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Die Arche Noah

Dieser Artikel stammt aus P.M. Fragen & Antworten
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Die Arche NoahDie Arche Noah

Die Bibel sagt, dass die Arche nach der Sintflut auf dem Berg Ararat in der Türkei gelandet ist. Seitdem wird fieberhaft nach dem berühmtesten Schiff der Erde gesucht. Denn wer sie findet, könnte eines der großen Rätsel der Menschheit lösen. Satellitenfotos haben jetzt den Arche-Forschern neue Hoffnung gegeben, allerdings ... Doch lesen Sie selbst. Es beginnt mit einer sehr merkwürdigen Geschichte!

Hätte sie jemand erfunden, könnte man sagen: Da hat sich aber einer was ganz Schräges zusammengesponnen. Aber die Geschichte ist wahr!

Erster Teil: In den 90er-Jahren erscheint das Buch »Das Arche-Noah-Komplott« – ein spektakulärer Thriller des Autors Gerry Baldwin. Die Story dieses Romans: Ein in Honolulu auf Hawaii lebender US-Millionär ordert aktuelle Satellitenbilder des Ararat – die Sensation: Sie zeigen tatsächlich ein schiffsähnliches Objekt im ewigen Eis der nordöstlichen Gletscherregion. Der strenggläubige Christ schickt ein Expertenteam vor Ort, doch die Regierung in Ankara cancelt die Suchgenehmigung über Nacht. Begründung: Aktivitäten aufständischer Kurden.

Zweiter Teil der Geschichte: Vor drei Jahren ordert der in Honolulu/Hawaii lebende US-Millionär (!) Daniel McGivern aktuelle Satellitenbilder vom Berg Ararat – die Sensation: Sie zeigen tatsächlich ein schiffsähnliches Objekt im ewigen Eis der nordöstlichen Gipfelregion (!). Der strenggläubige Christ plant, ein Expertenteam vor Ort zu schicken, doch Ankara streicht das bereits gegebene OK in letzter Minute – wegen Aktivitäten aufständischer Kurden (!).

Autor Gerry Baldwin zu F&A: »Dass ein Roman fast bis ins Detail vom wahren Leben eingeholt wird, hat‘s so noch nie gegeben. Aber die Arche hatte ja schon immer ihre eigene Reality ...«

Eine grausame Abrechnung mit der Menschheit?

Es ist nicht allein die Arche, die die Fantasie der Menschen seit Jahrhunderten beflügelt – es sind auch die Geschichten, Theorien und Spekulationen, die sich um sie ranken. Doch zunächst einmal die nüchterne Nachricht: »Noah war ein frommer Mann und ohne Tadel und führte ein göttliches Leben zu seinen Zeiten ... Aber die Erde war verderbt vor Gottes Augen ... da sprach Gott zu Noah: Das Ende allen Fleisches ist bei mir beschlossen ... ich will eine Sintflut mit Wasser kommen lassen auf Erden ... Aber mit dir will ich einen Bund aufrichten ... mache dir einen Kasten von Goferholz ...« So steht's in der Bibel, im ersten Buch Mose. Dann folgt die Beschreibung einer gigantischen Katastrophe, die alles Leben auf Erden vernichtet.

Allein die Vorstellung, dass es vor Jahrtausenden eine Art Generalabrechnung mit den Menschen gegeben haben könnte, die nur einige wenige an Bord eben dieser Arche überlebten, entzündete ein Feuerwerk wildester Spekulationen. Was war da geschehen? War es wirklich eine Abrechnung, also eine geplante Vernichtung? Wenn ja, wer wollte dies und wer war fähig, eine solche Katastrophe in Bewegung zu setzen? Gott? Götter? Vielleicht Außerirdische?

Auch in anderen Kulturen wird von einer alles vernichtenden Flut gesprochen – als einem gewollten Strafgericht. In Indien war es Gott Wischnu, der die sündigen Menschen mit kosmischen Urwassern auslöschte. Bei den Chinesen riss der Gott Kunk-Kunk die Säulen des Himmelsgewölbes ein, sodass die Welt ertrank. Die Priester der Azteken und Mayas raunten, eine Wasser speiende Himmelsschlange habe die Menschen verschlungen …

Was auch immer die Geschichten erzählen, immer berichten sie über eine Katastrophe von unvorstellbaren Ausmaßen, über ein Ereignis von solcher Gewalt, dass selbst die Götter Angst bekamen – so berichtet das altsumerische Gilgameschepos, in dem, lange vor der Bibel, ebenfalls von der Sintflut berichtet wird. Und auch der biblische Gott ist offensichtlich bestürzt – jedenfalls versichert er Noah und den anderen Überlebenden gleich mehrmals, dass so etwas nicht mehr vorkommen würde. Es klingt sehr nach schlechtem Gewissen. Ist dieses Strafgericht möglicherweise außer Kontrolle geraten? Über all das lässt sich wunderbar spekulieren.

