Der Beifall, der neuen Größen gespendet wird, entstammt nur zu oft dem Neid auf die bereits vorhandenen
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Wissenschaft aktuell
Brücke von Europa nach Amerika
Dieser Artikel stammt aus P.M. Magazin
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Die »Transatlantic-Bridge« ist eine Utopie, doch auch der Mondflug schien unerreichbar – und wurde hundert Jahre nach Jules Vernes visionärem Roman »Von der Erde zum Mond« Realität. Deshalb glauben die beiden Designer Michael Haas und Kai Zirz von der Staatlichen Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe, dass ihre Idee eines Tages Wirklichkeit wird: eine 3439 Kilometer lange Brücke über den Atlantik, die Europa und Amerika miteinander verbindet. Das Projekt greift nicht technologisch und soziologisch nach den Sternen. Bei der Aufhängung ihres Megabaus orientieren sich die beiden Gestalter an US-Plänen für den Bau eines Fahrstuhls ins All: Dessen Laufseil soll an einem in 36000 Kilometer Höhe stationierten Satelliten befestigt werden, der sozusagen ortsfest über der Erde steht; genauso könne man die transatlantische Brücke an Satelliten aufhängen. Nach den Vorstellungen der beiden Visionäre soll sie in 800 Meter Höhe vom französischen St. Nazaire nach Bridgeport im US-Staat Connecticut führen – und wäre das achte Weltwunder. Das Bauwerk erfüllt nicht nur die Funktion einer transkontinentalen Autoverbindung – es bildet gleichzeitig das Territorium des eigenständigen künstlichen Staates »TransatlanticNation« mit acht Millionen Bewohnern, deren soziales und politisches Leben nach ganz neuen Regeln organisiert ist.
Wie Perlen an einer Perlenkette reihen sich auf dem Brückenkörper 20 Städte sowie Freizeitgebiete, Industrie- und Wirtschaftszonen, Kraftwerke und Forschungszentren aneinander. Die Metropole des neuen Brückenstaats heißt »Horonto«: Sie ist 20 Kilometer lang und ragt mehrere hundert Meter über den Brückenrand hinaus. Ihre Wohnungen, um weite Innenhöfe und Atrien gruppiert, bieten Platz für 200000 Menschen, die hier alle kulturellen Annehmlichkeiten vorfinden: Theater, Opernhäuser, Galerien. Unter den Städten befinden sich schwimmende Hochsee- und Jachthäfen, die mit Turboliften erreichbar sind. Bohrplattformen unter der Brücke erschließen normalerweise unzugängliche Öl- und Gasvorkommen im Ozeanboden. Raffinerien verarbeiten die Rohstoffe vor Ort zu Treibstoffen und pumpen sie durch Pipelines zu den Brückenstädten sowie zum Festland. Als weitere Energielieferanten dienen 20000 über die Brücke verteilte Windanlagen sowie 1000 Schwimmpontons mit Turbinen, die aus der Wasserkraft des Golfstroms Elektrizität gewinnen. Was auf der Brücke nicht verbraucht wird, fließt in die Stromnetze Europas und Amerikas. Der Datenverkehr der Brücken-Zivilisation läuft über ein mächtiges Glasfasernetz – das leistungsstärkste der Welt. Es soll die elektronische Industrie, Software-Entwickler, Banken und den globalen Kapitalmarkt anziehen, für den Horonto eine Börse einrichtet.
Regiert wird die »TransatlanticNation« von einem Rat aus 54 »Workmasters«: Sie sind von den Bürgern gewählt und legen diesen alle wichtigen Entscheidungen zur Volksabstimmung vor. Daneben hat jede Stadt und jede Industriezone als untere Instanz einen Lokalrat aus zwölf gewählten Bürgern – Parteien gibt es nicht. Jeder Brückenbewohner unterliegt der sozialen Grundpflicht, pro Woche mehrere Stunden gemeinschaftliche Arbeit in Kindergärten oder Bibliotheken zu leisten. Der Bau der Brücke soll gleichzeitig von beiden Seiten des Atlantiks aus vorangetrieben werden: 1000 Meter lange, 40 Meter breite und 60 Meter hohe Segmente aus Stahl und Beton werden aneinandergefügt und alle fünf Kilometer an einem Stahlseil aufgehängt. In den Kern der Segmente eingebettet sind die Versorgungsleitungen sowie eine Vakuumröhre, in der eine Magnetschwebebahn mit doppelter Schallgeschwindigkeit verkehrt – eine »Concorde auf Schienen«, die den Atlantik schneller überqueren wird als ihre verschrottete Vorgängerin in der Luft.
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- P.M. Special: Speed, Teil 2
























