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Sklaven-Lust

Die Obsession des Sacher-Masoch

Dieser Artikel stammt aus P.M. HISTORY
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Er war ein gefeierter Schriftsteller, doch sein Name wurde – gegen seinen Willen – zur Grundlage für einen wissenschaftlichen Begriff. Mit »Masochismus« beschreiben die Seelenforscher eine ungewöhnliche Vorliebe.

Die »Venus im Pelz« ist ein verstörendes Buch, für manchen sogar gefährlich – keine heitere Lehrfibel der Erotik, kein Leitfaden für schüchterne Liebhaber und schon gar kein Lesestoff für prüde Gemüter. Bei Leopold von Sacher-Masoch, seinem Autor, müsse man »eine Art erotischen Wahnsinns« annehmen; sonst sei er »bei seinem bedeutenden Talent ... als das verlottertste Subjekt der deutschen Literatur zu betrachten«. Das schrieb Adolf Bartels, Literaturhistoriker und NS-Ideologe, während der Naziherrschaft. Im Fin de Siècle, sechzig Jahre zuvor, sah man Sacher-Masoch anders; da wurde von einem Werk dieses Schriftstellers auf »einen Wendepunkt« der deutschen Literatur geschlossen, weil sein Buch »Goethes Realismus und Schillers Idealismus« vereine (Deutsche Monatsblätter, 1878).

Beide Urteile sind falsch. Sacher-Masoch war weder verrückt noch genial, als er die »Venus im Pelz« und ähnliche Werke schrieb. Deren Besonderheit liegt für uns heute auch nicht in ihrer abstrusen Erotik oder ihrem zweifelhaften literarischen Wert, sondern darin, dass sie zu Dokumenten der Sexualpathologie geworden sind (obwohl ihr Autor das keineswegs akzeptierte). Sie wurden, was der französische Philosoph Gilles Deleuze nicht gern als Pornografie, sondern lieber mit dem wissenschaftlichen Etikett »Pornologie« bezeichnete.

»Venus im Pelz«: Was für ein Bursche hat diese abstruse Novelle mit ihren »Szenen knutiger Wollust« geschrieben? Man könnte sich vorstellen, damals – gegen 1870 – habe ein heruntergekommener Schreiberling schwitzend im Hinterzimmer einer Druckerei gesessen und nägelkauend die zweideutige Darstellung von Zobel, Hermelin und anderem Rauchwerk, von Ohrfeigen, Peitschenhieben, körperlichen Grausamkeiten und seelischen Demütigungen erfunden.
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Autor/in: Peter Boccarius


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