Das große Karthago führte drei Kriege. Es war noch mächtiger nach dem ersten, noch bewohnbar nach dem zweiten. Es war nicht mehr auffindbar nach dem dritten.
Die 10 großen Mysterien unserer Existenz
Der perfekte Mord ist Geschichte
Papiergeld - Das Risiko des schönen Scheins
Ausgabe
06/2012
Ausgabe
06/2012
Ausgabe
01/2011
Ausgabe
04/2011
Verlangen die Frauen heute zu viel?
Gibt es bald ein Medikament gegen das Altern?
Wann wird eine Psycho-Krise zum Trauma?
Ausgabe
05/2012
Ausgabe
02/2012
Ausgabe
02/2012
Ausgabe
01/2012
Ausgabe
05/2012
Ausgabe
03/2012
Ausgabe
03/2012
92 qualitativ hochwertige Sudokus – für Anfänger, Fortgeschrittene, Experten und Champions
Zu gewinnen: drei Qualitäts-Kochtopf-Sets!
Ausgabe
03/2012
Noch mehr Rätselspaß:
P.M. Logicals bringt Ihre grauen Zellen auf Hochtouren. Mit 45 anspruchsvollen Logik-Puzzles
Ausgabe
01/2011
Serie Gesellschaft im Wandel, Teil 4
Die andere Seite des Schreckens oder: Das Gute an Katastrophen
Dieser Artikel stammt aus P.M. Magazin
Hier geht's zum aktuellen Heft »
Vulkanausbrüche, Tsunamis, Klimaveränderungen sind eine schwere Bedrohung für die menschliche Zivilisation. Stimmt! Aber das ist nur die halbe Wahrheit.
Am 1. November des Jahres 1755 erschütterte ein schweres Erdbeben den Meeresboden vor Lissabon. Eine gigantische Welle überspülte die Stadt, zerstörte die Häuser, entfachte Brände. Etwa 100000 der 250000 Einwohner erstickten und verbrannten in der Feuersbrunst oder ertranken in der Tsunami-Welle. Auf Wochen blieb die Stadt von »Leichengeruch getränkt, der bis in die Gebeine fuhr«, wie Augenzeugen berichteten.
Es war die Zeit der Aufklärung. Europa war in Bewegung, auf geistiger Suche, und überall drängten Philosophen, Querdenker und Staatsmänner hin zu einer Welt, in der die Menschen frei von Not und Ausbeutung sein sollten. Das Beispiel der Französischen Revolution gab den Völkern Hoffnung, Aufbruch lag in der Luft. Doch plötzlich änderte sich diese kollektive Stimmung. »Das Erdbeben führte nicht nur zu einer Erschütterung der Erde, sondern das unerklärliche Leid bewirkte auch eine Erschütterung des allgemeinen Sinnzusammenhangs und führte zu einer ernsten Krise der Philosophie des metaphysischen Optimismus«, konstatierte der Historiker Matthias Bott. Viele große Geister des 18. Jahrhunderts beschäftigte das katastrophale Beben. Der Philosoph Immanuel Kant zum Beispiel schrieb:
»Alles, was die Einbildungskraft sich Schreckliches vorstellen kann, muss man zusammen nehmen, um das Entsetzen sich einigermaßen vorzubilden, darin sich die Menschen befinden müssen, wenn die Erde unter ihren Füßen bewegt wird, wenn alles um sie her einstürzt, wenn ein in seinem Grunde bewegtes Wasser das Unglück durch Überströmungen vollkommen macht.«
Und Goethe in seinen Lebensaufzeichnungen:
»Gott, der Schöpfer und Erhalter Himmels und der Erden ... hatte sich, indem er die Gerechten mit den Ungerechten gleichem Verderben preisgab, keineswegs väterlich bewiesen. Vergebens suchte das junge Gemüt sich gegen diese Eindrücke herzustellen, welches überhaupt umso weniger möglich war, als die Weisen und Schriftgelehrten selbst sich über die Art, wie man ein solches Phänomen anzusehen habe, nicht vereinigen konnten.«
Der französische Philosoph Voltaire zitierte das Beben in »Candide«:
»Entsetzt, bestürzt, seiner Sinne nicht mächtig, über und über blutend und zitternd sagte Candide sich: ›Wenn dies die beste aller möglichen Welten ist, wie müssen dann erst die anderen sein?‹«
Nahezu alle Dichter und Philosophen der Aufklärung beteiligten sich in den folgenden Jahrzehnten an dieser teleologischen Diskussion – also der Frage nach dem Ziel (griechisch telos) der Schöpfung –, die heute im Zeichen von Tsunami, Terror und globalem Klimawandel wiederkehrt. Menschliche Zivilisationen, so ahnen wir heute, sind durch katastrophale Naturereignisse viel verletzlicher, als wir bislang wahrhaben wollten. Und sie sind zugleich, auf eine geheimnisvolle Art und Weise, mit ihnen verknüpft und verbunden.
