an oberster Stelle die finanziellen Aktivitäten des Kirchenstaats begleitet hat.
Es ist nicht das erste Mal, dass ein »Verräter« die Mauern des Schweigens durchbricht, mit welchen der Vatikan sich traditionell umgibt. Bis heute unvergessen im Gedächtnis der römischen Kurie sind beispielsweise die Enthüllungen, aus denen in den 1950er Jahren der französische Schriftsteller Roger Peyrefitte seinen frechen Schlüsselroman »Die Schlüssel von Sankt Peter« strickte. Sein Informant, der französische Prälat und päpstliche Geheimkämmerer Léon Gromier, hatte ihm damals vor allem kuriose Interna anvertraut – wie etwa die Existenz einer Mini-Bar in der Sakristei von Sankt Peter, an deren hochprozentigem Inhalt sich die geistlichen Herren vor den Zeremonien laben konnten.
Aber auch einige finanzielle Geheimnisse waren über Peyrefittes Buch in die Öffentlichkeit gelangt: etwa, dass Verleihungen von päpstlichen Orden in der Regel von den Geehrten mit saftigen Spenden quittiert werden. (Prälat Gromier: »Die Schlüssel von Sankt Peter öffnen zwar die Tore zum Himmel – aber das Schlüsselloch muss gefettet werden.«) Doch im Wesentlichen – so Autor Peyrefitte – seien ihm die »Schatzkammern des Vatikans« verschlossen geblieben. Zu gut abgeschottet, zu undurchdringlich miteinander verflochten. Zu geheim.
Das sind sie genau genommen bis heute, auch wenn die brisante Hinterlassenschaft des Monsignore Dardozzi jetzt tatsächlich etwas mehr Licht ins Dunkel bringen konnte. Mehrere Jahre verbrachte der Journalist Gianluigi Nuzzi mit der akribischen Aufarbeitung des ihm überlassenen Materials; sein Buch »Vatikan AG« kam Ende 2009 in Italien heraus und ist soeben auch in Deutschland erschienen. Anhand der Papiere bekam der Autor zum Beispiel Hinweise darauf, dass über den Vatikan in den 1990er Jahren in größerem Stil schmutziges Geld gewaschen wurde. Unter anderem besaß der 2001 wegen Zusammenarbeit mit der Mafia verurteilte Bürgermeister von Palermo, Vito Cianciminio, mehrere unter Tarnnamen geführte Konten und Schließfächer bei der Vatikanbank. Die illegalen Machenschaften konnte (wollte?) ganz offensichtlich auch der sogenannte »Wächterrat« nicht verhindern: Die »Commissione Cardinalizia di Vigilanza«, bestehend aus fünf Kardinälen, war 1990 ins Leben gerufen worden, nachdem die Vatikanbank schon einmal wegen finanzieller Verstrickungen mit der Mafia ins Visier der Öffentlichkeitgeraten war.
Doch große Teile der vatikanischen Finanzstruktur blieben auch für Nuzzi bei seinen Recherchen undurchschaubar. Dafür sorgt schon das komplexe Verwaltungsgebäude des Mini-Staats. So fließen beispielsweise über die Konten der »Kongregation zur Evangelisierung der Völker« (»de Propaganda Fide«) jährlich viele Millionen Euro in die vier päpstlichen Missionswerke. Herkunft der Gelder: unbekannt. Für Außenstehende ebenfalls kaum zu unterscheiden sind die Zuständigkeiten und Verflechtungen der diversen Behörden in der »Güterverwaltung des Apostolischen Stuhls« und der »Präfektur für die ökonomischen Angelegenheiten des Heiligen Stuhls«.
Die Hauptsäule der Vatikan AG aber ist das »Istituto per le Opere di Religione«, kurz IOR oder auch Vatikanbank genannt. Dieses Geldinstitut operiert unabhängig von den anderen Behörden der päpstlichen Güterverwaltung, steht unter direkter Aufsicht des Heiligen Vaters – juristisch ist dieser sein Alleineigentümer. Alles, was die Bank erwirtschaftet, gehört ihm. Offiziell dürfen nur Angestellte des Vatikans und kirchliche Organisationen hier Konten, Depots und Schließfächer haben, doch »im Dunstkreis dieser Bank tummelt sich ein buntes Völkchen aus Finanzjongleuren, Strohmännern und Geschäftemachern« (Süddeutsche Zeitung, Mai 2010). Nach Nuzzis Ermittlungen genießen wohl auch weiterhin ausgewählte Privatleute die Privilegien dieser in ihrer Art einmaligen Bank: nämlich Steuerfreiheit. Und Anonymität.
