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Das »Sternenkind«
Dieser Artikel stammt aus P.M. Magazin
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Ein Grenzwissenschaftler behauptet nach der Gen-Analyse: Das »Starchild« hat eine menschliche Mutter und einen nichtmenschlichen Vater.
Ob in Ägypten, in China oder bei den mehr als 5000 Jahre alten Kulturen Südamerikas – weltweit haben Ausgrabungen menschliche Schädel zutage gefördert, die sich durch absichtlich herbeigeführte bizarre Verformungen auszeichnen. Um die Form des Kopfes beeinflussen zu können, musste der Eingriff bereits im Kleinkindalter durchgeführt werden. Also bandagierte man den Kopf oder zwängte ihn in ein gepolstertes Holzgestell und presste ihn mittels Riemen in die gewünschte Richtung.
Viele solcher Schädel aus dem alten Peru, aber auch aus Chile und Bolivien sind bis heute erhalten. Das Museo Arqueológico R. P. Gustavo Le Paige im chilenischen San Pedro de Atacama beherbergt neben anderen Fundstücken aus der Atacamawüste rund 5000 Schädel, von denen eine ganze Reihe künstlich verformt wurden. Gegründet wurde das Museum von dem belgischen Missionar Padre Gustavo Le Paige.
1975 schaffte er es sogar in die »Bild-Zeitung«. Damals hieß es, der Pater habe außerirdische Artefakte und Skelette gefunden. Unter der Überschrift »In Gräbern aus uralter Zeit: Tote von den Sternen« berichtete das Blatt unter anderem: »Der 72-jährige Missionspater hat 5424 Grabstellen von Menschen freigelegt, von denen einige nach seinen Angaben vor mehr als
100 000 Jahren gestorben sind. Einem chilenischen Reporter vertraute Padre Le Paige jetzt an: ›Ich glaube, dass in den Gräbern außerirdische Wesen mitbeerdigt wurden. Einige der Mumien, die ich fand, hatten Gesichtsformen, wie wir sie auf unserer Erde nicht kennen.‹«
»Man würde mir nicht glauben, wenn ich erzählen würde, was ich sonst noch in den Gräbern gefunden habe. Ich will darüber nicht sprechen, um die Welt nicht zu beunruhigen«, zitiert »Bild« Le Paige weiter. Damit war natürlich Spekulationen Tür und Tor geöffnet. Sicher scheint jedoch, dass der Padre deformierte Menschenschädel gefunden und sie wohl für die Köpfe von Aliens gehalten hat.
Die Frage, warum Menschen die Köpfe ihrer Kinder derart verformt haben, ist damit leider immer noch nicht geklärt. Ging es dabei tatsächlich nur um ein – weltweit verbreitetes – Schönheitsideal, wie die Archäologen sagen? Jedenfalls scheint es sich um ein uraltes Phänomen zu handeln. So hat zum Beispiel der Neandertaler bereits vor 60 000 Jahren auf dem Gebiet des heutigen Irak solche Bräuche gepflegt. Andere vermuten, die Menschen könnten versucht haben, ihr Aussehen dem der »Götter aus dem All« anzupassen. Und der Autor Antonio Bonifacio behauptet sogar, es seien Mischwesen aus Menschen und Aliens.
Allerdings gibt es einen Schädel, dessen Herkunft heftig umstritten ist. Er wurde 1930 in einer Höhle im Nordwesten Mexikos gefunden und ist rund 900 Jahre alt. Es handelt sich um den Kopf eines fünf Jahre alten Kindes (»Starchild« genannt), den der US-Grenzwissenschaftler Lloyd Pye seit 1999 untersucht. Er vermutet, »dass das ›Sternenkind‹ eine Kreuzung zwischen einem Menschen und einem Außerirdischen ist«. Pye beruft sich dabei auch auf eine DNA-Analyse von 2003. Demnach sei erwiesen, dass das Sternenkind eine menschliche Mutter hatte – doch das Erbgut des Vaters sei unbekannt.
Mir hat Pye 2008 berichtet, wie schwer es für ihn aufgrund seiner Thesen war, einen Wissenschaftler zu finden, der den Schädel untersuchen wollte. Ted J. Robinson vom Medical Council of Canada erklärte sich schließlich dazu bereit. Doch auch er sah sich vor ein Rätsel gestellt. Eine solche Kopfform und eine derartige Lage der Augenhöhlen waren ihm fremd. Ebenfalls zu denken gab Robinson der Umstand, dass die Schädelknochen des Sternenkindes nur halb so dick und schwer waren wie bei anderen Fünfjährigen. Dafür lag das Schädelvolumen mit 1600 Kubikzentimetern um ein Viertel höher als bei gleichaltrigen Durchschnittskindern. Für Pye ein weiterer Mosaikstein seiner Alien-These. Auch Ken Pye (nicht mit Lloyd verwandt) sieht in dem »Sternenkind« ein Rätsel, und er gibt sogar vorsichtig zu bedenken, dass Lloyd Pye womöglich »mit seiner außergewöhnlichen These recht behalten könnte«.
Vollkommen anderer Meinung ist der Gerichtsmediziner William Rodriguez, dem man den Schädel ebenfalls präsentierte. Er vertritt die Auffassung, die sonderbaren Deformationen seien krankheitsbedingt und ließen sich allesamt natürlich erklären. »Nichts an diesem Schädel weist meiner Meinung nach auf ein ›Starchild‹ hin. »Das ist bloß eine menschliche Anomalie, die man schon gesehen hat«, so der Wissenschaftler. Lloyd Pye weist solcherlei Erklärungsversuche rundweg von der Hand. Eine so große Vielfalt von Anomalien wie beim Sternenkind sei bisher an keinem einzigen menschlichen Schädel nachgewiesen worden.
Und die Wahrheit? Wie so viele Funde und angebliche Beweise, mit denen die »Ancient-Alien-These« aufwartet, ist auch das Starchild nach wie vor umstritten und bisher kein Beweis.
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