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Leuchtfeuer des Mittelmeeres

Der Pharos von Alexandria

Dieser Artikel stammt aus P.M. HISTORY
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Der Pharos von AlexandriaDer Pharos von Alexandria

Er galt als die technische Sensation der Alten Welt: der Leuchtturm von Alexandria – der erste und beeindruckendste seiner Art. Fast 1700 Jahre lang soll der 160 Meter hohe Bau den Seeleuten den Weg gewiesen haben – bis ihn ein Erdbeben zu Fall brachte und er aus der Geschichte verschwand. P.M. HISTORY spekuliert darüber, wie der Leuchtturm wirkte, welche technischen Tricks er bereithielt – und wir befragen Forscher, die in Ägypten heute unter Wasser nach den Resten des legendären Leuchtturms suchen.

Unterwasserarchäologie ist eine Herausforderung. Beste körperliche Verfassung, Taucherfahrung, Disziplin und Ausdauer sind Grundvoraussetzung für jeden Wissenschaftler, der versucht, dem unruhigen Meer am Hafen des ägyptischen Alexandria die Zeugnisse vergangener Reiche abzuringen. Jean-Yves Empereur ist ein tauchender Archäologe. Einer von denen, die noch selbst im Neoprenanzug ins Wasser steigen. Der Direktor des Centre d’Études Alexandrines (CEA) leitet seit 1994 die Unterwassergrabungen zum Leuchtturm von Alexandria, dem siebten Weltwunder der Antike. Der Archäologe steht am Hafen und blickt auf die raue See. Er weiß, dass es heute keinen Tauchgang geben wird. Bei solchen Wellen kann unter Wasser nicht gearbeitet werden, sonst würden alle Messwerte verfälscht. Es wäre auch zu gefährlich.

An solche Verzögerungen durch den Seegang haben sich hier alle gewöhnt. Die Forscher haben den Wellen, die mit Wucht gegen das Fort Quaitbey schlagen, viel zu verdanken. Sie sind indirekt schuld daran, dass die Grabungen hier überhaupt durchgeführt werden. Fort Quaitbey ist eine Befestigungsanlage aus dem späten 15. Jahrhundert, die heute dort steht, wo sich in der Antike der weltberühmte Leuchtturm erhob. Das Fort ist seit Jahrzehnten durch die anbrandende See gefährdet. Deshalb versuchte die ägyptische Regierung, die Festungsmoschee durch Wellenbrecher aus Beton zu schützen.

Das war vor 14 Jahren. Ein aufgebrachter ägyptischer Filmemacher wollte die Wellenbrecher verhindern, weil diese direkt im Bereich des antiken Leuchtturms abgeworfen wurden. Schon damals war vermutet worden, dass das Weltwunder sich an dieser Stelle befunden hatte. Amateurtaucher holten hier schon seit den 60er-Jahren Statuenköpfe aus dem Wasser. Mitte der 70er war die UNESCO mit einer Expertise beauftragt worden und hatte auf eine rasche Untersuchung und Sicherung der antiken Überreste gedrängt. Doch ägyptische Behörden arbeiten manchmal langsam. Und so dauerte es knapp 20 Jahre, bis die Taucher des CEA ins Wasser stiegen, um die erste Unterwasserkarte des zweieinhalb Hektar großen Areals zu erstellen. Seit 1994 tauchen die französischen Archäologen in zwei Kam-pagnen pro Jahr vor der kleinen Insel, die über eine schmale Landbrücke mit dem Land verbunden ist und den Großen Hafen von Alexandria im Westen begrenzt. Die Insel heißt »Pharos« und gab dem Leuchtturm seinen Namen.

Die rund 1700 Jahre lange Geschichte des Leuchtturms ist bewegt. In Auftrag gegeben wurde er während der Herrschaft des hellenistischen Königs Ptolemaios I. Soter (um 367– 283 v. Chr.). Als König und Dynastiegründer hatte er ein großes Erbe anzutreten. Er regierte als einer der vier Diadochen. Sie beherrschten jene Nachfolgereiche, in die das Reich Alexanders des Großen aufgeteilt worden war.

Der Anlass für den Bau ist unbekannt. Man weiß aber, dass der Bau des Pharos eine Wende eingeleitet hat. Leuchttürme solcher Größe waren ungebräuchlich, man nutzte stattdessen einfache Leuchtfeuer oder kleinere Rundtürme mit Feuerbeschickung. Durch das Bauwerk von Alexandria kam diese Tradition aus der Mode, allerorten wurde das alexandrinische Vorbild kopiert – natürlich nicht in dieser Bauhöhe. Doch der Leuchtturm beeindruckte nicht allein wegen seiner Neuartigkeit.

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Autor/in: Tobias Bitterer


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