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Nürnberger Prozess

Die Nazis vor Gericht

Dieser Artikel stammt aus P.M. HISTORY
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Nach der Kapitulation Deutschlands im Zweiten Weltkrieg erhoben die Alliierten Anklage gegen die NS-Prominenz, derer man habhaft werden konnte. P.J. Blumenthal, Jahrgang 1946 und amerikanischer Staatsbürger, berichtet darüber.

Nürnberg, den 16. Oktober 1946, nachts um ein Uhr und elf Minuten. Es ist so weit, die letzte Stunde hat für die vom Internationalen Militärtribunal zum Tod verurteilten Angeklagten geschlagen. Als Erster betritt Außenminister a.D. Joachim von Ribbentrop die Sporthalle des Justizpalastes, die zur Hinrichtungsstätte umfunktioniert wurde. Man hat ihn um 23.45 Uhr geweckt. Vor ihm stehen im grellen Licht des Raumes drei schwarz gestrichene Galgen, die mit schwarzen Tüchern verhängt sind. Er hält kurz inne. Eine kleine Gruppe von Zeugen steht lautlos im Hintergrund. Zwei Wärter nehmen dem Todeskandidaten die Ketten ab und binden ihm mit einem Lederriemen die Arme hinter dem Rücken. Man fragt nach seinem Namen. »Joachim von Ribbentrop«, erwidert er leise.

Er besteigt langsam und bedächtig die dreizehn Stufen des linken Galgens, hinter ihm die zwei Wärter. Der Henker, Sergeant John C. Woods, sein maskierter Helfer und ein Pastor warten oben auf ihn. Von Ribbentrop steht auf der Falltüre. Seine Beine werden mit einem Infanteristengurt zusammengebunden. Ob er noch etwas sagen wolle, fragt man ihn. Der Verurteilte hat Kopfschmerzen und ist erregt. Er reißt sich dennoch zusammen und spricht: »Gott schütze Deutschland. Mein letzter Wunsch ist es, dass Deutschlands Einheit erhalten bleibe und dass zwischen Ost und West eine Verständigung hierüber erzielt werde.«

Sergeant Woods legt dem Außenminister a.D. die frisch gewaschene Schlinge um den Hals – sie ist schwer und kratzt unangenehm auf der Haut. Der Henker zieht sie enger. Eine schwarze Kapuze wird Ribbentrop über den Kopf gestülpt. Er wartet.
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Autor/in: P.J. Blumenthal


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