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Aufrüstung im geteilten Europa

Das Gleichgewicht des Schreckens

Dieser Artikel stammt aus P.M. HISTORY
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Schon bald nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs eskalierte der Konflikt zwischen den USA und der Sowjetunion. Die Folge war ein jahrzehntelanges Wettrüsten mit Massenver­nichtungswaffen. Die beiden deutschen Staaten standen dabei an vorderster Front.

Der September 1962 war ein »heißer« Monat. Die UdSSR ließ in Moskau verlauten, Waffen an die sozialistische Karibikinsel Kuba zu liefern, darunter Raketen, die im Ernstfall Washington erreichen konnten. US-Präsident John F. Kennedy reagierte mit einer scharfen Note, und die Sowjetunion drohte mit Krieg, sollten die USA in Kuba eingreifen. In dieser angespannten Situation rollte am 21. September in Europa die NATO-Übung Fallex 62 an. Die damals noch junge Bundeswehr war wie die anderen NATO-Streitkräfte in Alarmbereitschaft.

Ziel der Übung: Was passiert eigentlich, wenn die Sowjets den Dritten Weltkrieg mit einem Angriff auf Europa beginnen? Die Manöverstrategen ließen russische Atomraketen auf deutsche und englische Flugplätze und Stellungen der NATO abfeuern. Zwar gelang es den Russen nicht, die westlichen Atomwaffen völlig auszuschalten, aber auch der Gegenschlag der NATO konnte die sowjetischen Aggressoren nicht stoppen. So weit das Planspiel. Die schockierende Erkenntnis: »Bereits nach wenigen Tagen waren erhebliche Teile Englands und der Bundesrepublik völlig zerstört. In beiden Ländern rechnete man mit zehn bis 15 Millionen Toten.« Das schrieb das Nachrichtenmagazin »Der Spiegel« vom 10. Oktober 1962 unter dem Titel »Bedingt abwehrbereit«.

Der »Spiegel«-Bericht zeigte, dass die Bundeswehr wegen mangelhafter Ausrüstung nicht in der Lage war, das Land im »Verteidigungsfall« zu schützen. Erst am Rhein könnten die Sowjets gestoppt werden. Dass das Ganze kein kurzfristiges Gedankenspiel war, zeigt die NATO-Übung Wintex im Jahr 1989: Auch diesmal wollte man die russischen Streitkräfte durch Atombomben über der DDR, Polen, Ungarn und der Tschechoslowakei treffen. Drei Sprengsätze würden über der DDR detonieren. Sollte das die Sowjets, die in diesem Planspiel nur konventionelle Waffen einsetzten, nicht aufhalten, würden atomare Kurzstreckenraketen der NATO die umkämpfte Bundesrepublik unter Feuer nehmen.
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Autor/in: Peter Pletschacher


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