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Das 8. Weltwunder: Die Prominenz
Der Zeitgeschmack hebt regelmäßig Sterne in den Himmel, Rockstars, Mode-Ikonen, Filmschauspieler, Sportskanonen. Doch oft entpuppen sich die Stars als Sternschnuppen, deren Ruhm schon nach wenigen Jahren verblasst. Ob ein Künstler in den Olymp der Unsterblichen eintreten darf, ist manchmal gar keine Frage seines Talents – sondern vielmehr nur eine Laune des Schicksals: Das Geheimnis der Prominenz.
Dieser Artikel stammt aus P.M. Perspektive
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Vom Kultfilmer Russ Meyer (»Im tiefen Tal der Superhexen«, 1979) weiß man, dass er Frauen mit großen Brüsten sehr verehrte. Für ihn war dieses körperliche Merkmal gleichbedeutend mit einem »Wunder«. Meyer war konsequent in seiner Verehrung: Fand er eine Frau, die über eine größere Oberweite verfügte als die aktuelle, verließ er die bislang Angebetete. Dieses treulose Verhalten steht sinnbildlich für das Schicksal der so genannten achten Weltwunder. Ihnen allen gemein ist die schnelle Vergänglichkeit ihres Ruhms. Ein aktueller Superlativ reicht, und schon ist das Label »achtes Weltwunder« umgehängt – und genauso schnell wieder vergessen, wenn woanders auf der Welt etwas scheinbar nie Dagewesenes die Leute zum Staunen bringt.
Brücken zum Beispiel. Das achte Weltwunder war für die Bayern des Mittelalters gleich um die Ecke. Die Steinerne Brücke über die Donau in Regensburg erhielt dieses Etikett. Ein paar Jahrhunderte später, 1883, galt die Brooklyn Bridge als achtes Weltwunder. Sie verbindet Manhattan mit Brooklyn und wurde damals erst von der Bevölkerung betreten, nachdem ein Zirkusdirektor 21 Elefanten sicher über das Stahlseil-Ungetüm geleitet hatte. Zwölf Jahre später, die Brücke war nun Teil des New Yorker Alltags, wurde die gerade erfundene Filmkunst als »achtes Weltwunder« apostrophiert. Auch sie ist heute Teil des täglichen Lebens.
Eigentlich ist die Erfindung des Films und all seiner Ableger tatsächlich jenes berühmte achte Weltwunder. Denn die Tatsache, dass sich bis heute Millionen Menschen rund um den Erdball in einen dunklen, schlecht belüfteten Raum begeben, um mit offenem Mund einer erfundenen und oft genug vorhersehbaren Handlung zu folgen und den immer gleichen Gesichtern in anderen Rollen eine Menge Geld zu bezahlen – all das ist schon ein Wunder. Seit der Erfindung des Fernsehens sind sie sogar bereit, auch noch Gebühren für die Wiederholung dieser Filme zu entrichten.
»Traumfabrik« ist der Begriff, mit dem sich Hollywood seit seiner Geburt um das Jahr 1912 schmückt. Die Fähigkeit des Menschen zu träumen, von einem besseren Leben mit Reichtum, Macht, Liebe, Sex – ein echtes Weltwunder, das Hollywood immer wieder zu bedienen verstand. Und zwar seit Charlie Chaplin als mittelloser Tramp einer blinden Freundin vorgaukelte, er sei Millionär – und nach ihrer Heilung seine Schuldigkeit getan hatte. Vielleicht wären Industrialisierung und Wirtschaftswunder niemals denkbar gewesen ohne die Bilder der Traumfabrik, ohne die kleine Flucht, die Filme auch schlecht bezahlten Industriearbeitern boten.
Und Hollywood selbst schrieb die zauberhaftesten Geschichten. Hollywood schuf zeitlose Ikonen wie Louise Brooks, die in ihren Stummfilmen einen eigenen Stil prägte und seit »Die Büchse der Pandora« 1929 mit ihrem Lulu-Look unsterblich wurde. Brooks, 1906 in Kansas in gutbürgerlichen Verhältnissen geboren, nahm ein trauriges Ende in Armut. Da fraß Hollywood eines seiner Kinder. Was so ähnlich auch für andere Ikonen gilt, die sich in unserer Vorstellungskraft ausgebreitet haben.
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