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Gesellschaft

Der lange Arm des Vatikans

Dieser Artikel stammt aus P.M. Perspektive
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Die Zeiten sind lange vorbei, in denen der Papst weltliche Machtpolitik betreiben konnte. Oder doch nicht? Er erhebt weiterhin den Anspruch, die gesellschaftlichen Verhältnisse in katholisch geprägten Ländern mitzugestalten. In Moraldebatten verbreitet auch sein geistliches »Personal« von Priestern und Ordensleuten die kirchliche Meinung – und ist in unserem Alltag präsent.

Wie weit reicht die Macht des Papstes? Bei weltlichen Herrschern wird vor kriegerischen Auseinandersetzungen gern verglichen, wer mehr Truppen auf die Beine stellt, wie viel schwere Waffen, Flugzeuge und Panzer ins Feld geführt werden. Unter diesem Aspekt war der Kampf der USA gegen Saddam Hussein schon vor dem ersten Schuss entschieden. Zu groß war die US-Übermacht. Aber der Papst? Sein Sitz auf 440000 Quadratmetern am Ufer des Tibers, sein Etat von rund 270 Millionen Euro jährlich, seine Armee eine Hundertschaft von Gardisten, deren Uniform an die Tracht der Landsknechte erinnert …

Doch der Mann mit den roten Schuhen hat vielleicht die größte Macht auf der Erde. Über 1,3 Milliarden Menschen bekennen sich weltweit zum katholischen Glauben, das sind 17,2 Prozent der Menschheit. In Ländern wie Polen sind 95 Prozent katholisch, in Österreich immerhin noch 45 Prozent. Egal ob in Vietnam, im Kongo oder in Mexiko: Die katholische Kirche gibt den Takt des Lebens vor. Fest- und Feiertage, Taufe, Beerdigung, Heirat und Erziehung – es gibt praktisch keinen Bereich, der nicht genau von der Kirche geregelt wird.

Das geweihte Personal dazu zählt Hunderttausende. In der katholischen Hierarchie verfügt der Papst über 4898 Bischöfe, 407262 Priester (davon 136717 Ordenspriester) und 753400 Ordensfrauen. Dazu kommen 1,2 Millionen Angestellte, die die katholische Kirche zu einem der größten Arbeitgeber weltweit machen.
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Autor/in: Michael Seewald


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