23. 9. 7552 v. Chr. – begann an diesem Tag die Sintflut?

Es hat diese Flut gegeben, darüber sind sich die Wissenschaftler einig. Der Wiener Geologe und Meteoriten-Experte, Professor Alexander Tollmann, will sogar genau wissen, wann das Inferno seinen Anfang nahm: am 23. September 7552 v. Chr. gegen 3.00 Uhr MEZ – ausgelöst durch einen Kometen, der beim Aufschlag in sieben Teile zerbrach, die sämtlich ins Meer stürzten und einen teuflischen Mix aus Flutwellen, Erdbeben, Orkanen, Dauerregen und Finsternis auslösten.

Damit steht Tollmann in Konkurrenz zu den US-Geophysikern William Ryan und Walter Pitman: Bis vor 7600 Jahren, so die Ryan-Pitman-These, war das Schwarze Meer noch ein tieferliegender Süßwassersee – als sich dann salzige Mittelmeerfluten, möglicherweise aufgrund eines schweren Erdbebens, mit ungeheurer Wucht hineinergossen, verschwanden weite Landstriche von der Bildfläche.

Klar, dass dieses schlüssige Szenario viel Beifall fand. Prompt rief es Dr. Robert Ballard auf den Plan – jenen Tauch-Superstar, der sowohl das Wrack der »Titanic« als auch des deutschen Schlachtschiffs »Bismarck« aufspürte. Im Sommer 2000 begann der Wissenschaftler, dem Schwarzen Meer auf den Grund zu gehen, um die Ryan-Pitman-These zu beweisen. Was ihn nicht zur Ruhe kommen lässt: Wenn es die Sintflut gab, wie die Bibel berichtet, dann gab es auch die Arche. »Ich weiß, dass mich viele für verrückt halten«, antwortet Robert Ballard, »aber mich fasziniert die Arche.«

Aber so verrückt ist es gar nicht. Denn die Arche ist sehr viel mehr als nur ein zusammengezimmerter Kasten. Sie ist die Erinnerung an eine furchtbare Zäsur in der Geschichte der Menschheit – und, so der britische Anthropologe Arthur C. Custance, die Erinnerung an »das letzte große Gemeinschaftserlebnis der Menschheit«.

Sie ist Symbol für ein grauenvolles Ende, das die Menschheit offenbar aus eigenem Verschulden hervorrief, aber auch für eine Rettung in höchster Not; sie ist Symbol für die Stunde null, in der uns Menschen die Chance gegeben wurde, aus unseren Fehlern zu lernen und neu anzufangen. Die Suche nach der Arche ist die Suche nach Gewiss-heit: Dies alles ist tatsächlich geschehen! Bisher reicht die Vielfalt der Meinungen von »Ammenmärchen« über »rein symbolisch gemeinte Heilsgeschichte« bis zu »historisch zweifellos wahr«. Stellen wir uns mal auf die Seite der Zweifler:

Hätte die Arche überhaupt funktionieren können?

Gott gibt in der Bibel ziemlich genaue Anweisungen, wie Noah die Arche bauen soll: »Mach dir einen Kasten ... und mache Kammern darin und verpiche ihn mit Pech innen und außen. Und mache ihn so: 300 Ellen sei die Länge, 50 Ellen die Breite und 30 Ellen die Höhe. Ein Fenster sollst du daran machen, eine Elle groß. Die Tür sollst du mitten in seine Seite setzen. Und er soll drei Böden haben: einen unten, den anderen in der Mitte, den dritten in der Höhe.«

Legt man das bei den Hebräern gültige Maß zugrunde (1 Elle = ca. 45 cm), war Noahs »Kasten« rund 135 Meter lang, 22,5 Meter breit und über 13 Meter hoch. Heutige Schifffahrtsexperten sprechen von einer Wasserverdrängung wie bei der fast doppelt so langen »Titanic«. Ansons-ten sei das Dimensionen-Verhältnis von 6:1 optimal, denn es entspräche auch nach aktuell gültiger Auffassung »einem Maximum an Fassungsvermögen und Betriebssicherheit«. Im Übrigen entstünde wegen des Schwerpunkts im Unterwasserschiff bei größter Zuladung »eine denkbar beste Stabilität« – ideale Voraussetzungen also für einen monatelangen Ritt durch Sturm und Wellen.

