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Geschichte & Religion
Der dramatische Weg zur Weltreligion
Es sieht nicht gut aus für die Christen in den ersten beiden Jahrhunderten. Sie werden verspottet und drangsaliert. Schlimmer noch: Sie sind untereinander heillos zerstritten. Doch dann führen überraschende Ereignisse und neue Ideen das junge Christentum zum Triumph. Ein dramatischer Weg und seine Geschichte.
Dieser Artikel stammt aus P.M. Magazin
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Der Mann ist aufs Äußerste gereizt. Diese Christen mit ihrem »perversen, maßlosen Aberglauben« gehen ihm zunehmend auf die Nerven. Deshalb schreibt er im Sommer des Jahres 112 einen Brief an Kaiser Trajan, mit der Bitte um Anweisungen, wie er mit diesen Leuten verfahren soll. Der Mann heißt Plinius, ist römischer Statthalter in Bithynien am Schwarzen Meer und wartet nun ungeduldig auf Antwort ...
Nutzen wir die Zeit für einen Rückblick: Nach dem Tod Jesu (etwa im Jahr 30) scharen sich seine Anhänger um den galiläischen Fischer Petrus, später übernimmt Jakobus, der Bruder von Jesus, die Führung. Aber schon bald bilden sich zwei Parteien: Die »Hebräer« fordern, dass Mitglieder der christlichen Gemeinde zunächst zum Judentum übertreten müssen. Die »Griechen« halten diesen Umweg für unnötig. Ihr prominentester Sprecher ist Paulus von Tarsus. Die Spannungen zwischen den Parteien werden immer größer. Die Gemeinden der »griechischen Partei« sind zwar verstreut im Römischen Reich, trotzdem bleibt Jerusalem Zentrum des neuen Glaubens.
Dann geschieht eine Katastrophe, die eine völlig neue Wendung bringt. Die Juden erheben sich gegen die römischen Besatzer, ein mörderischer Krieg beginnt. Am Ende, im Jahr 70, erobern die Römer nach einem brutalen Straßenkampf Jerusalem. Die Bürger werden zu Tausenden in die Sklaverei verkauft oder verjagt. Die Stadt wird dem Erdboden gleichgemacht, der Tempel ist nur noch ein rauchender Trümmerhaufen.
Es ist ein Schicksalsjahr, nicht nur für die Juden, sondern auch für die Christen. Beide verlieren mit der Zerstörung der Stadt und des Tempels ihren Mittelpunkt. Für die »Hebräer«, die am Judentum festhalten, ist es der Untergang; sie versinken in die Bedeutungslosigkeit.
Die »Griechen« können den Verlust des Tempels besser verkraften. Paulus hat ihnen immer wieder gesagt, dass sie einen Tempel aus Stein gar nicht brauchen. Der wahre Tempel des Herrn sei der Leib eines jeden Christen – ein ganz neuer Gedanke, der sich nun durchsetzt.
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