Als die technische Zivilisation um 1960 zu ihrem großen Siegeslauf ansetzte, schien die Euphorie der Aufklärung völlig ungebrochen zu herrschen. Technologie löste alles. Sie brachte uns auf den Mond, reparierte kaputte Herzen, baute riesige Stauwerke, löste in der Atomtechnik alle Energieprobleme. Gleichzeitig setzte sich eine »planetare Naturromantik« durch. Dazu passte das Bild vom Planeten als blühend-blauer Oase im All, das uns die Astronauten von ihren Ausflügen in den Orbit zurückbrachten. Eine ökologische Arche, die, wenn man sie von den bösen Einflüssen von Industriewelt und Über-bevölkerung verschonen würde, ein harmonisches Paradies sein müsste.
In Wahrheit ist unser blaues Juwel wie alle Himmelskörper von tektonischen und klimatischen Gewalten heimgesucht, die keine noch so perfekte Supertechnologie wirklich zähmen kann. Unser Planet taumelt durchs All, sein glühendes Magma im Inneren steht niemals still, seine Wassermassen sind in ständiger Bewegung. Von dieser unruhigen Geschichte künden alle religiösen Schriften, von der Bibel (Sintflut) über die hinduistische Baghawadgita (Shiva, der Gott der Zerstörung) bis zum jüdischen Talmud. Keine Religion ohne Apokalypse, kein Glaube, der nicht die Bannung des Katastrophischen als ein zentrales Thema hätte (und sei es des individuellen Todes).
Im Laufe der Geschichte haben sich jedoch die Wahrnehmungen von Katastrophen immer wieder gewaltig verschoben. Der Ausbruch des Tambora auf der indonesischen Insel Sumbawa im Jahre 1815 war der größte bekannte Vulkanausbruch aller Zeiten, mit der Stärke von 60000 Hiroshimabomben. Aber die Zeitungen Europas brachten nur kurze Meldungen: Was weit entfernt Menschen aus anderen Kulturkreisen passierte, hat bis zur Entwicklung des weltweiten Mediennetzes die in sich selbst verliebten westlichen Industrienationen nicht sonderlich interessiert. Dass bei einem Wirbelsturm in China 1931 über drei Millionen Menschen starben, gehört heute ebenso wenig zum Allgemeinwissen wie das Beben von Tianjin am 27. Juli 1976 mit seinen 255000 Toten. Dafür bleibt uns die Hochwasserkatastrophe von Hamburg 1962 im dauernden Gedächtnis, obwohl dort nur gut 300 Menschen ums Leben kamen.
Werden wir in diesem Jahrhundert mehr Katastrophen als früher erleben? Vielleicht; aber das wäre eher statistischer Zufall. Es wird uns aber so vorkommen. Denn die globalisierten und Eventsüchtigen elektronischen Medien holen uns Sterben und Elend hautnah ins Wohnzimmer. Andererseits unterliegen wir aber auch einer Wahrnehmungstäuschung, einer verzerrten »Welt-Anschauung«, die sich aus dem Wesen der technischen Zivilisation selbst speist.
