Diese Seite bookmarken:

Diese Seite bookmarken

Der Erleuchtete

Dalai Lama

Dieser Artikel stammt aus P.M. Biografie
Hier geht's zum aktuellen Heft »

Man hat ihm alles genommen: sein Elternhaus, seine Kindheit, und am Ende sein Land. Doch eine geheimnisvolle innere Kraft stärkte den Dalai Lama auf seinem Lebensweg vom tibetischen Bauernbuben zum weltweit verehrten Oberhaupt der Tibeter.

An einem Abend im Mai 1937 baten im Bergdorf Taktser in Tibets Nordostprovinz Amdo mehrere fremde Reiter bei dem Kleinbauern Chökyong Tsering um Nachtquartier. Die Männer waren wie Kaufleute gekleidet, doch sie waren Mönche und Regierungsbeamte aus Lhasa: Eine inkognito reisende Kommission auf der Suche nach dem heiligen Kind. Fast 2000 Kilometer waren sie geritten, drei Monate waren sie schon unterwegs. Nach dem Tod des 13. Dalai Lama hatte die Regierung die Provinzbehörden angewiesen, sich nach einem Neugeborenen mit den Körpermerkmalen des Verstorbenen umzuschauen: längliche Augen, große Ohren, Handflächen „mit Muschelmuster“, Beine „mit gestreifter Haut wie die eines Tigers“. Seither wartete ganz Tibet gespannt. Wohl jede junge Mutter eines Knaben hoffte insgeheim ... – besonders im Nordosten des Landes, wohin in Lhasa viele Zeichen gewiesen hatten: Wolkenformationen, das Pflanzenwachstum, die Visionen aller drei staatlichen Orakel. Schließlich lagen 15 Vorschläge aus dieser Region vor.

Das Haus des Bauern Chökyong Tsering hatte ungewöhnlich farbige Dachziegel und eine krumme hölzerne Regenrinne – exakt so hatte den gesuchten Ort ein hoher Lama in der Hauptstadt vorhergesehen. Der Leiter der Gruppe, Abt des berühmten Klosters Sera (mit damals 7500 Mönchen), hatte sich als Diener verkleidet. Doch zielsicher rannte Lhamo, der zwei Jahre alte jüngste Sohn der Bäuerin, zu ihm hin, kletterte auf seinen Schoß und spielte mit seiner Gebetskette, die dem toten Dalai Lama gehört hatte. Die Männer enthüllten ihre Identität und den Besuchszweck, Bauer Chökyong und seine Frau Dekyi waren sehr geschmeichelt. Dann wurde der kleine Lhamo geprüft: War er wirklich die Wiedergeburt des Dalai Lama, müsste er sich an Gegenstände aus seinem früheren Leben erinnern.
Noch keine Bewertungen vorhanden


Mehr zum Thema:

Einsortiert unter:

Buddhismus  /  China  /  Dalai Lama  /  Gottkönig  /  Tibet