Das große Karthago führte drei Kriege. Es war noch mächtiger nach dem ersten, noch bewohnbar nach dem zweiten. Es war nicht mehr auffindbar nach dem dritten.
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Multiversum
Die Macht des Multiversums
In der Kosmologie bahnt sich eine Sensation an: Unser Universum ist nur eines von Myriaden! Jetzt wird diese These untermauert – durch ernst zu nehmende Hinweise auf einen Nachbar-Kosmos. Was bedeutet diese Erkenntnis für unser Weltbild?
Dieser Artikel stammt aus P.M. Magazin
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Leben wir in einem Multiversum?
Achtung, dieser Artikel will Ihnen etwas fast Unglaubliches glaubhaft machen: Jeder von uns lebt in vielen Welten gleichzeitig. Danke, dass Sie weiterlesen! Wenn Ihnen diese Behauptung nach dem Lesen nicht mehr so unglaubwürdig erscheint, hat der Artikel seinen Zweck erfüllt.
In den Köpfen von Kosmologen bahnt sich eine Revolution an: Unser Universum ist nur eines von vielen, ein Multiversum, glaubt eine wachsende Zahl von Forschern. Es ist kein Größenwahnsinn, der die Wissenschaftler dazu treibt, neben unserem Universum noch Myriaden anderer zu postulieren. Es sind die großen Fragen der Kosmologie: Warum ist die Welt so, wie sie ist? Wie ist sie entstanden? Inzwischen stützen erste Beobachtungsdaten den Weltenpluralismus: Ein gewaltiges »Loch« im All ist der mutmaßliche Abdruck eines Nachbar-Universums - nicht etwa ein Schwarzes Loch, also unendlich dichte geklumpte Materie, sondern das Gegenteil, eine große Leere.
Im neuen Bild des Kosmos wirkt unser heimisches Universum winzig wie ein Sandkorn in der Wüste: Alle Universen zusammen bilden das Multiversum, eine unüberschaubare Weltenvielfalt. Einige Universen sind öd und leer. Einige von fremdartigen Naturgesetzen beherrscht oder von überlichtschnellen Teilchen durchflutet. In manchen huschen fantastische Schattenwesen durch zusätzliche Raumdimensionen. Manche Universen ähneln unserem – nur ist John F. Kennedy noch am Leben und mit Marilyn Monroe verheiratet. In manchen hat der FC St. Pauli die Champions League gewonnen. Und irgendwo da draußen haben auch die Dinosaurier überlebt und grübeln nun wie wir über die Frage: Sind all diese Universen so real wie dasjenige, in dem Sie jetzt P.M. lesen?
Wie sieht das Multiversum aus?
Im Multiversum gibt es alles, was existieren kann. Alles geschieht, was passieren kann. »In hundert Jahren«, sagt der Stanford-Physiker Leonard Susskind voraus, »werden Philosophen und Physiker wehmütig auf die Gegenwart zurückblicken und sich an ein goldenes Zeitalter erinnern, in dem die kleinbürgerlich enge Vorstellung vom Universum des 20. Jahrhunderts einem größeren und besseren Megaversum mit einer Landschaft von schwindelerregenden Ausmaßen Platz machte.« Und so zeichnet sich ab, dass ein Konzept des Multiversums zum allgemein akzeptierten Weltbild aufsteigt.
Die Idee gewinnt Rückhalt in den unterschiedlichsten Expertenzirkeln: unter Quantenphysikern, die schon in den 1950er Jahren über Theorien vieler Welten grübelten. Unter Stringtheoretikern, die seit Jahrzehnten nach einer »Weltformel« suchen. Und sogar unter Philosophen. Aus welcher Richtung auch immer Forscher die Welt erklären wollen, das Multiversum kommt ihnen gelegen.
Wie entstanden Universum und Multiversum?
Zum Beispiel bei der Suche nach dem Ursprung des Universums. Als gesichert gilt, dass es vor rund 14 Milliarden Jahren in einem heißen Feuerball geboren wurde: dem Urknall. Dafür spricht, dass die Sterne sich voneinander wegbewegen, das Weltall dehnt sich aus. Demnach muss es, wenn man rückwärts in die Vergangenheit denkt, aus einem einzigen Punkt hervorgegangen sein. Zudem empfangen Teleskope das Echo des Urknalls: Mikrowellenstrahlung aus allen Richtungen.
Verblüffend an diesem Mikrowellen-Hintergrund ist, dass er kaum Unregelmäßigkeiten aufweist. Das können die Forscher nur so erklären, dass unser Universum sich gleich nach dem Urknall schlagartig aufblähte – getrieben von der stärksten Kraft, die es je gab. Innerhalb von Bruchteilen einer Sekunde muss es um das Googolfache (ein Googol ist eine 1 mit 100 Nullen) von einem winzigen Punkt auf die Größe einer Pampelmuse explodiert sein. Kosmologen sprechen von einer Phase der Inflation (von lateinisch »inflare«, aufblähen). Was vor 25 Jahren von vielen etablierten Forschern noch als verwegene Spekulation angesehen wurde, ist inzwischen fester Bestandteil der Urknall-Hypothese.
Die Inflationstheorie erklärt, warum unser Universum in allen Richtungen fast gleich aussieht. »Es ist wie mit einem Berg, den man in alle Richtungen auseinanderzieht«, erklärt Andrei Linde, einer ihrer geistigen Väter, »danach ist er ziemlich platt.« Inzwischen glauben Linde und Kollegen, dass die Inflation kein einmaliges Ereignis war, sondern ein andauernder Prozess ist: »Weil die Inflation nicht überall im Kosmos gleichzeitig aufhörte, sondern an unterschiedlichen Orten zu unterschiedlichen Zeiten«, so Linde, »gab es nicht nur einen Urknall, sondern ungeheuer viele.« Jeder davon bläht eine neue Raumblase auf – ein neues Universum. »Teils gleichen die neuen Regionen unserem Universum, teils können sie ganz anders aussehen«, erklärt der Physiker Alexander Vilenkin, »dieser Prozess hört nie auf.« Und so nennt Vilenkin ihn »ewige Inflation«.
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