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Schlachten
Das Wunder von Bannockburn
Mit 5000 Mann treten die Schotten im Jahr 1314 gegen eine Übermacht von 24000 englischen Soldaten an. Sie kämpfen für ihre Freiheit.
Dieser Artikel stammt aus P.M. HISTORY
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Manche Schlachten scheinen bereits verloren, bevor sie überhaupt begonnen haben. Am 23. Juni des Jahres 1314 wollen die Schotten die Engländer endgültig aus ihrem Land vertreiben. Bei einem vorangegangenen Gefecht haben die Schotten einem gefangenen englischen Heerführer noch auf dem Schlachtfeld bei lebendigem Leib die Haut abgezogen und sie als Trophäe untereinander verteilt. Mit gleicher Erbarmungslosigkeit werden die beiden Parteien auch diesmal wieder aufeinandertreffen.
Robert the Bruce (1274–1329), der König der Schotten, hat vor den Toren des von Engländern gehaltenen Stirling Castle seine Truppen gegen das Heer von König Edward II. (1284–1327) versammelt. Dann passiert es. Robert reitet die Front seiner Soldaten ab und entfernt sich dabei ein Stück weit von seinen Kriegern. Etwas zu weit. Und das bemerkt einer der englischen Ritter. Er gibt seinem Pferd die Sporen und jagt auf den schottischen König zu. Schwer gerüstete Ritter auf ihren mächtigen Schlachtrössern sind die wirksamsten Waffen der damaligen Zeit – die Panzer des Mittelalters. Eine Schlachtreihe dieser Berufskrieger kann eine ganze Kompanie Fußsoldaten in einem einzigen Ansturm niedermachen.
Wie eine entfesselte Heimsuchung donnert der Ritter Henry de Bohun auf den König zu, um höchsten Kriegsruhm zu erringen. Wenn er den obersten Feldherrn der Schotten tötet, sind diese führerlos. Er legt die Lanze an. Und Robert hat keine Chance. Er trägt keinen Helm, keinen Brustharnisch und kein Schild. Nur seine Streitaxt hält er in der Hand. Regungslos und wie in sein Schicksal ergeben blickt der König dem heranstürmenden Ritter entgegen. Sein graues Highland-Pony wirkt winzig vor dem riesigen Schlachtross. Die schottischen Soldaten schreien auf vor Verzweiflung. Das ist das Ende.
Der Ritter erreicht in rasendem Galopp den einsamen König. Doch der lässt in letzter Sekunde sein Pony zur Seite tänzeln, holt mit der Streitaxt aus und spaltet dem ins Leere stürmenden Ritter Helm und Schädel bis auf die Schultern. Das ist das Ende von Henry de Bohun. Später heißt es, dieser eine Augenblick hätte ein Zeichen für die Engländer sein und König Edward II. zum Rückzug bewegen sollen. Aber an diesem Tag gibt es keinen Grund dafür. Das englische Heer besteht aus mindestens 24000 Soldaten und ist zahlenmäßig den Schotten um ein Vier- bis Fünffaches überlegen. Auf Seiten der Engländer stehen über 2000 Panzerreiter, die Schotten haben nur 500 leichtbewaffnete Reiter.
So kommt es zur Schlacht, einer der größten, die je auf den Britischen Inseln ausgetragen wurde. Und weil sie in der Biegung eines kleinen Flusses namens Bannock stattfindet, geht sie als die »Schlacht von Bannockburn« in die Geschichte ein, denn »kleiner Fluss« heißt auf Schottisch »burn«.
Aus dem Streit um eine Burg wird eine riesige Schlacht
Der Anlass? Seit fast einem Jahr belagern die Schotten unter Edward the Bruce, dem Bruder des schottischen Königs, das von den Engländern gehaltene Stirling Castle. Dies gilt als die strategisch wichtigste Festung in Zentralschottland, denn sie kontrolliert die Straße nach Norden und in die Highlands. Doch vor Stirling Castle ist ein Patt entstanden: Die Schotten können die Burg nicht erobern, wollen aber die Belagerung nicht abbrechen. So handeln beide Parteien einen kühnen Deal aus: Sollten die Schotten bis zum Mittsommertag 1314 die Belagerung aufrechterhalten, werden die Engländer Stirling Castle kampflos räumen. Allen ist klar, dass der englische König dies niemals zulassen wird.
Doch Edward II. schickt nicht einfach einen Feldherrn, um die Burg freizukämpfen, er kommt selbst – mit dem größten Heer seiner Zeit, um Schottland bei dieser Gelegenheit militärisch zu vernichten und endlich zu beherrschen. König Robert mit seinen gerade einmal 4000 leicht bewaffneten Fußsoldaten und 500 Reitern hat allerdings zwei unschätzbare Vorteile auf seiner Seite: Er hatte Zeit, seine Truppen auf den Angriff der Engländer vorzubereiten. Und er war als Erster vor Ort, konnte mit seinen Soldaten die besten Positionen besetzen und das Gelände, über das die Engländer angreifen würden, mit Hunderten getarnten Stolpergruben und spitzen Eisendornen schwer passierbar machen.
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