Aber wie sollen all die Tiere hineingepasst haben?

»Du sollst«, so Gott zu Noah, »von allem Lebendigen, von allem Fleisch, je zwei ... in den Kasten bringen, um sie mit dir am Leben zu erhalten. Je ein Männchen und ein Weibchen ... Von allen Vögeln je nach ihren Arten, von dem Vieh nach seinen Arten, von allen Kriechtieren des Bodens nach seinen Arten.«

Das ist doch unmöglich, sagen die Zweifler. Nun, Fred Hartmann und Reinhard Junker vom Studienkolleg »Wort + Wissen« ermittelten mit deutscher Gründlichkeit die Ladekapazität der Arche Noah, und siehe da: Es wäre nicht einmal sonderlich eng an Bord gewesen!

Hartmann/Junkers Rechenexempel: Bei einer Arche-Ladefläche von ca. 9000 Quadratmetern hätten 286 Güterwagen der Deutschen Bahn mit »jeweils 121 ungeschorenen Schafen« (so die geltende DB-Normvorgabe) in Noahs Massentransporter Platz gefunden – zusammen also 34 606 Tiere dieser Größe.

Und da laut Genesis nur »lungenatmende« und zweitens nur kreatürliche Grundtypen paarweise mitgenommen werden mussten (Hartmann und Junkers kommen auf 3700 Säugetier-, 8600 Vogel- 8800 Reptilien- und Amphibienarten), gab's wegen der Mehrheit eher kleinerer Viecher keine Spur von Drängelei. Das trockene Fazit der beiden Rechner: »Die Auffassung, der biblische Bericht über Noahs Arche sei aufgrund gravierenden Platzmangels historisch unglaubwürdig, ist unbegründet.«

Na schön, da ist aber immer noch die heikle Frage:

Wie konnte Noah das Riesenschiff ohne Hilfe bauen?

Hier herrscht selbst unter unerschütterlichen Arche-Fans Ratlosigkeit. Weder chronische Mysterien-Spekulanten wie Charles Berlitz oder Erich von Däniken noch »Und die Bibel hat doch recht«-Autor Dr. Werner Keller lieferten dazu halbwegs erhellende Erkenntnisse. Schließlich handelte es sich hier nicht um ein kleines Boot aus Schilf, sondern um ein Schiff, das auch nach heutigen Maßstäben ein beachtlicher Pott war.

Wie um Himmels willen soll Noah mit seinen drei Söhnen und deren Frauen es geschafft haben, quasi im Alleingang dieses monströse Bauwerk fertigzustellen? Experten mutmaßen denn auch: Noah muss jahrelang jede Menge Handwerker beschäftigt und sich im damaligen Mesopotamien den Ruf eines spendablen Spinners eingehandelt haben – außer ihm kannte ja niemand den Grund für den Bau des Riesenkastens.

Die Bibel gibt keine Auskunft darüber, wie Noah diese Aufgabe gelöst hat. Aber er schaffte es und landete, so heißt es im ersten Buch Mose, mit seiner Arche sicher auf dem Berg Ararat. Wenn wir der Bibel glauben, dann war das eine gigantische Leistung, die Noah und seine Familie da vollbracht haben. Auch das ist Teil der Faszination, die von der Arche ausgeht und schon vor Jahrhunderten die ersten Arche-Sucher ins ewige Eis des 5165 Meter hohen Ararat trieb. Eine mühselige und gefährliche Suche. Nicht zufällig nennen die Einheimischen diesen Berg »Agri Dagi« – »Berg des Schmerzes«.

Seit wann gibt es »Ark-Searching«?

Als erster Suchender gilt ein Mönch namens Jakob, der im 4. Jahrhundert von seinem nahen Kloster aus den Aufstieg wagte. Der Überlieferung nach schenkte Gott dem hilflos Herumirrenden schließlich per Engelsboten ein Stück Holz der Arche – bis heute gilt dieses Artefakt Anhängern der armenischen Kirche als besonders verehrenswürdige Reliquie.

Seitdem machten sich immer mehr Gläubige und Abenteurer auf den beschwerlichen Weg, um das »Rettungsboot der Menschheit« zu finden. Bei ihrer Suche ließen viele Hab und Gut, manche sogar ihr Leben. Erst Anfang des 19. Jahrhunderts kam eine gewisse Professionalität ins Spiel. 1829 unternahm der estländische Universitätsrektor und Physiker Friedrich Parrot im Auftrag des russischen Zaren Vermessungsarbeiten am Berg. Parrots Hoffnung, so ganz nebenbei auch noch die Arche auszugraben, blieb unerfüllt. Um nicht mit leeren Händen zurückzukehren, ließ er von seinen Leuten in Gipfelnähe einen Eisblock ausstechen, ins Tal schleppen und das »geweihte Wasser vom Berg Noahs« auf Flaschen füllen.

