Diese Seite bookmarken:

Diese Seite bookmarken

Golden Twenties

Der Tanz auf dem Vulkan

Dieser Artikel stammt aus P.M. Perspektive
Hier geht's zum aktuellen Heft »

Die »Goldenen Zwanzigerjahre«, das Jahrzehnt der Lebenslust und Freizügigkeit. Jeden Abend amüsierten sich allein in Berlin 70000 Menschen in Revue-Palästen und Varietés, ignorierten Inflation und Massenarbeitslosigkeit. Warum sehnen wir uns nach dieser Zeit?

Die honorigen Gäste im pompösen Speisesaal des Berliner Hotels Adlon trauten ihren Augen nicht: Anita Berber rauschte herein, die berüchtigte Skandalnudel und Nackttänzerin! Die Haare knallrot gefärbt, das Gesicht grün geschminkt, trug sie einen kostbaren Nerzmantel und hochhackige Goldschuhe, ohne Strümpfe. Alle Anwesenden im Raum drehten sich in ihre Richtung, als sie sich mit ihren Begleitern an einen Tisch setzte.

Der Schauspieler Hubert (»Hubsi«) von Meyerinck beschrieb später, was dann geschah: »Sie nestelte an ihrem Hals – und dann fiel der Pelz. Ein allgemeiner leiser Aufschrei – da saß sie und war splitterfasernackt.« Die anderen Gäste verharrten wie erstarrt. Dann kam ein Oberkellner vorbei. »Ganz zart legte er der nackten Dame den Pelz um, und ebenso behutsam rückte er ihren Sessel zurück, damit sie aufstehen konnte.«

Die Zwanzigerjahre waren eine wilde Zeit, und Berlin war eine ihrer Metropolen. Niemals zuvor trällerten Menschen hier so viele frivole Schlagertexte, promenierten so bizarre Charaktere über die Boulevards, nahmen so viele Männer und Frauen am ausschweifenden Nachtleben teil. Es war ein verwegenes und zugleich zwiespältiges Jahrzehnt.
Noch keine Bewertungen vorhanden
Autor/in: Wolfgang Gessler


Mehr zum Thema:

Einsortiert unter:

Berlin  /  George Grosz  /  Kurt Tucholsky  /  Rudolf Caracciola  /  Zwanziger Jahre