Lebe, wie du, wenn du stirbst, wünschen wirst, gelebt zu haben.
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Der Traum-Tänzer
Bruce Chatwin
Dieser Artikel stammt aus P.M. Biografie
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Er raste über die Erde, als gäbe es kein Morgen. Und verwandelte das kurze Leben eines besessenen, schwulen, aidskranken Schriftstellers in die Legende des unwiderstehlichen, unbesiegbaren Abenteurers Bruce Chatwin.
Seine Augen waren blau. Sehr blau. Immer noch. Sie waren scharf und unbestechlich, wie vor 25 Jahren. Und wie immer hatte er keine Zeit zu verlieren. Die Beine trugen ihn nicht mehr, also mussten sie ihn durch London schieben. Er schrie, wenn es nicht schnell genug ging, die Räder des Rollstuhls schlingerten im Regen, aber er wollte weiter, immer weiter. Wollte alles noch einmal sehen, sich einverleiben. Die ganze Welt zusammentragen. Aufbewahren, für die Ewigkeit: das japanische Lackdöschen. Den Armreif aus der Bronzezeit. Den etruskischen Kopf. Das prähistorische englische Schneidemesser aus Jade. Schnell. Schneller. Er konnte nicht warten, bis alles eingepackt war, Verkäufer mussten die Kunstwerke in Plastikbeutel stecken und hinten an seinen Rollstuhl hängen. Objekte im Wert von einer Viertelmillion Pfund. Ein Ballen Seide aus dem 18. Jahrhundert. Eine assyrische Quarzente. Alles erlesen. Exquisit. Wie sein Geschmack.
Das Virus hatte sein Gehirn schon angefressen, der für die Vernunft zuständige Bereich war geschrumpft, die Ärzte diagnostizierten eine Manie. Unmöglich, rational zu denken. Aber er redete, redete wie immer, charmant, wortgewandt, witzig. Er hatte Pläne, ungeheure Pläne, wollte eine Sammlung anlegen mit Werken von außergewöhnlicher, spiritueller Schönheit – ein Vermächtnis seines Kunstverstandes: die „Homer-Collection“.
Seine Augen waren blau. Sehr blau. Immer noch. Sie waren scharf und unbestechlich, wie vor 25 Jahren. Und wie immer hatte er keine Zeit zu verlieren. Die Beine trugen ihn nicht mehr, also mussten sie ihn durch London schieben. Er schrie, wenn es nicht schnell genug ging, die Räder des Rollstuhls schlingerten im Regen, aber er wollte weiter, immer weiter. Wollte alles noch einmal sehen, sich einverleiben. Die ganze Welt zusammentragen. Aufbewahren, für die Ewigkeit: das japanische Lackdöschen. Den Armreif aus der Bronzezeit. Den etruskischen Kopf. Das prähistorische englische Schneidemesser aus Jade. Schnell. Schneller. Er konnte nicht warten, bis alles eingepackt war, Verkäufer mussten die Kunstwerke in Plastikbeutel stecken und hinten an seinen Rollstuhl hängen. Objekte im Wert von einer Viertelmillion Pfund. Ein Ballen Seide aus dem 18. Jahrhundert. Eine assyrische Quarzente. Alles erlesen. Exquisit. Wie sein Geschmack.
Das Virus hatte sein Gehirn schon angefressen, der für die Vernunft zuständige Bereich war geschrumpft, die Ärzte diagnostizierten eine Manie. Unmöglich, rational zu denken. Aber er redete, redete wie immer, charmant, wortgewandt, witzig. Er hatte Pläne, ungeheure Pläne, wollte eine Sammlung anlegen mit Werken von außergewöhnlicher, spiritueller Schönheit – ein Vermächtnis seines Kunstverstandes: die „Homer-Collection“.
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