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Natur & Umwelt

Die Botschaften der Naturvölker

Dieser Artikel stammt aus P.M. Magazin
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Die Botschaften der NaturvölkerDie Botschaften der Naturvölker

Indianer, Maori, Aborigines, Pygmäen und viele andere Naturvölker sorgen sich um die Zukunft der Erde. Sie sind jetzt bereit, das uralte Wissen ihrer Vorfahren weiterzugeben, um die Welt und die Menschheit zu retten.

Rigoberta Menchú ist Indianerin, Menschenrechtlerin aus Guatemala und Friedensnobelpreisträgerin. Ihre Rede bei der Preisverleihung am 10. Dezember 1992 in Oslo ließ aufhorchen. »Es ist notwendig, dass die Völker der Indianer mit ihrem Wissen einen Beitrag zur Entwicklung der Menschheit leisten«, sagte sie, »denn wir haben ein riesiges Potenzial und können unser altes Erbe integrieren in die Errungenschaften der Welt.« Das war der Beginn einer Bewegung, die mittlerweile weltweit für Aufmerksamkeit und Hoffnung sorgt. Denn es geht um nichts Geringeres als die Rettung der Welt.

300 Millionen Menschen leben heute in 5000 unterschiedlichen Gemeinschaften zusammen, verstreut auf 70 Länder: indigene Völker, First Natives, autochthone Völker – so nennen die Anthropologen sie wissenschaftlich korrekt. Urvölker oder Naturvölker heißen sie im Volksmund. Sie leben auf der ganzen Welt, häufig bedrängt und bedroht von Industrie, Umweltzerstörung und Tourismus (»Sie kommen und glotzen uns an, als wären wir Affen«, klagt der Pygmäen-Häuptling Kapupu Mutimanwa).

Die Vertreter der indigenen Völker treffen sich regelmäßig, um die Probleme der Welt aus ihrer Sicht zu diskutieren, denn sie haben das Vertrauen in die Industrienationen verloren. »Euer Weg wird die Erde zerstören«, sagt Reuben Kelly, Aborigine-Ältester aus Australien. »Unsere Aufgabe ist es, die Erde zu schützen. Wir hoffen, dass ihr das entdeckt, ehe es zu spät ist.« Der Indianer Red Jacket ergänzt: »Dem Weißen Mann geht es so schlecht, dass er die Unterstützung eines jeden braucht, der ihm helfen kann.« Er ist Häuptling der Senaca vom Stamm der Irokesen, die am Erie-See im Nordosten der USA leben.

Indianer, Maori, Aborigines, Hawaiianer – alle fühlen sich inzwischen verpflichtet, das Wissen ihrer Ahnen preiszugeben. Organisationen wie »American Indian Science and Engineering Society«, »Earth Ambassadors Program« oder »American Indian Council of Elders« verbreiten ihre Botschaft entsprechend einer Prophezeiung der Haudenosaunee-Irokesen. Sie lautet: »Es ist an der Zeit, die Geheimnisse der Ahnen der Welt mitzuteilen, wenn die Bäume sterben.«

Es sind nicht nur die Bäume: Laut einer Studie des WWF (World Wide Fund For Nature) hat die Erde seit 1970 ein Drittel ihrer ökologischen Schätze verloren, die Geschwindigkeit des Artensterbens nimmt rapide zu. Die meisten Menschen westlicher Kulturen überlassen die Lösung dieser Probleme ihren Politikern, für die Naturvölker hingegen stellt dieser Wandel eine tagtägliche Bedrohung dar. Sie sehen die Welt als einen Organismus, alles ist in einem ewigen Kreislauf mit­einander verknüpft. Nach ihrem Verständnis sind Menschen, Tiere und Pflanzen ein Ausdruck des universellen »Spirits«, eines Prozesses des ewigen Werdens, in dem der universale Geist und der menschliche Geist eine Einheit bilden.

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Autor/in: Karsten Flohr


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