Allerdings: Die brandneuen Enthüllungen Nuzzis über die Bankgeschäfte des IOR sind nicht ohne Folgen geblieben. Wohl als Reaktion auf das Buch »Vatikan AG« wurde in der Chefetage diskret ein Personalwechsel vorgenommen. Mehr als zwanzig Jahre lang war die Bank von Kardinal Angelo Caiola geführt worden – als Nachfolger hat Benedikt XVI. einen Laien ins Amt berufen: Ettore Gotti Tedeschi, zuvor Leiter einer spanischen Bank in Rom und Professor für Finanzethik an der katholischen Universität von Mailand. Einziger Makel des honorigen Mannes, zumindest in den Augen von Menschen, die auf mehr Transparenz seitens des Vatikans hoffen: Tedeschi gilt als Mitglied von Opus Dei. Die erzkatholische Elitevereinigung von Kirchenleuten und Laien ist berüchtigt für ihr Streben nach einer Art spiritueller Weltherrschaft – und für ihre Verschwiegenheit.
Was aber besitzt der Vatikan wirklich? Wie viel Geld und Gold hat er in seinen Schatzkammern gebunkert? Eines ist klar: Die Zeiten, in denen sich das Vermögen der Päpste noch in einer Schatztruhe (heute zu besichtigten in der »Sala del Tesoro« in der römischen Engelsburg) unterbringen ließ, sind längst vorbei. Auf etwa eineinhalb Tonnen wird allein das Goldvermögen »in den Grüften des Vatikans« (Nuzzi) geschätzt. (Eher als in irgendwelchen Kellern unter dem Petersplatz sind die Goldreserven aber wohl weltweit in Großbanken untergebracht.) Nur sehr ungenau lässt sich das Kapital der Vatikanbank schätzen – irgendetwas zwischen fünf und zwölf Milliarden Euro, nehmen Experten an. Weitere Kapitalvermögen in unbekannter Höhe werden von der »Administratio Patrimonii Sedis Apostolicae« verwaltet. Über seine in der Banco di Roma aufgegangene »Banco di Santo Spirito« (Bank zum Heiligen Geist) ist der Heilige Stuhl angeblich heute auch am Bankenriesen UniCredito beteiligt.
Von nicht mehr bezifferbarem Wert sind die Kunstsammlungen der Päpste, von denen ein großer Teil in den Vatikanischen Museen ausgestellt ist. Das Gleiche gilt für die einzigartigen historischen Dokumente in den sogenannten Geheimarchiven, wie etwa das schriftliche Scheidungsbegehren des englischen Königs Heinrich VIII., die Exkommunikations-Androhung an Martin Luther oder die Ernennungsurkunde von Giacomo Casanova zum »päpstlichen Ritter vom Goldenen Sporn«.
Auch das Immobilienvermögen des Vatikans hat bisher noch niemand reell schätzen können. Der Papst sei der größte Grundbesitzer Italiens, wird gemunkelt. Abgesehen vom Territorium des Vatikans inklusive der Vatikanischen Gärten soll ihm ein Drittel der Stadt Rom gehören – was vielleicht nicht einmal eine große Übertreibung ist. Auf Werte im dreistelligen Millionenbereich werden vatikanische Immobilien in Europa außerhalb von Italien geschätzt. Und auch in den USA gibt es Besitz: Allein der Grundstückswert von St. Patrick’s Cathedral an der Madison Avenue in New York betrage zig Millionen Dollar, betont der Londoner Philosoph und Ökonom Avro Manhattan, der sein ganzes Leben der Erforschung des Vatikans gewidmet hat. Als der 1991 gestorbene Wissenschaftler für sein Buch »The Vatican Billions« einmal einen hohen katholischen Würdenträger nach der Höhe des päpstlichen Vermögens fragte, habe der Kirchenmann nur den Blick zum Himmel geworfen und geantwortet: »Gott allein weiß es!«
Mindestens genauso interessant wie die Frage nach dem »Wieviel« ist aber die Frage: Woher stammt dieser immense Reichtum? Ist er das Produkt von vielen Jahrhunderten der Ausbeutung und geschickter finanzieller Politik? Nicht wirklich. Denn tatsächlich hatte der Vatikan über lange Abschnitte seiner Geschichte eher mit großen finanziellen Nöten zu kämpfen. Um dem wieder mal in die Klemme geratenen Heiligen Vater zu helfen, organisierten zum Beispiel englische Gläubige im 8. Jahrhundert spontan eine Kollekte, die als sogenannter Peterspfennig später zur Institution wurde. Bis heute wird am 29. Juni (Fest von Peter und Paul) in allen katholischen Kirchen der Welt dieser Peterspfennig gesammelt – er geht komplett in die Privatschatulle des Papstes. Geschätzt kommen so jährlich 80 Millionen Euro zusammen. (Wer will, kann diesen Obulus heute übrigens auch jederzeit online spenden, das Ganze nach dem Motto: »Damit das kirchliche Liebeshandeln seine volle Leuchtkraft behält und nicht einfach als eine Variante im allgemeinen Wohlfahrtswesen aufgeht«.)
