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Gewicht der Tierarten

Die Kleinsten sind die Schwersten

Dieser Artikel stammt aus P.M. Magazin
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Die Kleinsten sind die SchwerstenDie Kleinsten sind die Schwersten

Wie schwer einzelne Tiere sind, ist leicht zu ermitteln – doch wie schwer ist jede Art? Unmöglich zu schätzen, denken sicher die meisten. Wir haben es trotzdem versucht – mit überraschenden Resultaten.

Platz 1

Bakterien
550.000 Millionen Tonnen

Sie sind die unsichtbaren Giganten dieser Erde: Auf Platz eins unseres Rankings landen die Bakterien. Das liegt an ihrer wahrhaft schwindelerregenden Anzahl: Auf fünf Quintillionen (eine 5 mit 30 Nullen) schätzen sie die Autoren des Buches »Life Counts«. Denn Bakterien sind wirklich an jedem Ort zu Hause: In einer Handvoll Erde lebt schon eine Billion, und selbst im Eis Alaskas oder im siedenden Schwefelwasser der Black Smoker auf dem Meeresgrund sind sie zu Hause.

Selbst der Mensch kann ohne sie nicht existieren: Wir brauchen die Winzlinge zur Wasserreinigung in Kläranlagen oder zur Produktion von Käse und Joghurt. Sogar auf und in unserem Körper leben die Tierchen: Etwa 70 Billionen davon bevölkern als schützender Bakterienrasen unsere Haut oder arbeiten als Verdauungshelfer im Darm. Ohne sie wäre jeder von uns acht Gramm leichter – obwohl ein einzelnes Bakterium nur 110 Femtogramm auf die Waage bringt (0,000.000.000.000.11 Gramm).

Platz 2

Regenwürmer
100.000 Millionen Tonnen

Bis ins 19. Jahrhundert hinein galt er als wurzelfressender Pflanzenschädling. Heute weiß man, dass der »rege Wurm« entscheidend für einen gesunden Boden ist. Viele Inhaltsstoffe seiner Nahrung, die aus Algen, Bakterien, Pilzen, Einzellern und Pflanzenteilen besteht, scheidet er in konzentrierter Form wieder aus. So reichert er durch seinen Kot die Erde an und schafft fruchtbaren Humus.

Außer in den Polargebieten, unter Gletschern oder in vegetationslosen Wüsten kommen diese Würmer überall vor – 80 bis 2000 Stück zählen die Forscher in einem Quadratmeter Wiese. Kalkuliert man mit dem Mittelwert, so graben und wühlen sich allein in den weltweit 3,5 Milliarden Hektar Grünflächen rund 36 Billiarden Regenwürmer durch den Boden. Da die meisten von ihnen knapp drei Gramm wiegen, wie die aus unseren Gärten bekannten Arten, schafft es der Regenwurm immerhin auf Platz zwei. Wären die Würmer so schwer wie der in Australien vorkommende, drei Meter lange Riesenregenwurm (200 Gramm), so reichte es für den Regenwurm sogar locker für Platz eins.

Platz 3

Fliegen
1920 Millionen Tonnen

Wie viele Fliegen es auf der Welt gibt? »Wahnsinnig viele! Eine Schätzung ist unmöglich!«, so die etwas unbefriedigende Auskunft der Wissenschaftler, wenn man sie zu den Bestandszahlen der Zweiflügler befragt, zu denen auch die Fliegen gehören.

C. B. Williams, britischer Insektenkundler (1889–1981), wagte trotzdem eine Schätzung und gab die weltweite Zahl der Insekten mit einer Trillion Individuen an (einer Zahl mit 18 Nullen). Mal angenommen, diese Zahl verteilte sich gleichmäßig über alle Insektenarten, dann wären zwölf Prozent, somit 120 Billiarden, davon Zweiflügler. Eine zugegebenermaßen sehr grobe Rechnung, aber dennoch sind sie ein globales Schwergewicht – auch wenn eine Stubenfliege gerade mal 16 Milligramm auf die Waage bringt.

Als wahre Kosmopoliten sind sie auf der ganzen Welt zu Hause – sogar in den Polarregionen und extremen Wüsten gibt es Zweiflügler. Hierzu gehören übrigens auch die Fruchtfliegen, Mücken, Schwebfliegen und – mit einer Flügelspannweite von zehn Zentimetern – die größte und schwerste Fliege der Welt: Gauromydas heros.

