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Trend & Style
Comeback für die Tarantella. Warum?
Dieser Artikel stammt aus P.M. Fragen & Antworten
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Einst Heiltanz, heute Modetanz: die Wiederentdeckung der Tarantella
In schicken römischen oder mailändischen Discos ist sie zurzeit hipissimo: die Tarantella. Der neue Hype hat wahrscheinlich mit dem Interesse an den magisch-religiösen Wurzeln des geheimnisvollen Heiltanzes zu tun. Schriftlich belegt ist die Tarantella seit 1400, aber wahrscheinlich geht sie sogar in vorchristliche Zeiten zurück. Zugrunde liegt eine Form von abergläubischer Hysterie, die in Apulien noch bis ins letzte Jahrhundert hinein fast ausschließlich Frauen befiel: der Tarantismo.
Das Wort leitet sich ab von der Tarantel (lycosa tarantula), einer ungiftigen Spinne, deren Stiche – glaubte man – eine rätselhafte Krankheit auslösen. Symptome: periodisch wiederkehrende Krämpfe, Fieberanfälle, Schweißausbrüche, starke Schmerzen am ganzen Körper.
Moderne Psychosomatiker sehen im Tarantismo aber einen Ausdruck totaler Frustration: Die von Armut und Unterdrückung gezeichneten Frauen des italienischen Südens konnten sich durch die Krankheit mehr Aufmerksamkeit erzwingen und vor allem ein Ventil für körperliche und emotionale Verspannungen schaffen. Heilen ließ sich der Tarantismo nur durch eine bestimmte Musik. Hauptinstrumente: ein Tamburin mit Schellen, dazu Violine, Gitarre und Gesang. Die sehr schnelle Musik im 3/8- und 6/8-Takt brachte die »Besessenen« dazu, sich in bis zu 36 Stunden langen Tranceritualen das Gift aus dem Leib zu tanzen.
Durch die Italienbegeisterung der Romantik hat die Tarantella als »südlicher Tanz« im 19. Jahrhundert Eingang in die klassische Musik und in Operetten gefunden. Bis in die 1960er-Jahre hinein fanden in Apulien noch Heilrituale statt. In den 1970er-Jahren begannen erste Jugendbands die Musik wieder zu spielen und Festivals zu organisieren.
Seit 2000 ist auch das Interesse am Tanz wieder erwacht. Manche Tanzpädagogen setzen die Tarantella inzwischen für Kinder ein, die unter Hyperaktivität leiden. So gesehen ist die neue Begeisterung der italienischen Jugend wahrscheinlich auch ein Ausdruck ihrer nervlichen Belastung: Mit der Tarantella lässt sich eben der Stress besonders gut »abdancen«.

























