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1977

Deutschland im Herbst

Dieser Artikel stammt aus P.M. HISTORY
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Wenn die Regierung sich heute gegen innere und äußere Feinde wehrt, werden Erinnerungen wach. Vor dreißig Jahren haben Geiselnehmer schon einmal versucht, den Staat in die Knie zu zwingen.

Geht das schon wieder los? So fragen sich viele, wenn sie Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern über Jungnazis und rechte Schläger hören, über extremistische Jugendclubs und Teenager, die sich mit »Heil Hitler« grüßen. Das fragt man sich auch angesichts des überraschenden Einzugs der NPD ins Stettiner Parlament. Wieder? Was heißt wieder? Die sechs Jahrzehnte einer friedlichen Bundesrepublik wurden immer wieder unterbrochen von radikalen Ausschlägen. Und so wie Amerika seinen 11. September hat, so hat die Bundesrepublik ihren »deutschen Herbst«.

Gewiss, die mörderischen Attentate vom Herbst 1977 wurden von Linksextremisten verübt – von Leuten also, die auf der ideologisch diametral entgegengesetzten Seite der heutigen Neonazis standen. Wenn man aber bedenkt, dass beide Extreme Gewalt zur Durchsetzung ihrer Ziele befürworten und die freiheitlich-demokratische Grundordnung abschaffen wollen, verwischen sich die Unterschiede.

Genau 30 Jahre ist es her, dass das stattfand, was in die Zeitgeschichte als »deutscher Herbst« eingegangen ist – ein schreckliches »Jubiläum«. Der Begriff ist insofern irreführend, weil er suggeriert, die Anschläge der Linksextremisten hätten nur im September und Oktober 1977 stattgefunden. Die beiden Monate waren zwar schmerzhafte Höhepunkte, angefangen aber hatte alles schon Jahre früher.
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Autor/in: Leo Sillner


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