Wie viele der aktuellen Riesenvermögen hat auch der Geldbesitz des Vatikans seine eigentlichen Wurzeln im 20. Jahrhundert. Zwei Faktoren gaben dafür den Ausschlag: Durch einen Beschluss von Benedikt XV. (Papst von 1914 bis 1922) konnte sich der Vatikan von seiner bis dahin oft »verkrampften Geldpolitik« (Nuzzi) befreien. Hin- und hergerissen zwischen dem
Verlangen nach wirtschaftlicher Expansion und dem Jesuswort »Sammelt euch nicht Schätze hier auf der Erde, wo Motte und Wurm sie zerstören« (Matthäus 6,19), war die Haltung der Kirche in Geldgeschäften oft unentschieden gewesen. Dem machte Benedikt XV. ein Ende mit der überraschenden Order, die Finanzpolitik des Vatikans solle sich nicht mehr »nach religiösen Betrachtungsweisen«, sondern nach den Regeln der Kapitalvermehrung richten. (Weshalb der Vatikan dann prompt in den 1960er Jahren in einen seiner vielen Finanzskandale schlidderte, als Medien aufdeckten, er halte Aktien an Herstellerfirmen der Antibabypille.)
Passend zur neuen Haltung in Sachen Geld kam eine saftige »Spende« in die Kassen des Vatikans. Gönner war die italienische Regierung, vertreten vom faschistischen Ministerpräsidenten Benito Mussolini. In den Lateran-Verträgen von 1929 verzichtete der Heilige Stuhl endgültig auf Territorien des alten Kirchenstaats und erkannte Rom als Sitz der italienischen Regierung an. Im Gegenzug bekam er dafür die Souveränität über die 0,44 Quadratkilometer große Vatikanstadt und die für damalige Verhältnisse exorbitante Summe von rund 80 Millionen Euro.
Ein beachtlicher Grundstock, den die päpstlichen Finanzberater geschickt anlegen konnten, in einer Wirtschaft, die sich damals gerade von einer schweren Weltwirtschaftskrise erholte. Doch die seitdem stattfindende wunderbare Geldvermehrung beruht vor allem auf den stetig gewachsenen Einnahmen, die der Vatikan auf seiner Haben-Seite verbuchen kann. Da sind zum einen die Kirchensteuern, allein Italien berappt zurzeit an die 991 Millionen Euro jährlich, von den in anderen Ländern erhobenen Steuern kassiert der Vatikan zusätzlich prozentuale Anteile. Die jährlichen Einnahmen über Spendengelder nur aus Italien schätzt die Zeitschrift »L’espresso« auf knapp 75 Millionen Euro. Hinzu kommen Mieteinnahmen in unbekannter Höhe und Gewinne aus dem boomenden Tourismusgeschäft.
Allein mit Hotels und Herbergen in Italien und der 2007 gegründeten »Vatican Airline« (die Boeings 737, geschmückt mit dem Wappen des Papstes, fliegen Pilgerorte an) werden – geschätzt – fünf Milliarden Euro jährlich umgesetzt. Wie für alle Einnahmen und Renditen braucht der Vatikan auch hierfür kein Geld an den Fiskus abzuführen. Steuerbefreiung ist überhaupt ein Hauptgeheimnis des Geldsegens im Vatikan. Dadurch gehen, wieder nach Berechnungen der Zeitschrift »L’espresso«, dem italienischen Staat allein an Grundsteuern jedes Jahr 400 Millionen Euro verloren. Verglichen mit dieser Summe nimmt sich die Tatsache, dass Vatikanangestellte an der hauseigenen Tankstelle steuerfrei tanken und im hauseigenen Supermarkt »Annona« auch feinste Delikatessen ohne Mehrwertsteuer einkaufen können, eher wie ein kurioses Detail aus.
