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Kultur & Gesellschaft

Das Sprichwort: »Jung gefreit hat nie gereut!« Stimmt das?

Dieser Artikel stammt aus P.M. Fragen & Antworten
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Das Sprichwort -  »Jung gefreit hat nie gereut!« Stimmt das?Das Sprichwort -  »Jung gefreit hat nie gereut!« Stimmt das?
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Wir fragten Professor Dr. Michael Wagner, Direktor des Forschungsinstituts für Soziologie der Universität Köln. Er hat untersucht, welche Faktoren dazu beitragen, dass Ehen früh zerbrechen oder aber besonders stabil sind.

P.M. F&A: Das Sprichwort »Jung gefreit hat nie gereut« – wie viel hat es mit der aktuellen Realität zu tun?

Prof. Wagner: Sehr wenig. Man kann sogar sagen, dass das Sprichwort der Wirklichkeit widerspricht. Die Scheidungsforschung hat nämlich eindeutig ergeben, dass das Scheidungsrisiko bei Jungvermählten besonders hoch ist. In der Forschung haben wir dieses Phänomen schon seit Jahren auch international beobachten können.

F&A: Welches ist dann das beste Alter zum Heiraten?

Prof. Wagner: Ein optimales Heiratsalter gibt es so nicht, das hängt natürlich von den persönlichen Lebensumständen ab. Trotzdem lässt sich feststellen: Je älter die Partner beim Ja-Wort sind, desto geringer das Scheidungsrisiko. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Ehe geschieden wird, sinkt mit jedem Lebensjahr.

F&A: Demnach müsste es eher heißen »Spät gefreit hat nie gereut«! Gibt es noch andere Faktoren, die die Haltbarkeit einer Ehe positiv beeinflussen?

Prof. Wagner: Ja, Paare mit Kindern trennen sich seltener als Kinderlose, solche aus ländlichen Regionen seltener als Städter, und Katholiken und Eigenheimbesitzer führen meistens ebenfalls stabilere Ehen. Stabiler heißt natürlich nicht unbedingt glücklicher.

F&A: Was ist der Grund dafür, dass die Ehen der Junggefreiten schneller zerbrechen?

Prof. Wagner: Wer mit 18 heiratet, kennt den Partner meist noch nicht so lange. Wenn diese Paare sich dann in die Ehe stürzen, sind sie oft ganz überrascht, wie der Partner tatsächlich ist. Ein weiterer Grund ist, dass sich junge Männer und Frauen, gerade zwischen 18 und Anfang zwanzig, in der Regel stark weiterentwickeln – sowohl persönlich als auch beruflich. Da kann es passieren, dass diese Entwicklung bei den Partnern in völlig verschiedene Richtungen verläuft. Und nicht zu vergessen: Junge Paare sind meist noch nicht ökonomisch abgesichert – Geldprobleme können eine Ehe belasten.

F&A: Wird heutzutage überhaupt noch jung gefreit?

Prof. Wagner: Selten. Das Durchschnittsalter liegt um die dreißig, wobei Männer später heiraten als Frauen. Anders als früher müssen Paare heute ja nicht mehr ihre Heiratsurkunde vorzeigen, wenn sie gemeinsam eine Wohnung mieten wollen.

F&A: Wenn es so gar nicht stimmt, woher kommt dann das Sprichwort überhaupt?

Prof. Wagner: Möglicherweise stammt es aus einer Zeit, als man mit dreißig oder vierzig Jahren schon als alt galt. Da war es wichtig, früh zu heiraten, um möglichst viele Kinder zu bekommen, die einen später versorgen konnten.

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