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Wikinger

Die Feuerteufel

Dieser Artikel stammt aus P.M. Perspektive
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Man fürchtete sie wie Abgesandte der Hölle, denn vor ihnen war keine Stadt in Europa sicher. Aber waren die Wikinger wirklich nur Barbaren, die nichts anderes kannten als Mord, Raub und Brandstiftung?

Wie immer sind die Mönche früh aufgestanden, um zu beten. Auch als sie ihre erste Mahlzeit einnehmen, deutet nichts darauf hin, dass sie nur noch wenige Stunden zu leben haben. Bis zu diesem 8. Juni im Jahr 793 ist das Kloster Lindisfarne auf der Heiligen Insel (Holy Island) vor der Nordostküste Englands ein Ort der Ruhe, der Einkehr und der Besinnung.

Das Unheil nähert sich in Form von schlanken Booten, die am Horizont auftauchen. Schnell bewegen sie sich in Richtung Küste, mit ihrem auffallenden Drachenkopf, der auf unheimliche Weise den Bug verziert. Kurz darauf landen sie mit ihren flachen Kielen auf dem steinigen Strand.

Hünenhafte, bärtige Gestalten springen von Bord, bewaffnet mit langstieligen Äxten, mit Lanzen und Schwertern. Das laute Gebrüll der Angreifer schreckt die heiligen Männer im Inneren des Klosters auf, das von der wilden Horde innerhalb weniger Minuten gestürmt wird. Dann beginnt das Gemetzel. Die Fremden töten die Mönche und das Vieh, sie raffen zusammen, was sie brauchen können: Kelche, Messgewänder, Glocken – und kostbare Bucheinbände mit Edelsteinen, die sie von alten Handschriften reißen. Die Bücher selbst werfen sie auf den Boden. Denn dort, wo sie herkommen, an den Küsten Südnorwegens, interessiert man sich nicht für Schriften, die ohnehin keiner lesen kann. Und was sollten die Männer auch mit Texten anfangen, die einen Gott verehren, der so wenig mit Odin, dem ihrigen, gemeinsam hat?
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Autor/in: Wolfgang Gessler


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