Das große Karthago führte drei Kriege. Es war noch mächtiger nach dem ersten, noch bewohnbar nach dem zweiten. Es war nicht mehr auffindbar nach dem dritten.
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Ozean
Die Aliens sind unter uns
Wissenschaftler wagen das Unmögliche und erforschen die dunklen Ozeane. Bestsellerautor Frank Schätzing (»Der Schwarm«) über ein faszinierendes Projekt – und die fantastischen Wesen, die »unter uns« im Ozean leben.
Dieser Artikel stammt aus P.M. Magazin
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Mehr als zwei Drittel der Erde sind mit Wasser bedeckt, 95 Prozent unserer gesamten Biosphäre finden sich in den Ozeanen und Meeren. Tiefe Dunkelheit und für den Menschen extrem lebensfeindliche Bedingungen haben eine systematische Erforschung dieser Welt bisher fast unmöglich gemacht. Doch nun wagen Wissenschaftler genau dieses Unmögliche. Bestsellerautor Frank Schätzing (»Der Schwarm«) schreibt hier über ein faszinierendes Projekt – und die fantastischen Wesen, die »unter uns« leben.
»Wir wissen nicht, wer da lebt«, meint Reiner Klingholz mit einem Seufzer der Resignation. Nahezu katastrophal sei es um die Kenntnis der Region bestellt, und das bisschen, was man zu wissen glaube, sei nicht hinreichend gesichert. Zusammen mit anderen Autoren hat Klingholz darum einen dicken Bericht über die desolate Situation verfasst und empfohlen, endlich Transparenz in die demoskopische Tiefsee unseres Landes zu bringen. Klingholz spricht nicht über das unentdeckte Leben in den Ozeanen. Die Rede ist von Deutschland. Der Mahner arbeitet am Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung und legt Frau Merkel eine Volkszählung nahe, um herauszufinden, was sich im Bundesbiotop so alles tummelt. Mit den vorliegenden Daten sei schon lange nichts mehr anzufangen, per se nicht mit der Ausländerstatistik.
Innenminister Schäuble gefällt das Ansinnen, die Grünen laufen sich schon mal warm für den Verfassungskampf. Wer sich der letzten großen Volkszählung entsinnt, besser gesagt des juristischen Tauziehens um den so genannten transparenten Bürger, ahnt Ärger voraus. Volkszählungen sind ein schwieriges Unterfangen. Umso mehr sollte man also jeden, der auf die Idee kommt, eine Volkszählung in der Tiefsee durchzuführen – ohne Tageslicht, Geburtsurkunden und andere erleichternde Umstände – für unzurechnungsfähig erklären und flugs einweisen lassen.
In oberflächennahen Wasserschichten mag es ja noch angehen, die Bevölkerung eines Riffs zu erfassen, wenngleich sich Korallenpolypen, Seepferdchen und Goldmakrelen weder behördlich ausweisen noch einen festen Wohnsitz mit Klingelschild vorweisen können. Unterhalb 100 Meter wird es allerdings so dunkel, dass dem armen Demografen wenig mehr bleibt, als vernehmlich »Ist da jemand?« zu rufen. Antworten dürfte er nicht erhalten. Und selbst wenn – fragen Sie mal eine Seegurke: »Wie heißt du denn?«
Genau das versuchen seit Anfang 2000 rund 1700 Wissenschaftler im Rahmen eines weltweit einzigartigen Programms mit Sitz in Washington: des »Census of Marine Life«, kurz CoML. Sie träumen von einer Datenbank, in der nicht nur jede Seegurke mit Vor- und Spitznamen verzeichnet ist, sondern überhaupt jedes Lebewesen, das H2O sein Zuhause nennt.
Kurz zur Erinnerung: Über zwei Drittel der Erdoberfläche sind von Wasser bedeckt. Vier Fünftel davon liegen unterhalb 1000 Meter und sind somit Tiefsee, in Zahlen 318 Millionen Quadratkilometer bzw. 62 Prozent der Erdoberfläche. Sämtliche Kontinente zusammengenommen sind knapp halb so groß wie dieser dunkle, kalte, unendlich ferne Bereich. Zwar finden sich 95 Prozent der gesamten Biosphäre unseres Planeten in den Ozeanen und Meeren, aber weniger als 0,1 Prozent davon wurden jemals einer näheren Betrachtung unterzogen. Hinsichtlich der systematisch untersuchten Fläche Meeresboden fällt das Ergebnis noch ernüchternder aus. All die vielen Stückchen schlammigen Grundes, die Tauchroboter und Menschen vor Ort besichtigt haben, machen zusammen gerade mal fünf Quadratkilometer aus! In Relation zum großen Ganzen sind das 0,0000016 Prozent.
Eine Volkszählung in einem Land, das keiner kennt?
Eben drum, sagen die CoML-Experten und lassen sich nicht beirren. Gegründet Mitte der 1990er Jahre auf Anregung der Alfred P. Sloane Foundation in den USA, verzeichnet das Projekt inzwischen 73 Mitgliedsstaaten. Rund eine Milliarde Dollar haben Förderer springen lassen, um Fisch- und Planktonbestände numerisch auszudrücken. Sämtliche Vertreter der Weltmeere sollen detailreich beschrieben werden. Es sind drei lapidar scheinende Fragen, die CoML bis 2010 beantworten will, aber sie klingen, als habe sich jemand kräftig an seinen Ansprüchen verschluckt: Was hat in den Meeren gelebt? Was lebt in den Meeren? Was wird in den Meeren leben?
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