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Der neue VW-Sharan: Ein Familien-Van wird aufgemöbelt
Nein, der Familien-Van VW-Sharan wird nicht allein von gefrusteten Sportwagenfahrern pilotiert, die ihre neue Rolle zwischen Vatersein und Wegwerf-Windel endgültig noch nicht justiert haben. Auch sind es nicht nur beleidigte Vertreter, die sich als Opfer der neuen Dienstwagen-Richtlinie fühlen und bescheidener aufzutreten haben. Es gibt auch Sharan-Fahrer, die sich mit dem Raummobil wohlfühlen, nie daran denken möchten einen T5 oder Caddy, wahlweise Touran zu bewegen, geschweige denn einen Kombi. Wer sich für solch einen Minivan entschieden hat, will das große Raumangebot nutzen und genießen. Mal sollen auch die sieben Sitze belegt werden, dann ist es die Flexibilität der Bestuhlung oder die umfangreiche Motorisierung, die der Großraumlimousine viele Freunde gebracht hatte.
Im biblischen Alter von 15 Jahren ist jetzt das dienstälteste Modell aus dem VW-Konzern in den Ruhestand gegangen und hat als Goldesel dem Konzern viel Freude gemacht. Anfangs sah es danach überhaupt nicht so aus. Kritiker lästerten über das Zuspätkommen auf diesem neuen Markt der Vans in Deutschland, ein angebliches Manko, das für VW aber nie zählte. Auch mit dem Touran, dem Toaureg oder Tiguan haben sie eindrucksvoll bewiesen, dass man nicht bestraft wird, im Gegenteil leichter zum Marktführer avancieren kann, wenn die Pioniere mit ihrer Peilung, den Weg schon frei gemacht haben. War der Sharan erster Generation anfangs noch eine Zusammenarbeit mit Ford und dem baugleichen Modell Galaxy, so wurde sie nach dem Facelift eingestellt. Der konzerneigene Alhambra der spanischen Seattochter blieb und bleibt im Pogramm.
Der vollkommen neu konstruierte Sharan 2010 steht auf der Basis des Tiguan, hat dadurch den zu großen Wendekreis ererbt und besitzt zum Glück nun endlich die immer vermissten Schiebetüren. Und natürlich sind sie auch gegen Aufpreis elektrisch zu betätigen. Dadurch mindern sich die Schließgeräusche erheblich. Die breiten Öffnungen zu beiden Seiten erleichtern Ein- wie Ausstieg erheblich, sind auch in engen Parklücken zu bedienen und sicherer, wenn der Verkehr vorbeirauscht.
Daneben ist auch die Sitzanlage auf Höhe der Zeit angekommen. Sie lässt sich mittlerweile zigfach so klappen, verschieben und falten, dass nahezu jede Raumaufteilung möglich wird. Als Fünfsitzer entstehen 880 Liter Gepäckvolumen oder gar 1340 bzw 2500, wenn bis zum Dach geladen und die Rückbank verklappt ist. Früher war dies nur zum Teil mit umständlichem Ausbau des an Kilos schweren wie schwer verstaubaren Gestühls á la Ikea-Heimwerker-Ausbildung zu schaffen. Der Nachteil ist aber, der hintere Ladeteil kann nicht als gänzlich ebene und tiefe Fläche verwendet werden.
Gewachsen ist der Wagen auch und misst jetzt 4,85 Meter, musste aber gleichzeitig 30 Kilo abspecken. Den Motoren wurde der Durst gezügelt und mit der Start-Stopp-Automatik lassen sich vor allem im Stadtverkehr die Trinkgewohnheiten der Diesel- wie vor allem der Benzinmotoren um einen kleinen, zweistelligen Prozentsatz reduzieren. Wenn dann der kleine Diesel bei 140 PS sich mit unter 6 Liter Diesel begnügt, steigt die Reichweite auf theoretische 1300 Kilometer. Das Angebot der Motoren ist reichlich und speist sich aus den Konzernregalen. Die Zweiliter-Benzinmotoren mit der Turboaufladung sind ebenso eine gute Wahl, wie die bekannten TDI-Dieseldirekteinspritzer. Von Hand zu schaltendes Sechsganggetriebe konkurriert gegen das treffliche Doppelkupplungsgetriebe – wobei dies mit seinem 2050 Euro Aufpreis in der Regel nur in den leistungsstärkeren Varianten zu bestellen wäre.
Eine Großraumlimousine ist kein Laster und bietet daher, um diesem Anspruch gerecht zu werden, alle jene Assistenz- und Helfersysteme an, die Golf, Passat und Co auszeichnet. An erster Stelle ist die automatische Parkhilfe zu nennen, ein 800 Euro teurer Diener, der das Einparken übernimmt. Lediglich das Gas- und Bremspedal müssen noch zartfühlend bedient werden, das Lenken darf man anderen überlassen. Daneben unterstützen Videoaugen und Sensoren das Fahren und diverse Manöver, wenn die Spur gewechselt wird, aufgeblendetes Fernlicht die Straße frei macht oder die volle Zuladung nach härteren Dämpfern verlangt.
Bei den Preis halten es die Wolfsburger ähnlich wie deren Techniker mit dem Kraftstoffverbrauch: Alles ist möglich. Beträgt die Einstiegssumme knapp 29 000 Euro lässt sie sich fast verdoppeln, wenn die stärkste Motorenvariante gewählt wurde und in der Aufpreisliste kein Detail ausgelassen wurde. Wer das den ersten Kunden vor 15 Jahren gesagt hätte, ihr Sharan würde mal mehr als 100 000 D-Mark kosten, dieser Vater wäre sicherlich vom Glauben an den Familien-Van abgefallen und weiterhin Sportwagen gefahren.
13.07.2010























