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Hitler & Stalin

Der Pakt der Teufel

Dieser Artikel stammt aus P.M. HISTORY
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Der Pakt der TeufelDer Pakt der Teufel
iStockphoto

Am 23. August 1939 unterzeichneten Vertreter des Deutschen Reiches und der Sowjetunion einen Nichtangriffspakt. Beide Parteien hatten dabei ihre Hintergedanken: Eine Woche später marschierten die Deutschen und am 17. September die Russen in Polen ein.

Wer zwischen den Zeilen lesen konnte und entsprechend hellhörig war, ahnte schon im Frühjahr 1939 die Sensation. In einer Anweisung aus dem Propagandaministerium für die gleichgeschaltete Presse im nationalsozialistischen Deutschland hieß es am 5. Mai: »Ab sofort soll die Polemik gegen die Sowjetunion und den Bolschewismus eingestellt werden. Es hat dies (...) nichts mit dem tiefgreifenden Unterschied der Weltanschauungen zu tun. (...) Bis zu neuen Anweisungen haben jedenfalls alle scharfen Äußerungen gegen die Sowjetunion zu unterbleiben.«

Dreieinhalb Monate später, am 23. August 1939, wurde der Nichtangriffsvertrag zwischen dem Deutschen Reich und der Sowjetunion unterzeichnet. Der so genannte Hitler-Stalin-Pakt löste in der westlichen Welt helles Entsetzen aus. Nicht zu Unrecht: Das Bündnis der beiden Diktatoren machte für Hitler den Weg frei zum Angriff auf Polen – und führte damit in den Zweiten Weltkrieg.

Wie konnten sich, fragte jeder, die unversöhnlichen Todfeinde Adolf Hitler und Josef Stalin plötzlich die Hände reichen – dies zwar nicht persönlich, aber symbolisch – und ein Bündnis miteinander eingehen? Nationalsozialismus und Bolschewismus unter einem Dach, nachdem bei Auseinandersetzungen zwischen beiden Ideologien Hunderte von Menschen getötet worden waren und in den Konzentrationslagern der Nazis Tausende von Kommunisten saßen? »Eine der infamsten Handlungen dieser wenig ruhmreichen Epoche«, so William L. Shirer in seinem berühmten Buch »Aufstieg und Fall des Dritten Reiches«, hat natürlich eine Vorgeschichte.

Adolf Hitler war nach dem Münchner Abkommen 1938 und der darauffolgenden Zerschlagung der Tschechoslowakei im März 1939 auf dem Höhepunkt seiner Macht. Jetzt konnte er sich seinen wirklichen Kriegszielen widmen – der Eroberung des Ostens. Polen sollte das nächste Opfer sein. Doch so einfach, wie es dem Diktator bisher gemacht worden war, sollte es diesmal nicht sein. Denn den Polen standen mit entsprechenden Abkommen und Erklärungen im Falle eines deutschen Angriffs vor allem Großbritannien, aber auch Frankreich zur Seite. Und hinter dem Nachbarland Polen lauerte der russische Riese, dessen Reaktion auf eine militärische Intervention nicht vorhersehbar war.

Zudem gab es Gespräche zwischen Russen, Engländern und Franzosen über eine eventuelle Allianz gegen Deutschland. Diese Situation nährte Hitlers panische Angst, die ihn sein ganzes Leben lang verfolgte: die Furcht vor einem Zweifrontenkrieg. Zu frisch noch war die Erinnerung an den Ersten Weltkrieg (nicht nur Hitlers, viele Deutsche teilten sie), bei dem vor allem der gleichzeitige Kampf an mehreren Kriegsschauplätzen zur Zermürbung der Soldaten und letztlich zur Niederlage geführt hatte.

Der stets misstrauische Stalin wiederum glaubte sich in eine Intrige der Westmächte verwickelt. Diese, so seine Meinung, würden sich nach einem deutschen Überfall auf Polen zurückhalten, und die Sowjetunion müsste dann bei einer logisch sich ergebenden Auseinandersetzung mit Deutschland die Hauptlast des Krieges tragen. Dass es in naher Zukunft zu einem »Showdown« mit den Nazis kommen würde – das wusste Stalin. Allerdings war die Sowjetunion zu dieser Zeit keineswegs für einen Krieg gerüstet. Es fehlten Waffen – und vor allem Führungspersönlichkeiten. Letztere, fast die Hälfte der Generale und leitenden Militärs, hatte Stalin in den Säuberungen Ende der 30er-Jahre aus der Roten Armee entfernen lassen. Viele von ihnen waren hingerichtet worden.

Stalin musste also Zeit gewinnen. Hitler hingegen wollte sich schnell aus der drohenden Umklammerung durch Großbritannien, Frankreich und Russland winden, zumal er sich dafür entschieden hatte, Polen gegen Ende August anzugreifen (»Fall Weiß«). Das war die Lage in der Mitte des Jahres 1939. Hinter den Kulissen begannen heftige diplomatische Aktivitäten. Engländer, Franzosen, dann aber auch nach und nach die Deutschen drückten sich in Moskau die Klinke in die Hand. Für den »schlauen Fuchs Stalin« (Hitler über seinen Rivalen) ergab sich bald folgerichtig eine Lösung: Sollten sich doch die Westmächte mit Hitler-Deutschland erst einmal die Köpfe blutig schlagen, zu gegebener Zeit würde dann die Sowjetunion, wieder militärisch erstarkt, auf den Plan treten. Dies aber setzte eine irgendwie geartete Verständigung mit den Deutschen voraus.

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Autor/in: Herbert Pahl


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