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Die HipHop Smash-Formel

Die HipHop Smash-FormelDie HipHop Smash-Formel

Der aktuelle HipHop-Hit – er beginnt mit dem wohl schönsten Klang der westlichen Musikgeschichte, der so naiv wie sinnlich, so melancholisch wie einfühlsam ist, dem Moll-Akkord. Diese drei Töne, in A-Moll sind es a, c und e, haben seit Jahrhunderten eine solch zutiefst berührende Wirkung, dass sie bei praktisch keinem Hörer, ob jung oder alt, ihre Wirkung verfehlen. (Foto: Hip Hop Band_Föderation.c.sunpic-pixelio)

Ob es nun das große kollektive Gedächtnis ist, unsere gelernten Hörgewohnheiten oder ob hier genetisch weitergegebene Gehirnverbindungen mitspielen, ist dabei gar nicht so wichtig: Viel spannender ist die Tatsache, dass selbst die jungen Wilden, die momentan beispielsweise mit HipHop-Sounds weltweit die Charts dominieren, an dieser Schmuse-Harmonie nicht vorbeigehen. Im Gegenteil: Wenn ein Song wirklich massenkompatibel sein soll und beispielsweise für die breite Fan-Masse im Radio geplant ist, dann wird kein angesagter Rap-Produzent auf einen einleitenden Moll-Dreiklang verzichten wollen.

Er wird diesen Moll-Akkord vielmehr zusätzlich mit einer sorgfältig abgewogenen Gruppe anderer Akkorde verbinden: Etwa mit einer Subdominante der zugehörigen Dur-Grundtonart. Das mag kompliziert klingen, ist aber in Wirklichkeit im Prinzip meist nur ein Ton mehr: Aus a,c und e wird f, a, c und e. Und schon ist die allgemeine Begeisterung groß, der Track ist vorbereitet für abgefahrene Sounds aus der modernen Studiowelt und nicht zuletzt für den Rapper, der auf der Grundlage dieser wehmütig-süßen Harmonien manch böse Zeile in sein Publikum schleudert.

A-Moll, kombiniert mit F-Dur und vielleicht noch aufgefüllt mit der Dominante G-Dur, um die berühmte 3-Akkorde-Welt des Pop zu komplettieren – das soll genügen für einen modernen Hit in unseren Tagen?

Völlig ausreichend, sagt der Bonner Musikwissenschaftler Volkmar Kramarz, und trägt in seiner Veröffentlichung „Die HipHop Formeln“ (Voggenreiter Verlag) die entsprechenden Songbelege zusammen, ein Hit größer als der andere. Allen voran Bushido: Seine beliebteste Harmoniefolge ist A-Moll, F-Dur und G-Dur, exakt die gleiche, die auch Eminem bei „Mockingbird“ erfolgreich präsentierte. Sido setzte ebenfalls auf diese erfolgsträchtige Kombination, wobei er in einer Reihe mit Künstlern wie Fler, Massiv, Samy Deluxe und Tupac steht, alles Künstler, die mit ihrem Namen längst für Millionen von verkauften Tonträgern stehen.

Kein Wunder übrigens, dass auch bei den Grand Prix Gewinnern 2008 diese Akkordkombination reichlich auftauchte: Griechenland wie Russland haben sie verwendet, der eine war der beliebteste Titel der deutschen Voting-Gemeinschaft, der andere gleich die Nummer eins des gesamten Wettbewerbs.

Und wo alles begann? Nun, die nachweisliche Erstfassung für diese Folge bot der Folk-Barde Bob Dylan in den 60ern an: Sein „All along the watchtower“ beruht, ausgehend von A-Moll, genau auf den drei Harmonien A-Moll, G-Dur und F-Dur. Diese drei Harmonien bilden eigentlich einen Ausschnitt aus einer längst gängigen Vier-Akkord-Folge, die aber eben mit einem Dur-Akkord beginnt, gerne mit einem strahlend naiven C-Dur. Dieser so genannte ,Turn-Around´ bildete schon in den Rock´n´Roll-Zeiten der 1950-er die Grundlage für praktisch alle eher schmusigen Songs: „Stand by me“, „Return to sender“ oder „Sh-Boom“ – sie alle haben diese gleiche harmonische Basis.

Aber was Dylan sicher nicht ahnte: Seine scheinbar so simple und ja eigentlich schon reduzierte Akkord-Folge in seinem Song hatte nicht nur das Zeug zu einem Pop-Hit, sondern bildet nach 40 Jahren, verpackt in immer neuen Soundgewändern, als viel verbreitete „HipHop Smash-Formel“ den Ausgangspunkt für unzählige moderne Chart-Stürmer. (25.03.2009)

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