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Religion

Die Bibel und ihre Botschaft

»Friede den Menschen auf Erden!« Weihnachten ist vorbei. Die Friedensbotschaft der Engel ist verhallt. Hat sie überhaupt jemand gehört? Oder hören wir schon gar nicht mehr hin, weil diese Botschaft eine Lüge ist, eine Lüge, um die Menschen etwas glauben zu machen, was nicht stimmt, nie eintritt? Denn wo ist der Friede – 2000 Jahre nach der Verheißung? Man ist versucht, die Bibel beiseite zu schieben als alt und überholt. Doch so einfach geht das nicht. Hier eine nachweihnachtliche Auseinandersetzung mit einem Buch voll von Widersprüchen, Grausamkeiten und absurd klingenden Geboten. Aber auch voll mit klugen Entscheidungshilfen, revolutionären Gedanken – und Menschlichkeit. Ein schwieriges Buch. Ein wichtiges Buch, denn es hat wie kein anderes unser Denken geprägt.

Dieser Artikel stammt aus P.M. Magazin
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Die Bibel und ihre BotschaftDie Bibel und ihre Botschaft

Vor zweitausend Jahren waren, wie die alte Erzählung berichtet, Hirten auf dem Feld. Da geschahen auf einmal bedrohliche Dinge: »Sie fürchteten sich sehr ...« Wir kennen die Geschichte, sie gehört zu Weihnachten wie der Baumbehang, den man aus der Kiste holt. Wir beachten diese Angst der Hirten kaum, in der Weihnachtsgeschichte wird sie selten beachtet, bei Krippenspielen kommt sie nicht vor. Wer zum Fest Schafe, Ochs und Esel aus dem Zeitungspapier des Vorjahres wickelt, käme nicht auf die Idee, die Angst der Hirten vor dem Unerklärlichen als unsere Angst vor den Großrisiken der Industriegesellschaft zu beschreiben.

In der Weihnachtsgeschichte wird den Hirten ihre Angst schnell genommen. Da kommt ein Engel, und seine Botschaft können sie im nächsten Dorf, in Bethlehem, nachkontrollieren: Dort steht tatsächlich die Krippe. Der Engel hat zu Recht »Fürchtet euch nicht« gesagt. Bei den heutigen Ängsten ist das anders: Da kommt kein Engel, sondern der Ministerpräsident, und sagt: »Unser Rindfleisch ist sicher.« Oder es kommt der Bundeskanzler und sagt: »Es geht wieder aufwärts.« Aber hinter der Ecke wartet schon der Gegenbeweis. Unsereiner ist also gewohnt, dass, wenn Politiker »Fürchtet euch nicht« sagen, das Gegenteil richtig ist. Vor fast 18 Jahren, nach Tschernobyl, erschien der Bundesinnenminister Friedrich Zimmermann auf dem Bildschirm und sagte: »Eine Gefährdung der Bürger ist absolut auszuschließen.« Solches Abwiegeln verstärkt die Angst. Wer die Gefahren nicht einmal benennen will, der will auch nichts gegen sie tun. An Weihnachten könnte man also versucht sein, es einmal, statt mit der Tagesschau, mit der Bibel zu versuchen und dort Antworten zu suchen, die Politiker nicht geben. Immerhin ist die Sprache der Bibel berühmt, aus der Luther-Übersetzung hat sich die deutsche Hochsprache entwickelt.

Auf der Suche nach Lebensprinzipien und Entscheidungsrichtlinien kann man sich einmal statt durch die Fernsehprogramme durch die Bibel zappen. Also statt ARD den ersten Brief des Johannes: Wer liebt, ist im Licht; wer nicht liebt, ist in der Finsternis. Statt »Liebe Sünde« das 5. Buch Mose: Kleidung des anderen Geschlechts anzuziehen ist dem Herrn ein Gräuel (Dt 22,5). Und statt Striptease im Deutschen Sportfernsehen eine Buße, wie sie das Buch Mose verlangt: nach nächtlichem Samenerguss ein Tag Absonderung und anschließend ein Bad. Dort, bei Mose, findet man die Gebote, wonach man sich des Blutes enthalten soll, und dass die Seele, die Blut isst, von seinem Volk abgeschnitten wird – eine Stelle, auf die sich übrigens die Zeugen Jehovas berufen, wenn sie Bluttransfusionen verweigern. Man findet beherzigenswerte Warnungen vor Habsucht und Ausschweifung, vor Orgien und Gelagen, man findet das Gebot, die Eltern zu ehren und wahrhaftig zu sein, man findet Einleuchtendes und Hilfreiches neben offensichtlichen Unsinnigkeiten.

Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 3 (2 Bewertungen)
Autor/in: Heribert Prantl


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