Das große Karthago führte drei Kriege. Es war noch mächtiger nach dem ersten, noch bewohnbar nach dem zweiten. Es war nicht mehr auffindbar nach dem dritten.
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Autoshow Shanghai 2011
Deutsche an der Front
Die internationalen Automessen sind auch eine Leistungsshow der deutschen Automobilindustrie. Man zeigt sich und seine Produkte, gleichzeitig wird die Konkurrenz beäugt. Aus Shanghai berichtet Wolfgang Stegers
Als der König das Reich seiner Marken abgeschritten und den Marathon der Pressekonferenzen absolviert hatte, zog es ihn mit seinem Troß im Gefolge wieder auf den heimischen Stand in Halle E5 auf der Shanghaier Autoshow zurück. Hier residiert der Volkswagenkonzern mit einem Teil seiner Flotte wohlklingender Namen. Auf dem Weg dorthin strebte Konzernchef Martin Winterkorn zielstrebig auf den Stand des Mitbewerbers BMW, erspähte das neue 6er Coupé, musterte es kurz von der Seite, um sich behände auf den Fahrersitz zu schwingen.
Den Platz daneben nahm sein Forschungs- und Entwicklungschef Ulrich Hackenberg ein. Beide Granden bundesdeutscher Automobilindustrie inspizierten die Armaturentafel, beäugten die Instrumente, Schalter und Anzeigen, ließen ihre auf haptische Erlebnisse trainierten Fingerkuppen über die Materialien gleiten und Winterkorn, ganz Boss, versuchte den Wagen gar zu starten.
In diesem Moment kam der Hausherr des großflächigen Messestandes, BMW Forschungsvorstand, Klaus Dräger, mit seinem Pressesprecher herbeigeeilt und musterte mehr verdutzt als ärgerlich das Treiben der Konkurrenten. Aber man kennt sich untereinander, die Stimmung wich einer angespannten professionellen Herzlichkeit, Fragen werden beantwortet, Erklärungen gegeben und beim Weggehen ließ es sich Winterkorn auch nicht nehmen, wieder seinen kugelschreiberähnlichen Lacktester zu zücken und die Dicke zu messen.
„100 Nanometer, kein schlechter Wert“, meint er anerkennend zu Dräger, sagt die Zahl doch viel über die Qualität der Bleche und ihre Verarbeitung. Und dann die schier schon reflexhafte Bewegung mit dem Finger die Blechspalte entlang der Motorhaube abzufahren, um ihre gleichmäßig enge Passform zu kontrollieren. Das hat „Wiko“, wie der VW-Chef genannt wird, von seinem Vorgänger und jetzige Aufsichtsratschef Ferdinand Piech übernommen. Ihn hatte einst ein frecher Pressesprecher „Fugen Ferdel“ spöttisch tituliert, was Piech Anerkennung einbrachte, den Urheber aber seinen Job kostete. Kein Wunder, dass zuvor beim gleichen Test auf dem Porschestand an einem ausgestellten Boxster der Abschiedsserie „Black Edition“ Wikos Bemerkungen ernst genommen und als Anweisung betrachtet wurden.
So geht es zu im Reich von Europa größtem Automobilkonzern, der sich anschickt, zum weltgrößten zu werden und Toyota abzulösen. Der Auftritt der acht VW-Marken in Shanghai ist geprägt von diesem Willen zur Größe und es scheint – nicht zuletzt durch die tragischen Katastrophen in Japan befördert -, dass Volkswagen schon früher sein angepeiltes Ziel erreichen wird. Dazu ist China ein, wenn nicht gar der wichtigste Baustein. Hier liegen die größte Wachstumsraten, hier verkauft zum Beispiel Porsche mittlerweile mehr Autos als in Deutschland.
„Es wird nicht lange dauern“, so prophezeit der chinesische Statthalter der Marke, Helmut Bröker, “dass China die Nummer eins für Porsche wird und auch noch die USA überflügelt.“ Besonders stolz ist Bröker, dass er bereits einen der sündhaftteuren, 767 PS starken Porsche 918 Hybrid-Spyder hat verkaufen können. Werden für ihn in Deutschland 700.000 Euro aufgerufen, sind es in China 13,3888 Millionen Yuan. „Mit Zulassung und anderen Steuern sind es rund 1,5 Millionen Euro“, Bröker beeindruckt und ein wenig eitel. Mindestens 20 davon will er insgesamt verkaufen.