Platz 4

Rinder
1200 Millionen Tonnen

Einstmals war das Rind das mächtigste Landtier Europas – doch in die Liste der schwersten Tiere gelangt es nur durch den Eingriff des Menschen: 99 Prozent der Rinder sind Haustiere. Durchschnittlich fünf Menschen teilen sich ein Rind; 1,3 Milliarden gibt es – manche allein im Stall, manche in riesigen Herden Argentinien durchquerend. Gegenüber ihrem Vorfahren, dem mittlerweile ausgestorbenen Auerochsen, sind die Rinder kleiner und dennoch massiger geworden.

Brachte der Auerochse maximal eine Tonne auf die Waage, so schaffen heutige Rinder bis zu 1300 Kilogramm. Durch Züchtung hat der Mensch etwa 100 Arten aus dem Urrind erschaffen, und die leichtesten wiegen nur etwa 500 Kilogramm. Wurden Rinder früher auch wegen ihrer Zugkraft gezüchtet, so steht heute die Verwertung an vorderster Stelle: Fleisch, Milch, Haut, Blut, Knochen, Horn – so gut wie alles, was eine Kuh so hergibt, wird verwertet. Selbst der Kot dient noch als Dünger. Wegen dieser »selbstlosen Hingabe« an den Menschen werden immerhin 200 Millionen von ihnen (17 Prozent) geschont – sie leben als »heilige Kühe« weitgehend unbehelligt in Indien.

Platz 5

Ameisen
1100 Millionen Tonnen

»Vor Tausenden von Jahren erschufen grüne Ameisen durch ihre Träume die Welt«, so lautet ein Mythos der australischen Ureinwohner, der Aborigines. Sie glauben, ohne Ameisen werde die Erde untergehen – und damit könnten sie durchaus recht haben. Denn Ameisen gehören zu den Giganten dieser Erde, selbst wenn man sie kaum sieht. Auf 10 bis 100 Billiarden schätzt der Biologe und Ameisenforscher Bert Hölldobler ihre Anzahl.

Auf jeden Menschen kämen dann weltweit 1,4 bis 14 Millionen Ameisen. Das erscheint realistisch, schließlich leben die kleinen Krabbler fast überall in Massen – außer in kälteren Regionen und einigen abgelegenen Inseln im Pazifik. Sie leben im Boden, auf Bäumen, in abgestorbenem Holz, aber machen sich auch in Kühlschränken, Vorratskammern und sogar in elektrischen Schaltern breit. Die kleinsten von ihnen, 0,3 Milligramm leicht, sind mit dem bloßen Auge kaum zu sehen, während die größten drei Zentimeter lang werden und 60 Milligramm auf die Waage bringen. Nimmt man als mittleres Gewicht 20 Milligramm an, so reicht es immerhin für Platz fünf unseres Rankings.

Platz 6

Menschen
375 Millionen Tonnen

Traurig, aber wahr: Wir sind die einzigen Überlebenden der Gattung Mensch – alle unsere engsten Verwandten sind schon ausgestorben. Trotzdem ist der Homo sapiens ganz vorn mit dabei und erreicht die Top Ten der Schwergewichte – bei einer Bevölkerungszahl von 6,8 Milliarden und einem über alle Altersgruppen (0 bis 99 Jahre) gemittelten Gewicht von 55 Kilogramm pro Person.

Als erdgeschichtlich sehr junge Art sind wir somit extrem erfolgreich: Im Lauf des 19. Jahrhunderts hat sich das Gesamtgewicht der Menschheit knapp verdoppelt, im Lauf des 20. sogar vervierfacht. Nach den Prognosen der Vereinten Nationen wird die Weltbevölkerung bis zum Jahr 2050 auf 9,14 Milliarden anwachsen. Somit werden wir noch einmal um fast 130 Milliarden Tonnen zulegen – und hierbei ist die Entwicklung, dass die Menschen, vor allem in den Industriestaaten, immer dicker werden, nicht einmal mit eingerechnet.

Platz 7

Krill
305 Millionen Tonnen

»Krill« bedeutet »Walfutter«, und dieser Name ist Programm. Denn das kleine, garnelenförmige Tier ist Nahrungsgrundlage für die großen dieser Erde: Robben, Pinguine, Tintenfische, Albatrosse – alle halten sich an dem Krustentierchen gütlich. Ein Blauwal vertilgt sogar täglich fast vier Tonnen. Der 1,3 Gramm schwere Krillkrebs lebt in Schwärmen oberflächennah in den antarktischen Ozeanen. Da stichprobenartige Messungen bis zu 30 000 Tiere pro Kubikmeter fanden, schätzte man die gesamte Masse des antarktischen Krills noch vor wenigen Jahren auf 1300 Millionen Tonnen.

