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Holocaust

Der Weg zum Völkermord

Dieser Artikel stammt aus P.M. HISTORY
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Der Weg zum VölkermordDer Weg zum Völkermord
iStockphoto

Unter dem Titel »Die Entfesselung der ›Endlösung‹« hielt der US-Historiker Christopher Browning einen Vortrag, den wir in gekürzter Fassung hier wiedergeben. Er zeigte, wie sich während des Zweiten Weltkriegs antisemitischer Hass zum organisierten Völkermord steigerte.

Der Mord an den europäischen Juden war der schlimmste Massenmord in der Geschichte. Fünf bis sechs Millionen Menschen fielen ihm in den Jahren von 1941 bis 1945 zum Opfer. Die Täter waren Deutsche. Doch wer gab den entscheidenden Anstoß dazu? Waren es überforderte Nazi-Schergen in den besetzten Gebieten? Oder waren es doch Hitler und seine Beamten in der Berliner Zentrale, die darauf hinarbeiteten, dass man gegen die Juden in den besetzten Gebieten der Sowjetunion und in den pol-nischen Gettos immer brutaler und menschenverachtender vorging? Und wie konn-ten die Nazis so sicher sein, dass viele »normale« Deutsche – also nicht unbedingt fanatische Nazis – dabei mitmachen würden? Um diese Fragen zu beantworten, ist es wichtig zu wissen, wann genau die Entscheidung zur Vernichtung der europäischen Juden fiel.

Viele jüdische Opfer damals und viele Historiker hielten lange Zeit die Errichtung der polnischen Gettos ab 1939 für einen logischen, vorbereitenden und mit Vorbedacht unternommenen Schritt hin zur Vernichtung. Nicht jedoch die radikalen Nazis. Sie sahen in den Gettos keine Vorbereitung auf den Massenmord an den Juden – sondern eine unerwünschte Alternative zu diesem, wie ein Blick auf die Verhältnisse in Polen in den Jahren 1939/40 zeigt.

Unter den Personen, die sich um die Kontrolle über die nationalsozialistische Judenpolitik dort rissen, war vielleicht Reinhard Heydrich am wichtigsten, der Stellvertreter Heinrich Himmlers. Seine erklärte Politik war es, als Nahziel die Juden in den Städten zu sammeln, um das Endziel ihrer Vertreibung in ein Judenreservat zu erreichen. Nacheinander scheiterten jedoch mehrere Pläne der Nazis für eine »Umsiedlung«, und die örtlichen Behörden mussten allein mit der entstandenen Konzentration von Juden fertig werden. Als Übergangslösung pferchten sie diese in abgeschlossene »Wohnviertel«. Doch die Errichtung dieser abgeriegelten Gettos schnitt die Wirtschaftsbeziehungen zwischen den eingesperrten Juden und den umgebenden Gemeinden ab. Mit fatalen Folgen: In den Gettos starben immer mehr Menschen an Hunger. Seuchen breiteten sich aus. Und die örtlichen Behörden neigten stärker dazu, über andere Vorgehensweisen nachzudenken.

Einige Beamte vor Ort meinten, man solle die Juden vorsätzlich aushungern. In Lodz erklärte der stellvertretende Gettoverwalter Alexander Palfinger: »Völlig gleichgültig, um nicht zu sagen wünschenswert, ist uns das rasche Absterben der Juden ...« Daher seien die »primitivsten Voraussetzungen« zu schaffen. Und in Warschau notierte der Distriktsgouverneur mit offensichtlicher Befriedigung, die Juden würden durch Unterernährung und Verelendung verschwinden. Von der Juden-frage werde nicht mehr übrig bleiben als ein Friedhof.

Im Gegensatz dazu setzten sich andere Deutsche für eine »produktionistische« Politik ein; das heißt dafür, die jüdische Arbeitskraft auszubeuten. Sie wollten eine sich selbst tragende Gettowirtschaft schaffen. Die eingepferchten Juden sollten mindestens so viel produzieren, dass man sie ernähren konnte, ohne dass sie dem Reich zur Last fielen. In Lodz sprach sich Hans Biebow, der Leiter der Gettoverwaltung, dafür aus, »durch Arbeits-beschaffung die Selbsterhaltung der Juden zu fördern«, und ein enger Mitarbeiter von Hans Frank, dem Generalgouverneur des besetzten Polen, betont: »Ausgangspunkt für alle Maßnahmen auf wirtschaftlichem Gebiet gegenüber dem Getto sei der Gedanke gewesen, die Lebensfähigkeit der Juden zu erhalten.«

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