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Weltwunder Nr. 6

Die Mutter aller Leuchttürme

Der Pharos. Nachts war sein Licht 55 Kilometer weit vom Meer aus zu sehen. Über tausend Jahre wies sein Feuer den Seeleuten den Weg. Wie hat das Weltwunder wirklich funktioniert?

Dieser Artikel stammt aus P.M. Perspektive
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Das Wahrzeichen von Alexandria, wies den Schiffen den Weg, stand auf der kleinen Insel Pharos im Nildelta und gilt als erster Leuchtturm der MenschheitDas Wahrzeichen von Alexandria, wies den Schiffen den Weg, stand auf der kleinen Insel Pharos im Nildelta und gilt als erster Leuchtturm der Menschheit
Das Wahrzeichen von Alexandria, wies den Schiffen den Weg, stand auf der kleinen Insel Pharos im Nildelta und gilt als erster Leuchtturm der Menschheit
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Die Wendeltreppe macht mich noch rasend. Stufe um Stufe, immer im Kreis herum, gegen den Uhrzeigersinn: Rechts gegen eine Wand laufend und mit der linken Hand an der zentralen Säule die Balance suchend. Die Stufen sind ausgetreten und blank poliert. Die Augen haben sich an die Dämmerung gewöhnt, düster und kühl ist es hier. Muss ich mir so das Innere des sechsten Weltwunders vorstellen? Jenes Wahrzeichen von Alexandria, das den Schiffen den Weg wies, auf der kleinen Insel Pharos im Nildelta stand, als erster Leuchtturm der Menschheit gilt und in Südeuropa den französischen (phare), italienischen und spanischen (faro) sowie portugiesischen (farol) Feuertürmen seinen Namen gab? Pharos, die Mutter aller Leuchttürme dieser Welt.

Schon Homer hatte im 8. Jahrhundert v. Chr. in der »Odyssee« das Eiland im Mittelmeer besungen: »Da liegt eine Insel im brandenden Meere, Pharos heißt sie, Ägypten grad gegenüber (...). Sie birgt einen Hafen, wohlgeeignet zum Landen.« Der Verseschmied gönnte zwar dem Spartanerkönig Menelaos und seiner schönen Helena nach der Eroberung Trojas und sieben Jahren Irrfahrt auf der Liebesinsel die verdiente Ruhe, vergaß aber zu erwähnen, dass die Seeleute jener Zeit ihre liebe Müh und Not hatten, in den flachen, labyrinthischen Gewässern des Deltas zu navigieren.

Als Alexandria 331 v. Chr. von Alexander dem Großen gegründet war und zur zentralen Handelsstadt aufstieg, wurde sie zur größten und prachtvollsten Metropole der damaligen Welt. Sie war New York und Dubai zugleich, kosmopolitisch, superreich, glänzte mit goldenen Palästen und marmornen Tempeln, war ein Hort der Wissenschaft und die Stadt Caesars und Kleopatras. Dort machten sich um 290 v. Chr. unter der Herrschaft des Königs Ptolemaios I. die damals besten Baumeister Griechenlands an die Arbeit.

Geführt vom Architekten Sostratos von Knidos, errichteten sie nach seinen Plänen ein gewaltiges steinernes Bauwerk. Auf dem wuchtigen, knapp 60 Meter hohen Sockel stand ein 30 Meter hoher quadratischer Turm, und auf diesem befand sich ein 15 Meter hohes Säulenrondell und darüber das Leuchtfeuer. Über allem thronte eine etwa acht Meter hohe Statue des Poseidon. Das Bauwerk war mit seinen vielleicht 120 Metern so hoch, dass einzig die Cheops- und die Chephrenpyramide es überragten. Mit seinen 300 Zimmern für Personal und Vorräte ähnelte der Turm einem modernen Hochhaus. War der gewaltige Koloss auch dem König Ptolemaios gewidmet, hatte doch der listige Grieche sich in dem Podest verewigt: »Sostratos, des Dexiphanes Sohn aus Knidos, den rettenden Göttern im Namen der Seefahrenden errichtet«. Allerdings überdeckte er die Inschrift mit Putz. Sostratos spekulierte darauf, dass im Lauf der Zeit der Putz verwittern und seine Inschrift hervorkommen würde.

Der Bau wurde schon früh zur Touristenattraktion eines neugierigen Publikums der damaligen Zeit. In den oberen Etagen konnte man die weite Aussicht genießen und sich Getränke kaufen. Hohe Besucher, Angestellte, Touristen und Arbeiter mit von Eseln gezogenen Versorgungskarren gingen über eine 183 Meter lange Rampe durch eine Säulenhalle weiter hoch zum Eingang. Dem reisenden Schriftsteller Jusuf Ibn asch-Schaich haben wir es zu verdanken, dass die Maße des Pharos überliefert sind: »Als wir auf dem Sims der ersten Stufe ankamen«, schreibt er im Jahr 1165, »maßen wir mit Hilfe eines Seils, an dem wir einen Stein befestigt hatten, die Höhe vom Erdboden – sie betrug 57,73 Meter.« Der Pharos wies den Schiffen den Weg in den Hafen der Stadt Alexanders des Großen. Das wohl nützlichste der sieben Weltwunder der Antike war damit geschaffen.

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