Doch inzwischen gab es eine »Volkszählung« bei den Krebstierchen: Forschungsschiffe aus Russland, England, Japan und USA tasteten mit einer akustischen Dichtemessung den antarktischen Ozean ab. Weil Krill und Wasser den Schall unterschiedlich reflektieren, konnten die Forscher die Größe der Krillschwärme genau bestimmen. Jetzt schätzt man ihre Biomasse (=Trockenmasse) auf 60 bis 155 Millionen Tonnen, die Gesamtmasse auf 170 bis 440. Der Mittelwert von 305 Millionen Tonnen reicht immer noch für Platz sieben in unserem Ranking.

Platz 8

Schweine
200 Millionen Tonnen

Ähnlich wie die Rinder schaffen es auch die Schweine nur durch das Zutun des Menschen in die Liste der schwersten Tierarten. Erst dadurch, dass der Mensch das Schwein zum Haustier machte, explodierten die Bestandszahlen. Heute stehen welt weit 936 Millionen Schweine in den Mastställen und warten auf ihren Verzehr. Verglichen mit dem Wildschwein, von dem sie abstammen, haben die heutigen Schweine übrigens an Gewicht kräftig zugelegt: Die Zuchtbemühungen des Menschen haben dem Schwein mehr Muskeln, mehr Masse und sogar mehr Rippen für mehr Koteletts beschert.

Durchschnittlich 215 Kilogramm wiegt ein Schlachtschwein, während ein Wildschwein über 200 Kilogramm schon eine Seltenheit ist. Während die Zahl der Hausschweine nur langsam steigt, wächst übrigens die Population der Wildschweine zurzeit erheblich. Sie erobern sich ihr ursprüngliches Verbreitungsgebiet in ganz Eurasien zurück, aus dem sie im 19. Jahrhundert vertrieben wurden – bis hinein in die Städte. Doch trotz dieses Zuwachses wird die »Masse« der Schweine immer noch durch die Hausschweine bestimmt.

Platz 9

Spinnen
70 Millionen Tonnen

Vor Spinnen gefeit sind wir nirgends: Nach einer Zusammenstellung der Universität Münster tummeln sich auf einem durchschnittlichen Boden 50 Spinnen pro Quadratmeter. Schätzungen zufolge vertilgen allein die deutschen Spinnen innerhalb eines Jahres rund 400 Millionen Tonnen an Insekten.

Einen Platz im Ranking erobern sich die Spinnentiere aber dennoch nur wegen ihrer kleinsten Vertreter, der Milben. Sie leben quasi überall: 100 000 von ihnen fanden die Forscher auf einem durchschnittlichen Quadratmeter Boden, und in jedem Bett tummeln sich ähnlich viele und verzehren dort abfallende Hautschuppen der Schläfer. Rechnet man die Milben auf die weltweiten Wiesenflächen hoch, so ergibt sich eine Gesamtzahl von 3,5 Trillionen Milben auf der Erde. Selbst bei einem winzigen Gewicht von nur 0,02 Milligramm pro Milbe ergibt sich das stattliche Gesamtgewicht von 70 Millionen Tonnen.

Platz 10

Wale

44 Millionen Tonnen

Wale sind ziemlich selten auf dieser Welt – besonders, wenn man sie mit Fliegen oder Regenwürmern vergleicht. Dass es die Meeressäuger trotzdem ins Ranking geschafft haben, liegt am großen Gewicht der einzelnen Tiere. So ist der Blauwal das schwerste Tier der Erde und vermutlich sogar das schwerste aller Zeiten. Obwohl er sich, wie viele Wale, nur von winzigem Krill ernährt, wird er 140 Tonnen schwer und schlägt damit sogar alle Dinosaurier. Insgesamt gesehen sind aber dennoch die Pottwale schwerer. Sie wiegen zwar nur bis zu 70 Tonnen, sind aber viel häufiger als die Blauwale.

Insgesamt tummeln sich laut WWF (World Wide Fund For Nature) rund 2,2 Millionen Wale in unseren Meeren. Nimmt man ein durchschnittliches Gewicht von etwa 20 Tonnen an, so reicht das gerade noch für den letzten Platz in unserem Ranking. Die wenigen im Süßwasser lebenden Arten, wie der rosa gefärbte Amazonas-Flussdelfin, können das Gesamtgewicht nicht mehr spürbar nach oben treiben.

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Autor/in: Daniela Wittenborn


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