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Religion
Das Grabtuch von Turin
Das Grabtuch von Turin, 4,36 Meter lang, 1,10 Meter breit, einem langen und schmalen Tischtuch vergleichbar, ist wohl der geheimnisvollste Stoff, der die Gemüter seit langer Zeit erhitzt. Aber was ist dieses Tuch - die größte Reliquie der Christenheit oder der größte Schwindel?
Vermutlich seit Beginn des 16. Jahrhunderts liegt es in einem Schrein im italienischen Dom von Turin und wird der Öffentlichkeit nur alle dreißig Jahre gezeigt. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts, im Zuge der sich ständig verbessernden Fototechnik, weiß man, dass auf dem Stoff das schwache Abbild eines unbekleideten Mannes zu sehen ist - und darüber hinaus noch einiges mehr, wie bisher vorliegende Untersuchungen zeigen.
Gemeint sind Blutflecken entlang des Körpers, welche sich zum einen mit den Schilderungen der neutestamentlichen Evangelien decken, zum anderen - gemäß neuzeitlicher Ergebnisse modernster Gerichtsmedizin - ausnahmslos aus vitalem Blut, d.h., aus einem intakten Blutkreislauf, entstammen.
Überstand Jesus seine Kreuzigung lebend?
Dieses für ein Leichentuch wohl recht seltsame Resultat hat zu Überraschungen und sensationellen Erkenntnissen geführt. So wertet dies Holger Kersten neben anderen hierzu passenden Indizien als den schlagenden Beweis dafür, dass Jesus die Kreuzigung überlebt habe, um dann in Indien hochbetagt zu sterben. Außer diesen, den Hieben der römischen Geißelung zugeschriebenen Verletzungen am Körper des ca. vierzigjährigen Mannes erkennt man weitere Verletzungen am Kopf - und zwar solche, die von der Dornenkrone herrühren sollen, die Jesus zur Verspottung aufgesetzt wurde. Spuren von im Orient gebräuchlichen Kräutern zur Wundbehandlung Schwerstverwundeter wie Aloe und Myrre scheinen zudem Holger Kerstens Beurteilung von der lebend überstandenen Kreuzigung Jesu zu stützen.
Die alles entscheidenden Frage ist und bleibt, wen dieses Tuch tatsächlich zeigt. Haben wir wirklich das Gesicht des Jesus von Nazareth vor uns? In diesem Fall hätten wir hiermit die wertvollste Reliquie der Christenheit, wie es z.B. vehement von Organisationen behauptet wird, die die Echtheit des Tuches beweisen wollen.
Grabtuch als Fälschung des Mittelalters
Ganz im Gegensatz dazu stehen die offiziellen Verlautbarungen der römisch-katholischen Kirche. Obwohl man vermuten sollte, dass geraden die Kirche alles daransetzen würde, um auch nur die kleinsten Chance auf die mögliche Echtheit des Tuches wahrzunehmen, hat gerade ihr Handeln zu scharfen Protesten geführt. Vor allem der vor einigen Jahren unter großem Medienrummel an renommierte Institute erteilte Auftrag, mittels C14-Datierung das Alter des Tuches bestimmen zu lassen, hat weltweit Kritik hervorgerufen.
Einer der führenden Grabtuch-Experten, der Jesuiten-Pater Prof. Werner Bulst, sprach offen von Betrug. So seien zum Beispiel die Proben der zu untersuchenden Fasern ohne Beisein der in Turin anwesenden Institutsvertretern versiegelt worden. Nun schien das Ergebnis, nach mehreren Monaten wiederum unter weltweitem Medienrummel verkündet, für eine Fälschung des Mittelalters zu sprechen. Der Stoff sei zwischen 1260 und 1390 hergestellt worden, somit sei eine Fälschung erwiesen.
Zwischen den beiden Extrempositionen schlug das Buch zweier englischer Sindonologen (Leichentuchforscher) wie eine Bombe ein. Ja, es sei eine Fälschung, sogar ein Foto, hergestellt von einem der größten Genies der Menschheit. Vorliegende und eigene Untersuchungen wiesen klar und eindeutig auf Leonardo da Vinci hin. Mit seiner Grabtuchfälschung hätte der als Großmeister der verbotenen Templer Verdächtigte auf den wahren Christus, auf den unter König Herodes geköpften Johannes den Täufer aufmerksam machen wollen. Dies ist genau das, was Täufersekten, Katharer und andere ,,Ketzer” immer behaupteten.
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