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Der neue GT2 RS: Porsches schnellster 200km/h-Sprinter für die Straße (II)
In unter zehn Sekunden, genau laut Angabe des Sportwagenherstellers Porsche in 9,8, sprintet der GT2 RS von null auf Tempo 200. Damit ist der Elfer der schnellste und stärkste Zuffenhausener mit Straßenzulassung. Selbst der legendäre Carrera GT kann da nicht mithalten. Obwohl mit einem Zehnzylindermotor und 5,7 Litern Hubraum ausgestattet, muss der zweisitzige Roadster mit dem Targadach dem neuen GT2 RS vorlassen. Der doppelt aufgeladene schöpft aus 3,6 Litern Hubraum 620 PS (456 kW) und damit acht mehr als der Karbonracer aus den Jahren 2003 bis 2006.
War der Carrera GT als Le Mans Prototyp geplant und dann in einer Stückzahl von knapp über tausend in Leipzig produziert und für 450 000 € verkauft worden, muss sich der Sportwagenhersteller um den Absatz der 500 GT2 RS nicht sorgen. Sie sind nahezu ausverkauft. Neben dem unterschiedlichen Motorenkonzept – da ein Zehnzylindersauger mit 5,7 l dort ein 3,6 l Biturbo, ist das Gewicht der beiden Supersportwagen ausgeglichen. Der Carrera GT in der klassischen Monocoque-Auslegung vollständig aus CFK gebaut, wiegt mit 1,380 Tonnen um zehn Kilo mehr, als der 1,370 t „leichtere“ Neunelfer.
Um diesen Wert zu erreichen, waren die Anstrengungen für Andreas Preuninger und sein Team gewaltig. Aus der vollverzinkten Stahlkarosserie des 997, dem aktuellen Elfer, mussten scheibchenweise die Kilos herausgeschnitten werden. So wird die Fronthaube für den Kofferraum aus CFK gefertigt, die vorderen Kotflügel aus Kunststoff, die beiden Türen aus Aluminium. Die Lufteinlässe sind ebenso wie der im Vergleich zum GT3 RS eher dezente und beim Blick durch den Innenrückspiegel weniger störende Heckspoiler aus Karbon. Zusätzlich zur Heckscheibe sind beim GT2 RS auch die beiden festen Seitenscheiben aus Kunststoff.
„Wir konnten den Innenraum nicht radikasl ausräumen“, sagt Preuninger, „denn der GT2 RS soll ja kein reinrassiger Rennwagen werden, sondern einer, der auch im Alltag auf öffentlichen Straßen sicher und komfortable bewegt werden kann.“ So wurde eher mit dem feinen Skalpell gearbeitet, um in mühevoller Handarbeit dämmende Schaummatten so zurechtzuschneiden, dass sie ihrer Funktion noch gerecht aber dennoch leichter wurden. „Wir haben uns jedes Teil angesehen und daraufhin untersucht, wo wir einige Gramm einsparen können.“
Bei aller „Entrümpelung“ bietet der Wagen einen erheblichen Fahrkomfort. Kein Vibrieren des Bodenblechs, keine Anregungsfrequenzen im Lenkrad oder Schalthebel. Ist der Wagen noch kalt, verlangen die Gänge ein gefühlvolles und präzises Einlegen durch die Seilzugschaltung in ihrer verkürzten Variante. Später flutscht es dann. Auch der Mororenlärm hält sich dezent zurück. Das ist zum einem den Turbolader geschuldet, zum anderen wollte Porsche auch keine Krawallschachtel bauen. Das zeigt schon der dezente Schriftzug GT2 RS an der Seite.
Ein Motor mit 620 PS und einem anliegenden Drehmoment von 700 Nm bei 2250 bis 5500 Touren hat natürlich Durchzugskraft übersatt und exorbitante Fahrleistungen – hier besonders in den Kurven. Vollkommen angstfrei können hier Geschwindigkeiten erzielt werden und sich g-Kräfte aufbauen, die reinrassige Rennwagen auszeichnet. Der Fahrer empfindet dies noch als angenehm. Der Wagen fährt sich ausgeglichen und sein Fahrwerk ist frei von Überraschungen, von zielgenauer Lenkung geführt.
„Wir haben besonders darauf geachtet, möglichst viel Gummi aus dem Fahrwerk zu nehmen“, sagt Preuninger und meint damit, dass die Elastomere mit ihrer abfedernden Art oft Schwächen des Fahrwerks kaschieren, wo eigentlich Präzision gefragt ist. Das spürt der Fahrer und daher fühlt er sich in dem Auto so wohl – in einem Supersportwagen, geborgen wie in Abrahams Schoß. Solche Autos sind extrem rar.
24.07.2010