Als gewiefte Finanzpolitiker haben sich in der Vergangenheit vor allem Pius XII. (Papst von 1939 bis 1958) und der »polnische Papst« Johannes Paul II. (von 1978 bis 2005) hervorgetan. Für die richtige Beratung sorgten unter anderem Finanzexperten von der Bank J.P. Morgan in New York oder die Londoner Investmentgesellschaft J O Hambro. Der »deutsche« Papst Benedikt XVI. hingegen sei deutlich mehr um Ethik in finanziellen Angelegenheiten bemüht als seine Vorgänger, bescheinigt ihm der Journalist Gianluigi Nuzzi in einem im Mai in München gegebenen Interview. So hat er sich beispielsweise 2008 als Berater in die päpstliche Güterverwaltung einen Outsider geholt: Der koreanische Ökonom Thomas Hong-Soon Han soll künftige Investitionen nach ökologischen und sozialen Kriterien überprüfen. Außerdem hat die Vatikanbank, auf Betreiben Benedikts XVI., jetzt (endlich!) die EU-Richtlinien zur »Verhinderung von Geldwäsche, Betrug und Fälschung« anerkannt und übernommen.
Doch in einem wichtigen Punkt verhält sich der Vatikan auch unter Benedikt XVI. wie gehabt: Geheimhaltung ist das oberste Gebot, Transparenz bleibt ein rotes Tuch. Auch weiterhin werden die Bilanzen nur in Bruchstücken offengelegt, der größte Teil fällt einfach unter den Tisch. So weiß zum Beispiel niemand, wie viel der Vatikan von seinen Einnahmen tatsächlich für karitative Werke ausgibt. Manche Experten vermuten, dass es sich (nur) um ein Fünftel handelt.
Wo Geheimhaltung herrscht, blühen auch munter Spekulationen und Verschwörungstheorien. So ranken sich viele spektakuläre Vermutungen um mögliche brisante Schätze in verborgenen Kellern und Tresoren, von denen niemand etwas weiß. Und auch nicht wissen soll. Hartnäckig hält sich zum Beispiel das Gerücht, der Vatikan sei im Besitz des verschollenen Tempelschatzes von Jerusalem, inklusive der sagenumwobenen Bundeslade. Zu seinen nicht öffentlich zugänglichen Kostbarkeiten gehöre auch ein siebenarmiger Leuchter aus dem Besitz der Priesterkönigsdynastie der Hasmonäer. Das in alten Texten beschriebene Meisterwerk aus dem 2. vorchristlichen Jahrhundert hatten die Römer geraubt und in einem Jupitertempel aufgestellt. Von dort aus soll es dann in den Besitz der christlichen Kirche gelangt sein.
Auch über Schätze höchst eigenwilliger Natur wird gemunkelt. So soll sich der Vatikan im Besitz der einzig echten Vorhaut Christi (»Sanctum Praeputium«) befinden. Die kostbare Reliquie werde allerdings aus strategischen Gründen unter Verschluss gehalten – ebenso wie eine geheim gehaltene Papstkrone mit dem eingravierten Teufelszeichen 666. Oder wie das angeblich echte »Schweißtuch der Veronika«: Anders als das Grabtuch von Turin wird das Stückchen Stoff, auf dem sich ebenfalls die Konturen des Antlitzes Jesu abgebildet haben sollen, nicht mehr öffentlich gezeigt. Es befindet sich streng verschlossen in einem Tresor – eingebaut in einen Pfeiler der Peterskirche.
Besonders hartnäckig hält sich auch die Behauptung, der Vatikan sei im Besitz der Originalschrift des sogenannten Thomas-Evangeliums. Dies wäre tatsächlich eine für ihn vielleicht unbequeme Sensation: Fragmente dieses geheimnisvollen Evangeliums in koptischer Schrift wurden Anfang des 20. Jahrhunderts in Ägypten gefunden. Sie gehen zurück auf den (ungläubigen) Apostel Thomas und sollen die älteste Darstellung des Lebens und der Lehre von Jesus sein. Anders als die offiziell anerkannten Evangelien aber enthalten zumindest die bekannten Fragmente keinen Bericht über die Auferstehung Jesu – weshalb die Kirche kein Interesse daran habe, die Thomas-Schriften der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Zu solchen Spekulationen schweigt der Vatikan so beharrlich wie zu allen Berichten über seine Vermögenswerte und Finanzgeschäfte. Geheimniskrämerei? Hochmut? Der Vatikan würde es gern anders sehen. Er beziehe sich in dieser Frage, sagt der italienische Publizist Curzio Maltese (s. Buchtipp) auf ein Wort des römischen Philosophenkaisers Marc Aurel: »Gutes tun und sich Schlechtes nachsagen lassen – das ist die wahre Königstugend.«
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