Technik und Wohlstand schützen in gewissem Maße vor Naturkatastrophen – steigern aber gleichzeitig ihre Gesamtwirkung, indem sie zu risikoreicherem Verhalten führen. Wie ABS und andere technische Wunder bei Fahrzeugen zu riskanterer Fahrweise animieren (und so wieder die Unfallzahlen erhöhen), steigern technische Zivilisationen die Risiken, die sie anscheinend bannen. Man kann nun Dämme bauen – aber jetzt wachsen die Häuser auch an Orten, die man sonst als Siedlungsraum gemieden hätte. Seit der Entstehung des Golfstroms vor etwa drei Millionen Jahren ziehen mehrmals im Jahr verheerende Hurrikans von den tropischen Gewässern in Richtung amerikanische Westküste. Aber seit Florida zum Altersparadies für Millionen Amerikaner wurde, erscheinen sie jedes Jahr »verheerender« und »niederschmetternder«. Für unsere von Naturromantik und Schuldgefühlen codierte Welt-Wahrnehmung sieht es so aus, als ob die »Natur immer mehr gegen den Menschen rebellierte«.
Katastrophen sind keineswegs nur die »Vernichter«, auf die sie in unseren angsterfüllten Hirnen immer codiert werden. Im Gegenteil. Oft bewirken sie technische Innovationen – wie etwa der Bau der Arche von der Bezwingung der Flut erzählt. Sie regen Menschen zu neuen Verhaltensweisen an. Zu mehr Kooperation. Und zu zivilisatorischen Durchbrüchen.
Nach dem katastrophalen Fall der Twin Towers von New York am 11. September 2001 waren die Kommentare unisono: Die Stadt würde sich nie wieder erholen. Kapital und Menschen würden die Weltmetropole fliehen. Aber New York hat heute die höchste Lebenserwartung aller US-Städte. Die Grundstückspreise stiegen von 2001 bis 2005 um 20 Prozent. 1990 gab es in den Straßen der Stadt 2300 Morde – im Jahre 2004 waren es noch 566! Museen eröffnen, die Stadt brummt vor Tatenfreude – trotz oder gerade wegen des ungeheuren Menetekels. Haben tödliche Katastrophen und die damit verbundenen sozio-psychischen Reaktionen womöglich eine tiefere »Verdrahtung« in menschlichen Hirnen? Die Anthropologen Sheldon Salomon, Tom Pyszczynski und Jeff Greenberg entwickelten dazu die »Terror Management Theorie« (TMT). (Terror ist hier im erweiterten Sinn als »unausweichliche Bedrohung« definiert.) Sie beschäftigten sich mit der Frage, wie die menschliche »Todesbewusstheit« – die ja durch Katastrophen ständig aktualisiert wird – unser Verhalten bestimmt. So testeten sie Geschworene in Gerichtsprozessen. Sie legten zwei Gruppen denselben Fall vor – einen kleinen Diebstahl, den eine Prostituierte begangen hatte. Die eine Gruppe wurde zusätzlich mit Bildern von verwesenden Leichen konfrontiert, die andere nicht. Die »Todesgruppe« verurteilte die Prostituierte zu 455 Dollar Strafe, die andere zu nur 50 Dollar.
Auch in umgekehrter Richtung funktioniert dieser Reflex. Eine Anzahl von Bürgern wurde nach einem Persönlichkeitstest mit hohem Selbstbewusstsein »aufgeladen«: »Ihr seid die Größten, ihr seid superintelligent!« Die Kontrollgruppe bekam nur ein mittelmäßiges Feedback. Dann wurden beiden Gruppen Katastrophenbilder gezeigt. Die »Selbstbewussten« konnten diese Bilder viel besser verkraften, sie zeigten geringere Angst-Reaktionen und verteilten danach großzügig kleine Geschenke auch an die Mitglieder der anderen Gruppe.
Was diese Tests zeigen: Der katastrophische Tod lässt uns zusammenrücken – und eine Gemeinschaft bilden. Dass er auch konservativer und fremdenfeindlicher macht, ist ein logischer evolutionärer Reflex. In harten Zeiten, die wir auf unserem langen evolutionären Weg durchliefen, versprach Zusammenrücken, Abgrenzung nach außen, Hassen der Feinde einen Überlebensvorteil. (In glücklichen Perioden hingegen war die tolerante und universalistische Reaktion sinnvoller: mit den anderen Handel zu treiben, sich Vorteile durch »Fern-Kooperation« zu verschaffen.)
