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Hintergründe

Der Papst und der Killer

Tausende Gläubige jubeln dem Heiligen Vater zu, als er im offenen Wagen über den Petersplatz fährt. Ein junger Mann zieht in unmittelbarer Nähe die Pistole und feuert. Ist es die Tat eines fanatischen Einzelgängers, oder handelt er im Auftrag östlicher Geheimdienste?

Dieser Artikel stammt aus P.M. HISTORY
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iStockphoto

Es ist Mittwoch, der 13. Mai 1981, kurz nach 17 Uhr. Papst Johannes Paul II. fährt langsam in einem offenen Wagen über den Petersplatz in Rom, auf dem sich die Gläubigen drängen. Eben hat er noch ein Kind in den Armen gehalten, als sich die Ereignisse mit einem Mal überstürzen. Ein junger Mann in der Menge zieht plötzlich eine Pistole und feuert zwei Schüsse auf das Oberhaupt der katholischen Kirche ab. Der Papst wird im Magen getroffen und bricht zusammen, doch bevor der Attentäter ein drittes Mal schießen und sein Werk vollenden kann, überwältigt ihn die wütende Menge und drückt ihn zu Boden.

Der Heilige Vater wird in aller Eile in das römische Gemelli-Krankenhaus eingeliefert, wo die Ärzte sein Leben nur noch in einer fünfstündigen Notoperation retten können. Die Pistolenkugeln hatten die Hauptschlagader buchstäblich um Haaresbreite verfehlt, und noch Jahre später wird Johannes Paul II. seiner Überzeugung Ausdruck verleihen, die Gottesmutter Maria selbst habe die Kugeln abgelenkt.

Die Welt ist geschockt. Millionen Gläubige können es nicht fassen. Das Attentat auf den Papst war nicht die erste Tragödie in diesem Jahr: Bereits am 30. März hatte Ronald Reagan, der frisch gewählte Präsident der Vereinigten Staaten, nur knapp ein Attentat überlebt, als ihn ein geistig verwirrter junger Mann niedergeschossen hatte. Und es sollte am 6. Oktober ein weiterer Anschlag folgen, bei dem Extremisten den ägyptischen Präsidenten Anwar El Sadat ermordeten. Kein Anschlag jedoch erschütterte die Weltöffentlichkeit so sehr, wie die Schüsse auf das Oberhaupt der katholischen Kirche.

Dabei hatte am Anfang nichts darauf hingedeutet, dass sich Johannes Paul II. einmal zu einem der einflussreichsten und beliebtesten Päpste der Neuzeit entwickeln sollte. Nach dem Tod von Papst Paul VI. am 6. August 1978 wählte das Konklave Johannes Paul I. in Rekordzeit von nur einem Tag zu seinem Nachfolger. Was die 111 Kardinäle damals offenbar nicht erkannten – oder zumindest nicht berücksichtigten –, war die Tatsache, dass Johannes Paul I. bereits bei seiner Wahl ein kranker Mann war. Als er nach nur 33-tägigem Pontifikat verstarb, hinterließ er den Vatikan in einer verzweifelten Suche nach einem geeigneten Nachfolger.

Im folgenden Konklave schien die Wahl eine Zeitlang auf eine Entscheidung zwischen Giuseppe Kardinal Siri, dem Erzbischof von Genua, und Giovanni Kardinal Benelli, dem Erzbischof von Florenz, hinauszulaufen. Siri hatte auch bei dem vorherigen Konklave bereits zur Wahl gestanden, doch auch dieses Mal konnte er nicht genügend Stimmen auf sich vereinigen. Am 16. Oktober 1978 wurde überraschend der Außenseiter Karol Józef Wojtyla im achten Wahlgang zum Nachfolger von Johannes Paul I. gewählt. Damit saß das erste Mal seit 455 Jahren kein Italiener auf dem Papststuhl.

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