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Jeanne D´Arc

Die Gotteskriegerin

Dieser Artikel stammt aus P.M. Biografie
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Ein einfaches Bauernmädchen, das auf Männer eine unheimliche Macht ausübte? Ein visionärer Teenager, der aus der eigenen Verzweiflung und der eines ganzen Landes übermenschliche Kräfte bezog? Eine junge Frau, deren kurzes Leben ein unvergessliches Stück Weltgeschichte wurde? Das Geheimnis der Jungfrau von Orléans ist groß. So groß, dass man versucht ist, sie wirklich für eine Gesandte Gottes zu halten.

Sie stirbt sehr langsam. Damit die Menschen auf dem Marktplatz von Rouen gute Sicht haben, ist ein besonders hoher Scheiterhaufen aufgeschichtet worden. Die Gnade, vom Henker erdrosselt zu werden, um die Qualen des Feuers abzukürzen, ist ihr per Gerichtsurteil versagt geblieben.

Auch kein gnädiger Lufthauch bläst Qualm in ihre Nase, keine Rauchvergiftung lässt das dünne Mädchen in barmherzige Ohnmacht sinken. Sie schreit. Eine halbe Stunde lang. Die Menge murrt. Aus Gafflust und Schadenfreude ist kaum einer hier. Eher ist es die nervöse Anspannung über der Stadt, die viele hierher getrieben hat. Und die Hoffnung, dass die Heiligen, vielleicht sogar der Gottessohn selbst, der Verurteilten in letzter Minute zu Hilfe kommen.

Nur einer wagt sich ins Feuer, nahe an das sterbende Mädchen: der Mönch Martin Ladvenu, ihr Beichtvater. Die langen Gespräche im Kerker haben ihn überzeugt, dass ihr Unrecht geschieht. Zu ihrem Trost hält er ein Kreuz aus Buchenzweigen hoch. Als ob sie es noch sehen könnte, durch das kokelnde Fleisch ihrer Lider! Er wird es später bezeugen, dieser Ladvenu, dass sie, als ihr Blut schon verkocht, Zunge und Lippen verbrannt sind, ein letztes Wort ausstößt: Jesus. Es ist der 30. Mai 1431. Das Mädchen heißt Jeanne d´Arc und ist keine zwanzig Jahre alt.

Noch liegt der Gestank von verbranntem Fleisch in der Luft, da machen sich schon Reliquienjäger auf den Weg. Wütend werden sie von den 80 englischen Soldaten vertrieben, die den qualmenden Scheiterhaufen umstellt haben. Nur kein Kult um die Hexe! Als die Wachleute später die Überreste zusammenklauben, finden sie das Herz des Mädchens unversehrt. Die Nachricht von dem Wunder macht in der von den Engländern besetzten Stadt Rouen rasch die Runde. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit werden die Überbleibsel der Jeanne noch zweimal verbrannt und im Schutz der Dunkelheit in die Seine geworfen. Nichts, kein einziger Aschekrümel, soll von ihr übrig bleiben. Denn nur so kann der Prozess des Vergessens rasch beginnen.
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