Menschen sind zäh. Noch in den Ruinen ihrer Städte denken sie über neue Boulevards nach. Alle großen Städte – mit Ausnahme des nicht wieder aufgebauten Pompeji – zeugen von dieser Beharrlichkeit, die wahrscheinlich das evolutionäre Geheimnis unserer Art birgt. Im Untergrund Roms kann man graben und graben, ohne jemals auf »nichts« zu stoßen. Chicago, San Francisco, Mexico City und Lissabon wurden durch schwere Erdbeben zerstört – und erblühten danach umso mehr. Hiroshima oder Berlin, einst Symbole der totalen Vernichtung, wurden aus teilweise denselben Steinen neu errichtet, in einem Geist, der die Trümmer zum Teil einer neuen Erzählung machte. Wenn die Welt unterzugehen drohte, liefen Menschen stets zu Hochform auf. Auch, wenn sie die Bedrohung nur halluzinierten.
Jahrtausendelang spielten Naturkatastrophen in den Mythologien der Menschheit eine zentrale Rolle. Die Hochkulturen der Inka und Azteken benutzten Metaphern kosmologischer Ereignisse für ihre immer währenden Rituale. Diese Bilder dienten der Katastrophenbannung in einer von Vulkanismus, Hitzewellen und sintflutartigen Regenfällen geprägten Topografie. Dass diese Rituale immer blutiger und brutaler wurden, zu immer hysterischeren Kulten führten, ist nach der neu-esten Forschung ein wichtiger Grund für den Untergang dieser Kulturen. Weniger die ökologischen Sünden, wie sie Jered Diamond in seinem Buch »Collapse« beschreibt, führten also zum Zusammenbruch der Maya-Zivilisation, sondern ihre Interpretation als »Bestrafung«.
Umgekehrt schafften Zivilisationen, die erfolgreich waren, die entscheidenden Zugewinne an Technologie und sozialer Komplexität immer dann, wenn es für die Menschen »hart auf hart« kam.
Der Cromagnonmensch, also der eigentliche moderne Homo sapiens sapiens, entstand genau in jener Phase, in der die Eismassen auf dem europäischen Kontinent vorrückten – eine Klimakatastrophe! Die Cromagnons setzten sich in diesem Umfeld mit Intelligenz, Kooperation und neuen Techniken gegen ihre Vettern, die Neandertaler, durch, sie trotzten der Kälte mit neuen Jagdtechniken und einer konsequenteren Domestizierung des Feuers. Auch der Ötzi, der Eiszeitmensch aus dem Gletscher, ist ein Produkt klimatischer Herausforderungen. Ötzis subtile Technologien – Mehrschichtkleidung, Messer mit Holzgriffen, Steinahlen, Bogen aus Eibenholz, Birkenpilze mit antibiotischer Wirkung – entstanden in den Zwischeneiszeiten vor 8000 Jahren. Diese »klugen Überlebenden« wurden zu Pionieren der eu-ropäischen Bauernkulturen.
Umgekehrt das Beispiel des kleinwüchsigen Flores-Menschen, dessen Knochen vor kurzem in Indonesien entdeckt wurden. Er lebte über zigtausend Jahre, bevor der indonesische Vulkangraben aktiv wurde, in offenbar recht stabilen Verhältnissen. Keine Überschwemmungen, keine übermäßigen Stürme oder Trockenheiten, keine Raubtiere, auf der kleinen Insel Flores kein Territorialstreit mit Feinden; stattdessen reichlich Nahrung, Früchte, Nüsse, schmackhafte Kleintiere. Schönes Leben ohne Bedrohungen! Und die evolutionäre Konsequenz davon: ein kleines, wenig entwickeltes Hirn in der Größe einer Apfelsine.
In den Schwemmländern Mesopotamiens, Ägyptens, Chinas entstanden vor 9000 Jahren simultan die ersten agrarischen Hochkulturen. Dann, in den klimatischen Umbrüchen von 8000 und 4500 vor Christus, wurde es kälter und trockener. Hungersnöte und Kriege brachen aus, bevor sich die Bewohner wieder etwas Neues einfallen ließen. Sie entwickelten nun ausgeklügelte Formen der Bewässerung, um die sinkenden Wasserressourcen auszugleichen. Und sie wanderten nun über weite Strecken, indem sie das Pferd domestizierten.
