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Eiskalt erwischt

Das coole Leben in der Antarktis

Dieser Artikel stammt aus P.M. Magazin
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Das coole Leben in der AntarktisDas coole Leben in der Antarktis

Die Antarktis erscheint uns als absolut lebensfeindlich. Doch unter ihrem Eispanzer geht es höchst lebendig zu.

Ich schwimme durch einen Raum aus blauem Eis. Kristalle bedecken den Boden. Während ich über sie gleite, lösen sich einige und schweben zur Decke. Licht, das durch ein Loch in der Eisdecke fließt, füllt den Raum. Auf dem Meeresboden liegen Hunderte roter und orangefarbener Seesterne, wie Rosenblüten zwischen zersplitterten Kristallleuchtern.«

So euphorisch beschreibt der Taucher, Fotograf und Naturfilmer Norbert Wu (Bilder mit weißem Rand) seine Eindrücke von Begegnungen unter dem antarktischen Eis. Seit seinem ersten Besuch 1997 lässt ihn der eisige Kontinent nicht mehr los. Bei mehreren Expeditionen entstanden fantastische Bilder der unterseeischen Eiswelten.

Stärker wissenschaftlich orientiert ist dagegen die Mission des deutschen »Alfred-Wegener-Instituts« (AWI), die von Forschern aus 14 Nationen begleitet wird. Deren Bilder (blauer Bildrahmen) wurden mit einem ferngesteuerten Unterwasserroboter »geschossen«: Er ist auf der »Polarstern«, dem Forschungseisbrecher des AWI, stationiert und kann in für Taucher unerreichbare Tiefen (1000 Meter) gleiten. Der Robo besitzt mehrere Kameras, Unterwasserscheinwerfer sowie einen ausfahrbaren Greifarm, mit dem organisches Material eingesammelt wird.

Wichtigstes Expeditionsziel ist die Erforschung des Ökosystems unter dem erst vor drei Jahren aufgebrochenen Larsen-Schelfeis. Lebensformen und Spezies, die normalerweise in wesentlich größeren Meerestiefen leben, haben sich in diesem Gebiet vorrangig angesiedelt. Auch die Seegurke, eigentlich ein Tiefseebewohner, scheint sich in den ruhigen, flacheren Gewässern wohlzufühlen. Ganze Seegurkenherden »grasen« den Meeresboden auf der Suche nach Nahrung (meist abgestorbene Einzeller) ab. »Messungen der Umweltparameter im Sediment und im Wasser werden zur Beantwortung der Frage beitragen, warum es eine solche Ähnlichkeit zwischen der Tiefseebesiedelung und der unter dem ehemaligen Schelfeis gibt«, meint der Ozeanologe Enrique Isla.

Der Expeditionsleiter und Meeresökologe Julian Gütt prognostiziert: »Wenn wir eine Vorstellung davon haben, wie das Ökosystem unter dem Schelfeis funktioniert, können wir auch Prognosen für die Lebensvielfalt am Meeresboden bei anhaltender atmosphärischer Erwärmung wagen.« In einer Tiefe von 830 Metern fanden die Forscher mithilfe des Tauchroboters zudem noch eine kalte Quelle. Deren in völliger Dunkelheit ausgestoßenes schwefel- und methanhaltiges Wasser dient immerhin noch einigen Bakterien als Lebensgrundlage.

Die während der Mission gesammelten Daten, Proben und Tiere befinden sich nun in den Heimatinstituten der Expeditionsteilnehmer, und es wird noch viele Monate dauern, bis endgültige Analysen vorliegen.

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