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China
Das Volk der fliegenden Wagen
Dieser Artikel stammt aus P.M. Magazin
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Haben die Chinesen schon vor 4000 Jahren eine Art von Flugzeug erfunden? Vielleicht einen fliegenden Ballon oder so etwas wie einen Zeppelin?
Die Weite des Himmels scheint die Menschheit schon immer fasziniert zu haben. Mythen sprechen von feurigen Fluggeräten im Besitz der Götter, von fremden Wesen, die aus den Wolken gekommen sind. Doch es existieren auch Berichte über irdische Völker, die des Fliegens mächtig gewesen sein sollen. Alles nur Fantasie?
Eines dieser fliegenden Völker soll vor 3700 Jahren in China gelebt haben: die Tschi-kung. Und sie sollen nicht nur Fluggeräte besessen, sondern sich angeblich auch durch eine Absonderlichkeit ausgezeichnet haben: Sie waren einarmig. Informationen über dieses Volk verdanken wir dem deutschen Arzt Professor Dr. Fuchs (Vorname unbekannt), der sich während des Zweiten Weltkriegs in China aufhielt: »Aus altchinesischen Werken erfährt man, dass vor etwa 3700 Jahren in China Windwagen fuhren. Vom Tschi-kung-Volk, dem Volk der Einarmigen, scheint diese Erfindung zu kommen … ›Unter den Beherrschern der achtzehnhundert Völker … kam das Tschi-kung-Volk in fliegenden Wagen‹.« Wohlgemerkt: Die Quelle spricht vom Jahr 1766 vor Christus.
Eine politische Versammlung war anberaumt, und die Vertreter der Tschi-kung kamen mit einem Luftfahrzeug angereist: »Zur Zeit T’angs brachte Westwind einen solchen Wagen bis Jütschau, worauf ihn T’ang zerbrach, weil er nicht wünschte, dass sein Volk ihn sähe. Zehn Jahre später war Ostwind, dann ließ T’ang einen anderen Wagen anfertigen und sandte seine Besucher in ihr eigenes Land zurück, das 40 000 Li (= 20 921 Kilometer) vom Jü-men-Pass entfernt war ... In verschiedenen anderen altchinesischen Werken finden sich auch Stellen über ›fliegende Wagen‹ oder ›Wagen aus Federn, die vom Winde getrieben werden‹.«
Mit anderen Worten: Das Volk der fliegenden Wagen soll aus dem Westen stammen und 21 000 Kilometer von China entfernt wohnen. Dies entspricht mehr als dem halben Erdumfang. Da in den Quellen von Winden und Federn die Rede ist, ließe sich unter Umständen vermuten, dass es sich um eine Art Ballon gehandelt haben könnte.
Doch das, was Dr. Fuchs über das Volk der Tschi-kung aufgezeichnet hat, ist nur eine Quelle. Auch die altchinesische Schrift Po-wü-tschi (3. Jh.) erwähnt das fliegende Volk. Dort heißt es, vor 2000 Jahren (also etwa um 1700 vor Christus) sei es im Besitz von »Segelwagen« gewesen, die bei günstigen Windverhältnissen unglaublich weite Strecken am Himmel zurücklegen konnten.
Das Ku yü t’u, eine Schrift aus dem Jahre 1341, kennt dieses Volk mit den Wolkenwagen ebenfalls: »Vor alter Zeit unter Kaiser Tscheng (von der Tschou-Dynastie, 1115–1077 vor Christus) schickte das Land der Einarmigen Gesandte mit Tributgeschenken. Sie saßen auf einem Wagen aus Federn, der vom Winde getrieben wurde … Der Herzog von Tschou fürchtete, dass das seltsame Kunstwerk seine Bevölkerung aufregen könne, und ließ daher die Wagen zerstören.« Sie und ihre wahrscheinlich recht simpel konstruierten fliegenden Fortbewegungsmittel müssen den Herzog und sein Gefolge in Angst und Schrecken versetzt haben. Warum sonst hätten sie die Wagen zerstören sollen?
Uneingeschränkten Respekt zollte der chinesische Dichter Kuo-P’o (270–324) dem fliegenden Volk: »Bewundernswert sind die geschickten Arbeiten des Tschi-kung-Volkes. In Verbindung mit dem Winde strengten sie ihr Hirn an und erfanden einen fliegenden Wagen, der steigend und sinkend, je nach dem Wege, sie als Gäste zum Kaiser T’ang brachte.« Dürfen wir aus dieser Beschreibung schließen, dass bereits vor 4000 Jahren eine Art Flugzeug erfunden wurde? Wenn kein fliegender Ballon, dann vielleicht so etwas wie ein Zeppelin?
Was wissen wir anhand der Quellen sonst noch über die Tschi-kung? Dass sie oft die »Einarmigen« genannt wurden. Und dass sie – von China aus betrachtet – aus dem Westen gekommen sein sollen. Auch im südlichen Europa weiß man von einem Volk, das sich durch zwei besondere Eigenschaften auszeichnete: Sie sollen nur einen Arm besessen haben und – Fluggeräte!
Legenden aus den Dolomiten berichten von einem Gebirgsvolk mit Namen Fànis. Dem Archäologen Georg Innerebner aus Bozen (1893–1974) gelang es 1953 tatsächlich, Spuren einer uralten Kultur in dieser Region nachzuweisen: den »Fànis-Alpen«. Die Fànis hatten auch Verbündete. Diese besaßen angeblich nur einen Arm und lebten »auf einer fernen Insel«. Immer wieder ist davon die Rede, dass diese Einarmigen fliegen konnten und dem Volk der Fànis aus der Luft zu Hilfe kamen. Schriftlich niedergelegt sind diese Überlieferungen zum Beispiel in den Dolomitensagen des Heimatforschers Karl Felix Wolff (1879–1966). Es heißt dort: »Bei Sonnenuntergang erschienen dann plötzlich die Einarmigen; in Adlerkleidern kamen sie aus den Lüften herab … und stürzten sich auf die Feinde der Fànis.«
In der Region Valcamonica, 150 Kilometer südwestlich des einstigen Reiches der Fànis am Fluss Oglio gelegen, hat man im vergangenen Jahrhundert Erstaunliches entdeckt: Hunderttausende von Felszeichnungen zieren das Tal. Ein wahres Eldorado für Altertumswissenschaftler und seit 1979 Weltkulturerbe der UNESCO. Vor allem dem Archäologen Emmanuel Anati ist es zu verdanken, dass diese Petroglyphen heute systematisch erfasst sind. Ein Umstand ist in unserem Zusammenhang besonders interessant: dass die Männer, die aus den dargestellten kriegerischen Auseinandersetzungen siegreich hervorgingen, nur einen Arm hatten. Sollte es sich bei ihnen um Angehörige des sagenumwobenen fliegenden Volkes handeln?
Die Ähnlichkeiten mit den Berichten aus dem Alten China sind verblüffend. Doch letztlich wird es weiteren Forschungen vorbehalten bleiben zu verifizieren, ob es je ein Volk einarmiger Männer gab, die mit selbst gebauten Flugwagen unterwegs waren. Sei es in Asien oder auf unserem Kontinent.
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