Ein Film über ein 5000 Jahre altes Stück Holz. Der Beweis?

Der Film entstand in den 1950er-Jahren, als der Franzose Fernand Navarra mit seinem damals 12-jährigen Sohn Rafael aus der Tiefe einer Gletscherspalte eine 1,50 Meter lange, offensichtlich von Menschenhand bearbeitete Holzplanke ans Tageslicht beförderte – und anschließend mit einer Axt zerteilte! Spätere Begründung des Sohnes: »Türkische Soldaten warteten am Fuß des Berges auf uns, und um den kostbaren Fund nicht abliefern zu müssen, hat mein Vater ihn so verkleinert, dass er sich in einem Rucksack verstecken ließ.« Als Beweis für die Existenz der Arche Noah blieb das knapp 5000 Jahre alte Holzstück allerdings bis heute umstritten.

Rache?

Der US-Astronaut James B. Irwin gehörte zu den prominentesten und ausdauerndsten Arche-Suchern. 1971 nahm er an der Apollo 15-Mission teil – eine Reise, die ihn veränderte. Nach seiner Rückkehr schied er aus der NASA aus, wurde Prediger und startete 1982 die erste von fünf Ararat-Erkundungen. Bei seinem letzten Versuch 1986 entdeckte Irwin während eines nicht genehmigten Cessna-Flugs faszinierende Umrisse im Eis des nördlichen Gletschers. Er freute sich zu früh, anderntags wurde er wegen »Spionage über militärischem Sperrgebiet« ausgewiesen. Kleine Rache Ankaras dafür, dass der US-Geheimdienst CIA die Gegend vorher angeblich mehrfach unter die Satelliten-Lupe genommen hatte?

Auch in den folgenden Jahren kam die Arche immer wieder in die Schlagzeilen – doch das Interesse begann zu versickern. Es schien so, als sei man von der langen Suche erschöpft. Aber dann kam der Honolulu-Millionär Daniel McGivern – und sorgte für Aufregung.

Was ist das Besondere an den neuen Bildern?

Die von Digital Globe angefertigten Satellitenaufnahmen zeigen ohne Frage einen zigarrenförmigen Korpus – und die »richtigen« Maße hat der Schatten im Eis außerdem. Daniel McGivern erklärt die besondere Klarheit der Bilder so: »Als die Satellitenaufnahmen entstanden, hatten wir den heißesten Sommer seit 500 Jahren in Ostanatolien. Folge: extreme Eisschmelze. Dass Teile der Arche, die bis dahin unter dem 90 Meter dicken Gletscher lag, dadurch sichtbar wurden, war also überfällig.«

So sieht es auch der türkische Archäologie-Professor Ahmet Arslan. Er sollte die Expedition leiten, die aufgrund dieser Bilder auf dem Ararat die Arche suchen wollte. Aber wie schon erwähnt, auch diesmal sagte die türkische Regierung nein. Die Enttäuschung ist groß, verständlich, denn Daniel McGivern musste, wie alle »Ark-Searcher«, kurz vorm Ziel aufgeben. Obwohl die Chancen, endlich die Arche zu finden, nie besser standen.

Warnung an uns alle?

Jeder darf den Ararat besteigen, aber nur zu »sportlichen Zwecken« und nur »in Begleitung eines vom zuständigen Ministerium bestimmten und genehmigten Bergführers« wie die türkische Botschaft in Berlin betont. Echte Arche-Suchaktionen im ewigen Eis blockt Ankara ab. Begründung: die politisch unruhige Lage ringsum. Doch Ausnahmen bestätigen die Regel: Aus Anlass des G 8-Treffens Anfang Juni in Heiligendamm durften deutsche und türkische Greenpeace-Aktivisten am unteren Ararat-Hang eine 10 x 4-Meter Miniversion der Arche Noah errichten, um wegen der drohenden Klimakatastrophe »vor einer zweiten Sintflut« zu warnen.

Warnung! Darin liegt wohl die eigentliche Bestimmung der Arche: Seht euch vor, kommt zur Vernunft. Oder ihr geht zugrunde – es ist schon einmal passiert! Wenn die Arche-Forschung dazu beiträgt, diese Warnung zu erkennen und auch ernst zu nehmen, dann macht sie Sinn.

Ob sie dann eines Tages auch noch die hölzernen Überreste der Arche findet, wäre sensationell – aber gar nicht mehr so wichtig.

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