Aber auch für die anderen VW-Marken ist der Absatz in der Volksrepublik China in den letzten Jahren rasant gestiegen. „Entgegen allen Unkenrufen nach der Wirtschaftskrise und allen einschränkenden Zulassungsregulierungen für den Privat-Pkw wie in Peking und Shanghai zum Trotz, wächst der Absatz dramatisch. Das freut den zuständigen Manager und zweiten Mann von Audi-China, Dietmar Voggenreiter. Paradoxe Situation dabei, für Luxusanbieter wie Audi ist die Beschränkung von Vorteil, „denn unsere Kunden besitzen bereits ein Auto und kaufen das teurere“, sagt er. „Und diejenigen, die schon viel Geld für eine Berechtigung gezahlt haben, steigen dann gleich höher ein.“
So will Audi in China um bis zu 30 Prozent wachsen und seine Stellung als die Nummer 1 im Premiummarkt weiter ausbauen. Das Ziel ist ausgegeben, in den nächsten drei Jahren allein so viele Autos zu verkaufen, „wofür wir 22 Jahren gebraucht haben“, sagt Voggenreiter. Die magische Marke heißt 1 Million. Dabei soll auch der neue, in Shanghai erstmalig präsentierte kleine SUV, der Q3, einen großen Anteil haben. Allein die langen Wartezeiten und die restriktiven Zuteilungen für den größeren Q5 stimmen die Verkäufer hoffnungsfroh. In Zusammenarbeit mit dem chinesischen Partner FAB kann der Q3 auch vor Ort produziert werden.
Patrick Chou, einer der größten Autohändler mit Sitz in Peking und Chef von der BetterLife Group, klagt immer wieder über die geringe Zahl des erfolgreichen Geländewagens. „Wir könnten weit mehr Autos verkaufen, als wir erhalten“, sagt der in Mannheim aufgewachsene und in die Heimat seines Vaters zurückgewanderte millionenschwere Chinese im geschliffenen Deutsch. Neben den Produkten von Volkswagen wie Audi, VW und Porsche, verkauft der Porsche-Rennstallbesitzer für den Carrera-Asia-Cup auch noch Mercedes- und Toyota-Fahrzeuge.
Während Chou die Marke Skoda nicht mehr führt, wollen die ehrgeizigen Tschechen sich als Weltmarke präsentieren. Vor allem in den boomenden Regionen wie China, Brasilien und Indien, - hier unterhält Skoda auch eine Fabrik für den asiatischen Raum - , will die Firma mit dem grünen Pfeil im Logo sich stärker im dortigen Luxusmarkt etablieren, während sie in den „reifen“ Verkaufsregionen der Welt als die clevere, technisch hochstehende und gleichzeitig preisgünstige Alternative darstellt.
Die Sorgentochter Seat mag da nicht hinten anstehen und will auch vom großen chinesischen Automobilkuchen profitieren. Im nächsten Jahr ist der Marktstart mit dem Seat Ibiza geplant, sie Seat-Chef Erich Schmitt bekanntgab. In den kommenden Wochen sollen die Chancen in ausgewählten Städten ausgelotet werden. Auch der Messeauftritt ist Teil der Vorbereitung und dient der Marktforschung mit Publikumsbefragung. Mit den dann zu erzielenden höheren Stückzahlen aus China sollen endlich die roten Zahlen in der Bilanz der spanischen VW-Tochter verlassen werden.
Bei all den Zahlen und Zielen im großen VW-Reich bleibt für dessen Chef Martin Winterkorn der Käfer, jetzt als New Beetle auferstanden, „der Sympathieträger der Marke. Er ist und bleibt das Auto“ und knüpft in seiner neuesten Auflage an die Erfolge von VW an. Rollten 22 Millionen Käfer von den Wolfsburger Bändern in all Welt, hält der New Beetle die Tradition hoch und soll in seinem neuen Modellkleid „die Erfolgsgeschichte von VW weiterschreiben“, ganz ohne Bruch oder die geringste Fuge.
19.04.2011
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