Die Renaissance, jene frühe Blüte eines schöpferischen Menschenbilds, entstand in unmittelbarer Reaktion auf den Schwar-zen Tod. Die Pest hatte die Anzahl der Menschen in Europa in manchen Gegenden auf ein Drittel reduziert. Die norditalienischen Stadtstaaten waren plötzlich vom Nachschub billiger Arbeitskräfte (Halbsklaven) abgeschnitten, auf denen ihre Blüte basierte. Sie mussten sich technologisch und sozial etwas einfallen lassen. Und sie schufen eine der ersten Hochkulturen der Moderne.
Die außergewöhnlichen Leistungen der europäischen Juden in Kunst, Kultur, Wissenschaft usw. (ein Drittel aller Nobelpreisträger hat einen jüdischen Hintergrund) wurden lange genetisch interpretiert – entweder im rassistischen Klischee des »schlauen Juden« oder in der Bewunderung des »biblischen Geschlechts«. In Wahrheit hat die jüdische Kultur ihre Stärke immer aus den Bedrohungen generiert. Als Wüstenvolk in der Diaspora mussten sich die Israeliten schon vor Jahrtausenden »etwas einfallen lassen«; eine Geschichte, die sich in der Diskriminierung seit dem Spätmittelalter fortsetzte. Als im 19. Jahrhundert endlich gleiche Bürgerrechte für die europäischen Juden durchgesetzt wurden, drängten sie in die noch nicht völlig von den »Leitkulturen« okkupierten Berufe: Medizin, Wissenschaft, Künstlertum. Und nach dem Genozid des Zweiten Weltkriegs ging die Reise weiter: Jetzt war Überleben durch Höchstleistung angesagt, sei es in Harvard oder beim israelischen Militär.
Der Dichter Wystan Hugh Auden schrieb:
Doch Katastrophen fördern nur das Experiment
In der Regel gingen die Tauglichsten unter, doch die Unangepassten
Durch ihr Scheitern in unbesiedelte Nischen getrieben,
änderten ihre Struktur und gediehen.
Viele Durchbruchserfindungen gelangen gerade deshalb, weil katastrophales Elend Tausende von Denkern und Wissenschaftlern antrieb: So folgte die Entdeckung des Penicillins unmittelbar auf die schrecklichen Erfahrungen des Ersten Weltkriegs, in denen Millionen von Soldaten an Wundbrand und Blutvergiftungen krepiert waren.
Die technokulturelle Beschleunigungswelle der sechziger Jahre (Weltraumfahrt, Autos für alle, Rock ’n’ Roll) entstand im Spannungsbogen des Kalten Krieges und als Nachspiel des Zweiten Weltkriegs. Die Atombombe versetzte die Welt in einen Zustand des existenziellen Adrenalinrauschs – und förderte gleichzeitig die Friedens- und Diplomatiestrukturen rund um den Planeten. Der Wettlauf zum Mond war über weite Strecken ein militärisches Abenteuer, aus der Angst vor den anderen getrieben.
Sind wir also in einer »katastrophischen Falle« gefangen? Sind wir als planetare Kultur, als Spezies geradezu abhängig von Katastrophen? Wenn alle Gefahren beseitigt, alle Kriege beendet sind: Werden unsere Hirne auf Erbsengröße schrumpfen? Nun, die Menschheit hat auch immer ganz gut Friedensperioden und Epochen klimatischer Stabilität überstanden. Außerdem brauchen wir uns wegen Bedrohungsmangels wahrlich keine Sorgen zu machen. Wenn äußere Gefahren nachlassen, schaffen wir uns eben neue Katastrophen wie Beziehungskriege, Impotenz oder schlimme Pisa-Ergebnisse. Und das Universum wimmelt, wenn schon nicht von gruseligen Aliens, so doch von genügend profanen Gefahren. Strahlung, Magnetfelder, Kometen, Klimawandel – unsere kleine blaue Murmel und ihre Trabanten werden uns noch genügend Überraschungen bescheren, an denen wir unsere Hirne und Erfindungsfertigkeiten schärfen können.
- Naturkatastrophen
- Lust am Duft
- Geschichte & Politik

























